Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Die Bohème im Süden

Blick auf Ascona am Lago Maggiore mit Teilansicht des Monte Veritá | Bild: picture-alliance/dpa

Sonntag, 16.03.2014
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Die Bohème im Süden
Leben am Monte Veritá
Von Ulrike Voswinckel
Als Podcast verfügbar bis 22.3.2014
Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr

Der Monte Verità, am Lago Maggiore im Schweizer Tessin gelegen, war zu Anfang des letzten Jahrhunderts ein bekannter Name und ein Symbol: für Stadtflüchtige, für Vegetarier, für Theosophen, für Anarchisten, für Spinner und Alternative ebenso wie etwas später für Künstler und Schriftsteller. Kaum ein anderer Ort hat so viele neue Lebensentwürfe inspiriert oder ist zur Projektionsfläche von Utopien geworden wie der Monte Verità und seine nähere Umgebung.
Erich Mühsam war einer der ersten, der die Kunde von der Aussteigerkolonie in der Schwabinger Caféhaus-Gesellschaft verbreitete und z.B. die Gräfin Reventlow dazu überredete, in Ascona am Monte Verità eine Scheinheirat mit dem baltischen Baron Rechenberg einzugehen. Oder Oskar Maria Graf: Er machte sich mit Georg Schrimpf zusammen auf den direkten Weg nach Ascona, als er sein hartes Arbeiterleben zugunsten des Schreibens hinter sich lassen wollte. Dort traf er auf den Anarchistenfürsten Kropotkin. Aber mit den "Verdauungsphilistern und Naturtrotteln" wollte er nichts gemein haben. Barfuß-Propheten wie Gusto Gräser waren zwischen dem Monte Verità und München unterwegs. Der Tänzer und Choreograph Rudolf von Laban verlagerte seine Münchner Tanzschule im Sommer 1913 auf den Monte Verità und erarbeitete dort zusammen mit seiner Schülerin Mary Wigman die Grundlagen für den Ausdruckstanz, der nach dem ersten Weltkrieg Triumphe feierte.
Eine ganze Reihe von Künstlern, die bis zum Ersten Weltkrieg in München gelebt hatten, flüchtete in Kriegszeiten in die liberale Schweiz und zog dann nach Ascona zum Monte Verità, so z.B. der Dichter Hugo Ball und die Kabarettistin und Dichterin Emmy Hennings, die Maler Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky, die mit Kandinsky und Franz Marc in München den Aufbruch in die Moderne vorbereitet hatten, der Schriftsteller Leonhard Frank und der Maler Richard Seewald.
Ulrike Voswinckel stellt einige der typischen Biografien zwischen Schwabing und dem "Schwabing von Schwabing" vor.

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