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Bayern genießen Meer und mehr - Bayern genießen im Juli

Nein, wir meinen mit dem Titel unserer heutigen Sendung nicht immer mehr und mehr. Wir meinen das Meer und mehr. Lassen Sie sich überraschen, was wir uns zu dem ausgefallenen Bayern-genießen-Titel alles haben einfallen lassen.

Author: Gerald Huber

Published at: 1-7-2023 | Archiv

Zeit für Bayern: Meer und mehr - Bayern genießen im Juli

Unsere Genuss-Themen aus den bayerischen Regionen rund ums Motto "Meer und mehr"

Mehr Boot. Die traditionsreiche Werft auf der Fraueninsel
Blütenmeer. Auf der Landesgartenschau in Freyung
Südsee im Günztal. Die Südseesammlung von Kapitän Karl Nauer
Mehr Marine. Die Marinekameradschaft in Forchheim
Mehr Lagunen. Vor 150 Millionen Jahren im Jura
Meerfeeling. Stadtstrände am Main
Hundemeer. Wo Vierbeiner in Regensburg baden

Mehr Boot. Die traditionsreiche Plätten-Werft auf der Fraueninsel

Das wasserreiche Südbayern hat eine uralte Schiffahrts- und Schiffsbautradition – seit der Antike. Wasserwege waren schließlich, man möchte es in Autobahn-, Eisenbahn- und Flugzeugzeiten kaum glauben, Wasserwege waren einmal die schnellsten und bequemsten Reiserouten überhaupt. Seit Urzeiten bis ins 19. Jahrhundert. Danach hat die Eisenbahn der vielfältigen Bayerischen Schiffahrt zwischen Donau und Inn weitgehend den Garaus gemacht. Womit auch das umfangreiche Schiffahrts-Vokabular untergegangen ist. Ein uraltes Vokabular, das auf die Antike zurückgeht. Das allgemeine Wort für Schiff war Im Bairischen Nau. Ein Wort, das unverkennbar auf das lateinische navis zurückgeht. Oder die Plätte. Im Altgriechischen heißt platae Schiff und Ruder gleichzeitig. Wir sprechen ja auch heut noch vom Ruderblatt. Und dass das Wort griechisch ist, ist auch kein Wunder. Schließlich sind schon in grauen Vorzeiten Schiffe die Donau hinabgefahren zum Schwarzen Meer und von dort heraufgetreidelt worden. Zusätzlich hat man auf Plätten auch immer schon Segel gesetzt. Ganz besonders natürlich dort, wos wenig Strömung gegeben hat, auf Seen wie dem Bayerischen Meer, dem Chiemsee. Dort ist die Plätte immer noch der althergebrachte Fischerkahn und das traditionsreichste Regatta-Segelboot gleichermaßen. Ein echter Designklassiker, bis heute auf der Fraueninsel mitten im Chiemsee gebaut. Freilich können Sie sich, vorausgesetzt, Sie wollen das nötige Kleingeld ausgeben, so ein Boot auf der Fraueninsel kaufen. Man kann aber auch ein bisserl kleiner und volkstümlicher mit einer Plättenfahrt anfangen. Die gibt’s vor allem auf der Salzach, wo sie das traditionelle Salzschiff war und auf dem Innschiff. Dort, in Passau sogar besonders prächtig. Aber auch zum Beispiel auf der Oberpfälzer Vils bei Amberg. Informationen dazu gibt’s auf unserer Bayern-genießen-Seite.

Blütenmeer. Auf der Landesgartenschau in Freyung

Obwohl man auf die Idee kommen könnte, dass das Meer einfach so heißt, weil im Meer einfach mehr Wasser drin ist als im See – Meer und mehr hängen etymologisch, also worthistorisch, leider nicht zusammen. Oder wenn, was man so genau leider nie wird in Erfahrung bringen können, dann allenfalls auf Umwegen. Das Meer ist das gleiche uralte Wort wie das lateinische mare, hängt auch zusammen mit unserem Wort Moor oder den Maaren, den Vulkanseen in der Eifel und bedeutet nix anderes als große Wasserfläche. Das Marmarameer zwischen Schwarzem Meer und Ägäis ist so gesehen dreifach gemoppelt ein marmarmar. Und über den Umweg zu dem uralten Lallwort ma- könnte das Meer mit e dann eben doch mit mehr mit h zusammenhängen. Weil die jahrtausendealte, also steinzeitliche Wortwurzel ma- oder me- alles bezeichnet, was, ja, tatsächlich mega ist, also groß, großartig, hoch, alt, oder lang, laut und so weiter und so fort.

Die Wurzel gibt es in unzähligen Sprachen zwischen Indien und dem Atlantik, die alle miteinander verwandt sind. Maharadscha zum Beispiel heißt nichts anderes als großer König, und klingt nicht zufällig ganz ähnlich wie lateinisch magnus rex. Langer Rede kurzer Sinn: So gesehen ist die große Wasserfläche Mare-Meer halt vielleicht doch mit dem immer mehr verwandt. Weils halt doch mega viel Wasser ist. Weit und breit Wasser. Und spätestens jetzt sind wir bei unserem nächsten Thema; der Bayerischen Landesgartenschau in Freyung. Die steht heuer unter dem Motto Wald, Weite, wunderbar. Ein Blütenmeer inmitten des Baummeers des Bayerischen Waldes. Was will man mehr?

