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Was macht eigentlich ein Showrunner? Die wichtigste Person im Serienbusiness

Er ist ein Mädchen für alles - aber eines, das im Chefsessel Platz nimmt. Der Showrunner einer Serie mischt überall mit und hat im Zweifel das letzte Wort. Im Abspann sucht man ihn trotzdem vergebens.

Von: Juliane Frisse

Stand: 15.10.2014 | Archiv

Showrunner Vince Gilligan | Bild: picture-alliance/dpa / Montage: BR

Zirkusdirektor, Elefantendompteur und die Käfige macht er auch noch sauber: Wäre das Serienbusiness ein Zirkus, dann würde das Jobprofil des Showrunners in etwa so aussehen. Der Vergleich stammt vom Serienautor Michael Oates Palmer, der unter anderem für das Politdrama "The West Wing" geschrieben hat - und tatsächlich ist der Showrunner einer Serie eine Art Mädchen für alles. Nur eben eines, das gleichzeitig auch noch im Chefsessel sitzt.

Viel Verantwortung und lange Arbeitstage

Was auch immer entschieden werden muss, es gilt: Der Showrunner hat das letzte Wort. Dementsprechend trägt er aber auch die volle Verantwortung für die Serie. Und das bedeutet viel Druck, sagt Jill Soloway, die Showrunnerin der Amazon-Produktion "Transparent" – und eine der wenigen Frauen in diesem männerdominierten Beruf:

"Ich erinnere mich an ein Vorstellungsgespräch für einen Showrunner-Job und da habe ich gesagt: Sie wissen, dass ich nicht garantieren kann, dass die Serie gut wird. Ich kann nicht garantieren, dass ich weiß, wie man das Feuer schürt, das diesen Heißluftballon in die Luft steigen lässt."

Showrunnerin Jill Soloway

Überall mitmischen

Zur Verantwortung kommen auch noch extrem lange Arbeitstage. Denn ein Showrunner mischt überall mit: Oft hat er sich eine Serie ursprünglich ausgedacht, aber auch wenn nicht, muss er eine kreative Vision für sie entwickeln. Gleichzeitig muss er das Budget im Blick haben, Schauspieler casten, die Story weiterspinnen, mit Sender- und Studiobossen verhandeln...und last but not least ist er auch noch das Gesicht, das die Serie repräsentiert. Fragt man Showrunnerin Jill Soloway, dann haben sie und ihre Kollegen aber vor allem eine Aufgabe: dass im Autorenteam einer Serie, dem sogenannten Writers' Room, die Atmosphäre stimmt.

Eine der wenigen weiblichen Showrunnerinnen: Jill Soloway

"Dazu gehört, dass im Writers‘ Room Ausgeglichenheit herrscht, dass gelacht werden darf, dass man als Autor alles aussprechen kann, dass die Leute auch mal was riskieren und sich verletzlich zeigen – und wenn ein Showrunner das alles hinbekommt, dann sind die Chancen sehr viel größer, dass das Endprodukt großartig wird", sagt Showrunnerin Jill Soloway. Wenn die Serie tatsächlich großartig wird, dann werden Showrunner oft zu Stars, so wie Vince Gilligan durch "Breaking Bad" oder David Simon durch "The Wire".

Sonnenkönig Showrunner

Dass bei einer Einzelperson alle Fäden zusammenlaufen, fördert allerdings einen gewissen Personenkult rund um den Showrunner. Soloway ist längst nicht die einzige im Serienbusiness, die findet, dass manchem Showrunner seine Allmacht ein bisschen zu Kopf steigt und er sich wie ein Sonnenkönig aufführt: "Man könnte es eine männliche Art zu führen nennen. Ein wütender Mann, der sagt: Mach deinen Job ordentlich – oder du fliegst. Und mach es vor allem so, wie ich es für richtig halte. Dieser Typ Showrunner glaubt, der Erfolg entsteht ganz allein in seinem Kopf – und sein Autorenteam muss das für ihn dann in die Praxis umsetzen."

Einen entsprechenden Ruf hat zum Beispiel Matthew Weiner, der Showrunner der Werbersaga "Mad Men". Seine Autoren hat Weiner angeblich ziemlich gequält und sie weniger als eigenständige kreative Köpfe, sondern vor allem als Erfüllungsgehilfen seiner persönlichen Vision gesehen.

Nettes Mastermind

Showrunner von "Six Feet Under": Alan Ball

Auch wenn "Mad Men" als eine der besten Serien überhaupt gilt: Auch und gerade unter einem netten Showrunner kann gute Arbeit entstehen, glaubt Soloway. Sie hat früher zum Beispiel für Alan Ball gearbeitet, den Showrunner von so unterschiedlichen Serien wie dem gefeierten Bestatterdrama "Six Feet Under" und dem Vampir-Hit "True Blood". "Wir Autoren waren wie Geschwister, wenn wir zusammengearbeitet haben, war es eher so, als hätten wir uns zum Essen getroffen, wir haben zusammen gelacht und uns die Welt der Charaktere ausgemalt", sagt Jill Soloway.

Übrigens, auch wenn der Showrunner das Mastermind einer Serie ist - im Abspann braucht man nach ihm nicht zu suchen. Denn eine klassische Berufsbezeichnung ist der Ausdruck "Showrunner" nicht. Hochoffiziell heißt er normalerweise einfach "Executive Producer".


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