Bayern 2

radioTexte am Dienstag C.S. Lewis: Dienstanweisung für einen Unterteufel (1/4)

Dienstag, 18-10-2022
9:05 PM to 10:00 PM

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

C.S. Lewis: Dienstanweisung für einen Unterteufel
Der Klassiker des Autors von "Die Chroniken von Narnia" neu übersetzt: Die "Dos and Don'ts" bei der Verführung zum Bösen vom dämonischen "Malfluencer".

Lesung in vier Teilen mit Stefan Wilkening
Regie: Antonio Pellegrino
Moderation und Redaktion: Kirsten Böttcher

"Der Teufel…, der hoffärtige Geist, kann es nicht ertragen, verlacht zu werden."
(Thomas Morus)

"Falls ihm der leiseste Verdacht kommt, dass es Dich gibt, weck in ihm die Vorstellung von etwas Rotbestrumpftem mit Hörnchen und Bocksfuß und rede ihm ein, dass er - da er daran nicht glauben kann - folglich auch nicht an Dich glauben kann (ein altes Schulbeispiel, wie man sie irreführt).“
(C.S. Lewis, Dienstanweisungen für einen Unterteufel)

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte Clive Staples Lewis gerade erst begonnen, das Werk zu konzipieren, das ihn weltberühmt machen sollte: die Fantasyreihe "Die Chroniken von Narnia“, in dem Aslan gegen die Weiße Hexe kämpft. Zuvor, genauer im Jahr 1941, hatte sich C. S. Lewis auch schon mit der ewigen Frage nach Himmel und Hölle, dem Guten und Bösen in der Welt auseinandergesetzt, aber auf ganz andere Art: In dem schmalen Büchlein "Dienstanweisungen für einen Unterteufel" schreibt Oberteufel und Mentor "Malfluencer" an Unterteufel und Jobanfänger "Warzwurm", wie er am effizientesten seinen "Klienten" zum Bösen verführen kann. Diese diabolisch vergnügliche Satire in Briefen wurde erst vor Kurzem von Pia-Elisabeth und Peter Leuschner nicht nur neu übersetzt, sondern ins 21. Jahrhundert geholt. Der dämonische Unterstaatssekretär "Screwtape" heißt in unserer Social-Media-Ära nunmehr "Malfluencer", der ein teuflisch gutes Gefühl dafür hat, welches Framing bei uns Menschen zu Selbstmitleid und Egoismus führen kann, was der beste Katalysator für Wut- und Frustverstärkung ist und welche Strategien uns "Klienten" zielsicher zu Selbstverrat, Angst oder Grausamkeit führen. Kaum etwas allzu Menschliches entgeht den Mails der infernalen Dienstaufsicht!

C. S. Lewis, geboren 1898 in Belfast (Nordirland), erlebte den Ersten Weltkrieg als junger Soldat an der Front, kehrte schwer verwundet zurück. Neben seiner akademischen Karriere in Cambridge und Oxford schrieb der Literaturwissenschaftler unter anderem Gedichte, Science-Fiction-Romane und die weltweit sehr erfolgreiche, verfilmte Kinderbuchreihe "Die Chroniken von Narnia". Er war lange Zeit eng mit J. R. R. Tolkien und Dorothy L. Sayers befreundet. Aufgrund seiner apologetischen Werke "Pardon, ich bin Christ" und "Dienstanweisung für einen Unterteufel" gilt er heute als "Apostel der Skeptiker". C. S. Lewis starb am 22. November 1963 in Oxford.