Südsee im Günztal. Die Südseesammlung von Kapitän Karl Nauer

Dass beim Allgäu niemand ans Meer denkt, sondern an das absolute Gegenteil, die Berge, liegt auf der Hand. Allein schon deshalb, weil das Allgäu natürlich nix anderes ist als das Alpgäu, das Land der Almen beziehungsweise Alpen, die ihrerseits wieder ein und dasselbe sind mit dem Namen des großen europäischen Hochgebirges, den Alpen, in denen die gleiche Wortwurzel steckt wie in lateinisch altus = hoch. Aber Gegensätze ziehen sich halt an. Aus dem hochdeutschen Hochland haben sich im Lauf der Geschichte nicht wenige aufgemacht ins brettlebene niederdeutsche Tiefland, wo das Land mehr und mehr übergeht ins Meer, bis man irgendwann nimmer stehen kann. Und dann brauchts halt ein Schiff. Verzeihen Sie die Blödelei, ich kann nicht anders. Nau ist das bayerische Wort für Schiff. Und es ist bestimmt Zufall, wenn halt auch ein gspassiger, dass der berühmteste Allgäuer Kapitän karl Nauer geheißen hat. Geboren 1874 in Obergünzburg hat er bereits als Schüler den Entschluss gefasst Kapitän zu werden und ferne Länder zu erkunden. Und er ist tatsächlich Kapitän geworden. Vor allem in der Südsee rund um die deutsche Kolonie Neuguinea. Dort hat er eine beträchtliche ethnographische Sammlung zusammengetragen und sie schließlich 1913 seiner Heimatgemeinde gestiftet.

Mehr Marine. Die Marinekameradschaft in Forchheim

Bayern waren schon immer gute und geschätzte Schiffer und Seeleute. Nicht bloß daheim auf ihren Flüssen und Seen, sondern grad auch draußen auf dem weiten Meer. Es ist nur eine böswillige, durch nichts belegte Behauptung – auch, wenn sie nach wie vor gern kolportiert wird – dass Bayern vor allem deshalb als Seeleute beliebt waren, weil sie nicht schwimmen konnten. Im Zweifel dürfte ein an, sagen wir einmal, Inn, Isar, Lech oder Donau aufgewachsener Flachlandbayer jedenfalls besser mit Wasser zurechtgekommen sein als die gemeine Landratte aus den dürren heidereichen Gegenden Niedersachsens. Dass die Bayern schon immer gute Seefahrer waren dürfte vielmehr an der Motivation liegen. Wie gesagt Gegensätze ziehen sich an und die Ferne lockt immer. Den Traum von Abenteuern auf hoher See und weitem Meer haben spätestens seit dem 19. Jahrhundert, spätestens seit sie die Odyssee, Robinson Crusoe oder Moby Dick gelesen haben, viele geträumt. Und bis heute ist die Bayern, früher als Panzerschiff, dann als Zerstörer, heute als Fregatte, eines der Flaggschiffe der deutschen Marine. Und viele Schiffe der Deutschen Marine tragen den Namen bayerischer Städte. Da ist es auch kein Wunder, dass es in zahlreichen bayerischen Städten zwischen Aschaffenburg und Passau Marinekameradschaften gibt. Die haben in letzter Zeit wieder ziemlich Zulauf. Wenn Sie sich interessieren, wo es eine gibt – hier ein Überblick.

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Mehr Lagunen. Vor 150 Millionen Jahren im Altmühl-Jura

Die Donau und damit die Verbindung zum Schwarzen Meer und zum Mittelmeer war für Bayern seit jeher von allergrößter Bedeutung. Alle Entwicklungsschübe für das Land vor den Alpen kamen auf dieser Route: Die landwirtschaftliche Kultur ist in der Steinzeit donauaufwärts gewandert genauso wie Olivenöl, Wein oder kostbare Konsumgüter aus dem Mittelmeerraum in der Kelten- und Römerzeit und im Mittelalter. Heute ist die Donau erst ab Kelheim bzw. Regensburg schiffbar. In alten Zeiten, waren die Schiffe kleiner, da sind sie bereits ab Ulm gefahren: Die berühmten Ulmer Schachteln – übrigens auch nix anderes als Plätten, bloß mit Kajütenaufbauten unter anderem für den Personentransport. Und noch im Zweiten Weltkrieg hat man hunderte große Kriegsschiffe, darunter tatsächlich auch U-Boote, über die Autobahn nach Ingolstadt gebracht und von dort aus ins Schwarze Meer gefahren. Was nichts an der Tatsache ändert, dass Bayern halt ein Binnenland ist und bleibt. Das war aber nicht immer so. Man muss bloß weit genug zurückgehen: Sangmaramoi so 150 Millionen Jahre. In der Jurazeit, als die Saurier über die Erde gelaufen sind, gabs bei uns das tropische Jurameer mit wunderbaren Lagunen. Die Sedimente aus diesem Meer durchziehen heute die Mitte Bayerns rund um die Altmühl. Deswegen ist die ganze Altmühlregion ist, wenn man so will, ein einziger großer Jurassic Park. Vom Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen im Westen bis zum Dinosauriermuseum bei Beilngries im Osten. Und dazwischen vielleicht selber Versteinerungen suchen in einem der zahlreichen Fossiliensteinbrüche. Schweißtreibend bei tropischen Jurameer-Temperaturen. Aber auch da gibt’s Abhilfe…

