Bayern 2

     

Bayerisches Feuilleton 80 Jahre Haus der Kunst

Haus der Kunst (2001) | Bild: Josef Wildgruber/Süddeutsche Zeitung Photo

Samstag, 15.07.2017
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Vom bösen Geist in den Fugen
80 Jahre Haus der Kunst
Von Julie Metzdorf
Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr, Bayern 2
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Gerhard Richter, Ai Weiwei, Louise Bourgoise: Das Haus der Kunst ist ein lebendiges Ausstellungsgebäude, mit großen Retrospektiven international bedeutender Künstler und wichtigen thematischen Ausstellungen wie zuletzt "Postwar". Doch das Haus ist auch ein Mahnmal seiner selbst: Am 18. Juli 1937 als "Haus der Deutschen Kunst" eröffnet, ist es ein Nazibau der ersten Stunde. Es war der erste Monumentalbau, mit dem die Nationalsozialisten an die Öffentlichkeit traten. Ein architektonisches Vorzeigeprojekt, das schon durch seine Monumentalität den Machtanspruch untermauerte. Als persönliche Herzensangelegenheit des gescheiterten Kunstmalers Adolf Hitler wurde es zu einem zentralen Ort der NS-Propaganda: Hitler hielt in der zentralen "Ehrenhalle" nicht nur kulturpolitischen Reden, er entschied auch persönlich darüber, was ausgestellt wurde.

Als eines der wenigen Gebäude in der Münchner Innenstadt blieb das Haus während des Krieges unversehrt. Da es außerdem ein Restaurant beherbergte, richteten die Amerikaner hier ihr Offizierskasino ein. Fortan wurde im "Haus der Deutschen Kunst" gespeist und getrunken, gepafft und gefeiert, ja sogar Basketball gespielt.

Doch zumindest in Teilen des Gebäudes war bereits ab 1946 wieder Kunst zu sehen: Zunächst Werke aus den zerstörten Pinakotheken, doch schon bald wurden im "Haus der Kunst" - wie es nun hieß - just Bilder jener Künstler gezeigt, deren Kunst während der Naziherrschaft als "entartet" galt: Kokoschka, Nolde, Kandinsky und Klee, bis hin zu Picassos monumentalem Wandbild "Guernica". Eine Art Wiedergutmachung auf kultureller Ebene. Zugleich wurden nach Möglichkeit alle Spuren verwischt, die an das unliebsame Erbe erinnerten: Der blutrote Marmor der Mittelhalle wurde in den 50er Jahren einfach überstrichen und die kühle, monumentale "Nazi"-Fassade des Gebäudes verschwand hinter einer Reihe von Bäumen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte sieht anders aus … Und heute?

Julie Metzdorf über 80 Jahre Haus der Kunst.

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