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Die Kuh Das heimliche Wappentier Bayerns

Sieben Raubkatzen zieren das bayerische Wappen. Doch Löwen und Panther waren hier noch nie heimisch. Wäre eine Kuh nicht typischer für den weiß-blauen Breitengrad?

Von: Andreas Pehl

Stand: 12.05.2021 | Archiv

Die Heraldik, die Lehre von den Wappen, kann natürlich erklären, wie der Löwe ins bayerische Wappen kam. Im Mittelalter waren Wappen die Visitenkarten der Ritter. Weil die Menschen damals nicht lesen konnten, legten sich die Ritter Symbole für ihre Macht und ihre Stärke zu, die sie als Siegel im Schild trugen. Im "Physiologus", einem urchristlichen Werk über die Naturlehre, konnten sie sich ein passendes Wappentier aussuchen.

"Da steht ganz eindeutig drin: Der Löwe ist der König der Tiere. Das passt für einen Ritter schon mal gut. Aber noch besser: Der Löwe wird tot geboren. Und nach drei Tagen kommt Papa Löwe und haucht den kleinen Löwen an. Dann wacht er auf. So ist es ja auch bei Jesus Christus. Er war drei Tage tot und durch die Macht Gottes ist er auferstanden. Es gibt kaum ein besseres Symbol für einen Ritter, als sich einen Löwen ins Wappen zu tun."

Friedrich Ulf Röhrer-Ertl, Heraldiker an der LMU München

Seit über 800 Jahren ist der Löwe das Wappentier der Wittelsbacher. Tatsächlich sollen in einigen Schlössern und Burgen lebende Löwen gehalten worden sein. Es gab sogar einen Löwenmeister als Angestellten bei Hofe. Bis heute ist der Löwe ein allgegenwärtiges Symbol in Bayern, aber prägend für Land und Leute sind doch andere Vierbeiner.

Löwe contra Kuh

Lange Zeit galt Bayern als Agrarland. Kein anderes Tier symbolisiert diese Geschichte so gut wie eine Kuh. Und noch immer steht jede vierte Kuh in Deutschland irgendwo in Bayern.

"Egal wo man hinsieht, ob das im Bayerischen Wald ist oder im Gäuboden, auf den Almen oder in Mittelgebirgslagen oder bis hinauf in Nordbayern in die Rhön. Da hat die Wirtschaftsweise der Landwirte mit der Rinderhaltung genau das hervorgebracht, was man heute sieht … Ein Rind hat in Bayern viel mehr mit Land und Leuten zu tun als ein Löwe."

Georg Röhrmoser, Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Rinderzüchter

Auch symbolisch hat eine Kuh viel zu bieten. Sie steht für Fleiß, Sanftmut und Mütterlichkeit. Ihre Ruhe und Gelassenheit spiegelt das bayerische Lebensgefühl wider, getreu dem Motto "Leben und leben lassen". Aber Vorsicht: Die gemütliche Ausstrahlung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kühe reizbar sind. Wer sie für blöd hält, kann sich auf Ärger gefasst machen. Dann schlägt der bayerische Grant durch. Und in einem Kuhstall geht es oft zu wie an einem bayerischen Stammtisch.

"Es menschelt. Wenn ich in einer Kuhherde bin und wenn ich mich an einen Stammtisch hinsetzen würde: Da sind welche, die sind hochnäsig. Es sind welche dabei, die kuschen. Es sind welche, die mandeln sich auf. Und dann kommt ein anderer, und plötzlich ziehen sie ab."

Thomas Plettenberg, Kuhfotograf und Herausgeber des Kuhkalenders

So betrachtet wäre eine Kuh das perfekte Wappentier für Bayern.


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