Meerfeeling. Stadtstrände am Main

Heute verbindet ja der berühmte Main-Donau-Kanal mitten durch Bayern Nordsee und Schwarzes Meer. Denn mitten durch das Juraland verläuft die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer. Das ist auch früheren Generationen schon aufgefallen, dass man daraus Nutzen ziehen kann. König Ludwig I. hat im 19. Jahrhundert den Ludwig-Donau-Main-Kanal bauen lassen. Und, ja, tatsächlich, schon zur Zeit Karls des Großen um 793 nach Christus hats einen Vorläufer gegeben: Die Fossa Carolina, den Karlsgraben. Jüngsten archäologischen Ausgrabungen zufolge hat der tatsächlich funktioniert. Wie gesagt: Dass flussabwärts immer ein Meer liegt, das hat man in Bayern schon allerweil gewusst. Weswegen die Bayern schon immer Meerfans waren. In jüngsten Zeiten mehr denn je. Da holen sie sich das Meergefühl einfach heim. Strände gibt’s in Bayern eh wie Sand am Meer. See- und Flussstrände sowieso, aber natürlich auch die modernen Stadtstrände. Nicht bloß in Bad Kissingen oder Schweinfurt, sondern zum Beispiel auch in Mainburg oder München. Und wenns ein bisserl mehr Historie sein soll, dann machen Sie einfach einen Sommerausflug in den Treuchtlinger Ortsteil mit dem bezeichnenden Namen Graben, hauen sich in die Wiese am historischen Karlsgraben, genießen das historische Flair und die schöne Landschaft, wie die Franzosen sagen würden entre deux mers, zwischen zwei Meeren.

Hundemeer. Wo Vierbeiner in Regensburg baden

Auch wenn das schöne Wetter bei Ihnen vielleicht grad Pause macht. Sommer, Sonne, sengende Hitze sind jedenfalls nicht weit. Und da denken unvermeidlich viele von uns an mehr Meer. Oder meinetwegen auch an weniger. Weniger ist mehr – der Spruch in Bayern in diesem Zusammenhang ganz besonders. Denn während es in Bayern nun einmal null große Meere gibt, gibt es viel Meer kleine Gewässer vom großen See bis zum Mini-Weiher, die Abfrischung versprechen. Und die gehört beim Weiher sogar zum Programm. Denn Weiher kommt von lateinisch vivarium und das heißt Fischteich, Gehege, eigentlich Lebensraum.Wir Lebewesen brauchen halt das Wasser unbedingt. Nicht bloß zum Trinken. Und das gilt an heißen Tagen für Mensch und Tier gleichermaßen. Am Guggenberger Weiher, dem Guggi, wie die Regensburger sagen, gibt’s dafür einen ausgewiesenen Hundestrand.

Angefangen haben wir heute am Chiemsee, dem bayerischen Meer. Und dorthin direkt unter die Kampenwand kehren wir zurück zu unserem Schlussbild. Ein hochinteressanter Ortsname übrigens: Kampenwand. Weil er uns direkt verbindet mit den Ureinwohnern unseres Landes, unseren direkten Vorfahren, den Kelten. So alt ist der Name schon. Kampenwand klingt nicht umsonst nach Kamm. Kammnamen sind ja gar nicht selten für kammartig gezackte Wände im Hochgebirg, denken Sie nur an den Hahnenkamm. Die Kampenwand ist deswegen so interessant, weil sich darin noch hat sich der Lippenverschlusslaut des Ursprungsworts erhalten hat: Camba war das keltische Wort für Kamm. Und die Römer haben das als Fremdwort übernommen. Wir haben daraus den Kamm gemacht. In der Kampenwand hat sich aber das p bzw. b erhalten, genauso wie im bairischen Kampe für Kamm. Nicht zu verwechseln mit dem jungen Kampe. Der ist ursprünglich ein Kämpe, bzw. Kämpfer der sich auf dem Campus, der Wiese prügelt. Und so ein Kampe hat mit dem Kamm-Kampe bloß insofern zu tun, dass er sich damit nach getaner Rangelei auf der Liegewiese das Haar richtet, den Kampe anschließend hinten in die Badehose steckt, bevor er sich er sich erhebt von der Liegewiese und vor dem Hintergrund der Wogen des Bayerischen Meers wiegenden Schritts in Richtung Weißbier wandert. Die Bilder gleichen sich. Von Ipanema bis Übersee am Chiemsee. Mehr oder weniger…


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