Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Der Münchner Maler Julius Seyler in Amerika

Julius Seyler, gekleidet als Piegan-Blackfeet in Kriegshemd und Coyotenfellmütze, mit Pfeife und Pfeifentasche, 1913. (Sammlung Irmingard Halbreiter) | Bild: Irmingard Halbreiter

Sonntag, 21.02.2016
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Sportler, Farmer, Indianerfreund
Die Extratouren des Münchner Malers Julius Seyler
Von Julie Metzdorf
Als Podcast verfügbar
Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr

Eiskalt und aalglatt: So beginnt die Karriere des Münchner Apothekersohns Julius Seyler (1873-1955) - zumindest seine sportliche. Mit 17 Jahren ergattert er auf dem Kleinhesseloher See in München seine erste Medaille im Eisschnelllauf und mausert sich zu einem der weltweit besten Läufer. Nebenbei gewinnt er Ruder- und Segelwettbewerbe.

Doch Sport allein reicht dem jungen Mann nicht. Er studiert Malerei und feiert auch in der Kunst bald große Erfolge. Ob Dießener Landstraße, Krabbenfischer in der Bretagne oder die Lofoten vor Norwegens Küste: In München gehört es bald zum guten Ton, einen Seyler im Haus zu haben. Den Maler selbst zieht es hingegen immer weiter von München weg. Bei einem Verwandtschafts-Besuch in Amerika lernt er den Eisenbahnmagnaten Louis Hill kennen und erhält den Auftrag, Werbeplakate für einen Nationalpark zu malen. Seylers Malweise ist dafür allerdings denkbar ungeeignet. Seine impressionistischen Bilder wirken flüchtig und skizzenhaft und entsprechen so gar nicht den gewünschten Kitschansichten der Rocky Mountains. Trotzdem hat die Reise ihr Gutes: Seyler begegnet den ortsansässigen Blackfeet-Indianern und schließt Freundschaft mit ihnen.

Zwei Sommer begleitet Seyler die Indianer und malt sie: Als Krieger hoch zu Ross oder im wilden Galopp als Büffeljäger, ganz so, wie sie sich selbst gern sehen. Mit der Realität hat das allerdings nichts zu tun, seit Jahren leben die Blackfeet in den engen Grenzen von Reservaten und die Bisons - ihre einstige Lebensgrundlage - sind längst ausgerottet. Doch dann bricht in Europa der Erste Weltkrieg aus und Seyler kann nicht in die Heimat zurück …

Julie Metzdorf hat sich auf die Spuren von Julius Seylers begeben, hat mit Sammlern, Ethnologen und Kunsthistorikern gesprochen und lässt - wie Seyler in seiner Malerei - in ihrem Feature die Vergangenheit anklingen. Ein Hörstück über Sport und Indianer und viel frische Luft!

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.