Bayern 2

     

Zündfunk Generator Der Rassist in uns: unser verdrängtes koloniales Erbe

Sonntag, 26-1-2020
10:05 nachm. to 11:00 nachm.

BAYERN 2

Der Rassist in uns
Deutschlands verdrängtes koloniales Erbe
Von Florian Fricke
Diese Sendung zum Nachhören unter: www.bayern2.de/zuendfunk
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Spätestens mit dem Aufstieg der AfD ist Deutschlands Ruf als ehrlicher Aufarbeiter der eigenen Vergangenheit dahin - und wahrscheinlich war er schon immer eine Mogelpackung. Wir wissen fast alles über die NS-Zeit, bloß wie die in unseren eigenen Familien abgelaufen ist, wollen wir gar nicht so genau wissen. Eine wahre Black Box ist immer noch Deutschlands koloniales Erbe. Wer weiß schon, dass Afrika auf Einladung Bismarcks ausgerechnet in Berlin aufgeteilt wurde? Wer weiß um die unvorstellbaren Grausamkeiten des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts an den Herero und Nama, begangen von der Schutztruppe der deutschen Kolonialmacht? Die Journalistin Charlotte Wiedemann hat sich in ihrem Buch "Der lange Abschied von der weißen Dominanz" damit auseinandergesetzt, wie sehr koloniale Denkmuster auch heute noch vorhanden sind, oft unterbewusst. Jahrhundertelang hat der Europäer den Globus machtpolitisch dominiert, ihn mit der kapitalistischen Marktwirtschaft überzogen, die bis heute vor allem einem zugutekommt: ihm selbst. Felwine Sarr, Schriftsteller, Musiker, Professor für Wirtschaftswissenschaften und einer der meistdiskutierten Denker Afrikas fordert deshalb in seinem Essay Afrotopia eine wirkliche Entkolonialisierung Afrikas und möchte das Zeitalter des Afrofuturismus einläuten. Der Zündfunk Generator fragt sich, warum die Aufarbeitung der Kolonialverbrechen erst jetzt beginnt und das Bewusstsein dafür, dass unsere Wirtschaft bis heute von kolonialen Strukturen getragen wird, sich so träge und zäh entwickelt. Die neue Welt, sie ist multipolar und hochkomplex. Das kann Angst machen und einschüchtern. Doch dass die
Welt sich so dramatisch ändert, ist laut Wiedemann "alternativlos".