Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Ehegeschichten aus Bayern

Sonntag, 18.04.2021
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

"Trau Dich!"
Ehegeschichten aus Bayern
Von Thomas Grasberger

Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr
Als Podcast verfügbar

Für die einen ist sie ein überflüssiges Auslaufmodell, für die anderen bleibt die Ehe das Fundament einer christlich-abendländischen Zivilisation; allerdings ein zunehmend wackliges. Denn jedes dritte Kind hat heute bei seiner Geburt unverheiratete Eltern. Trotzdem ist das Heiraten nicht völlig "out" bei jungen Leuten. Immerhin geben sich im Freistaat jedes Jahr 60.000 Paare das Jawort, um anschließend mit einem unvergesslichen Event zu feiern.

Steuerbegünstigungen hin, Ehegatten-Splitting her - rein ökonomische Beweggründe wie noch im 19. Jahrhundert stehen dabei wohl seltener im Vordergrund. Hieß es früher in einschlägigen Berichten noch öfter "Das Heirathen ist eine reine Finanzspeculation", steht heute ein umfassenderer Anspruch hinter dem amtlich verbrieften Glücksversprechen.
Enttäuschungen waren freilich zu keiner Zeit ganz auszuschließen, dürften aber bei reinen Liebesheiraten, die im Ehealltag einer gewissen Abnutzung unterliegen, deutlich häufiger sein. "Mach mich glücklich!" heißt der schwer zu befolgende Imperativ, der die Trauung auf Dauer oft zur Trauer werden lässt. Derzeit 25.000 bayerische Scheidungen im Jahr belegen diese These.

"Bedenke der Freiheit Vergänglichkeit" - so mancher hat sein Martyrium in Worte gefasst und als Ehemarterl den Nachgeborenen zu Mahnung aufgestellt. Freilich vergebens, wie wir aus zahlreichen literarischen und historischen Dokumenten wissen. Von Oskar Maria Grafs Bahnhofsvorsteher Xaver Bolwieser bis zu Lena Christs Ehegeschichten, vom bayerischen Stammesrecht der frühmittelalterlichen Lex Baiuvariorum bis zu Scheidungsritualen der Neuzeit - Thomas Grasberger wagt sich ins historische und zeitgenössische Gestrüpp von Ehe(un)ordnungen, die neben viel Glück und viel Leid auch stets für recht unterhaltsame Geschichten gesorgt haben.

BR 2016

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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