Jetzt The Mother We Share Chvrches

Info Die Band Chvrches aus Glasgow schraubt mit Songs wie "The Mother We Share" (2013) am Soundtrack für die sonntägliche Messe in der Hipster-Kirche. Breite Synthie-Pop-Wände treffen auf die zuckersüße Stimme von Lauren Mayberry.

TV & Serie // Tabula Rasa Die Frau ohne Erinnerung

So stylish wie "Hannibal", so verworren wie "Memento": Diese kleine belgisch-deutsche Psychothriller-Serie über eine Frau ohne Gedächtnis führt uns an der Nase rum.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 31.01.2018 | Archiv

Szene aus der ZDFneo-Serie "Tabula Rasa" | Bild: ZDF und Sofie Silbermann

Vor einiger Zeit hatte die junge Mutter und Balletttänzerin Annemie "Mie" D‘Haeze einen schweren Autounfall, der ihr Gedächtnis stark beeinträchtigt hat. Seitdem kann sie sich nur noch an Dinge erinnern, die vor dem Unfall passiert sind. Alles was danach geschehen ist, ist gleich wieder vergessen – wie weggefegt von einem Sandsturm.

Als wir Mie das erste Mal sehen, sitzt sie in der geschlossenen Psychiatrie. Sie sei eine Gefahr für sich und die Umwelt, sagen ihre Ärzte, aber das ist nicht alles: Entlassen wird Mie erst, wenn sie der Polizei geholfen hat, einen Mann zu finden. Der Schrotthändler Thomas De Geest ist verschwunden und Mie ist die letzte Person, die ihn gesehen haben soll – nur kann die sich natürlich an nichts erinnern. Ziemlich schnell ist klar, dass die Polizei sie verdächtigt.

Spukt es nur in ihrem Kopf?

Mies Flashbacks in die Monate vor dem Verschwinden eröffnen eine zweite Erzählebene: Wir tauchen komplett in ihren Kopf ein. Sie ist besessen von Details, an denen sie sich festklammern kann – Uhrzeiten und Zahlen, die Mie sich eingeprägt hat, sagt sie Mantra-artig vor sich hin, um sie nicht zu vergessen. Mie hat Angst, den Verstand zu verlieren. Deshalb hält sie in ihrem Tagebuch alle neuen Infos fest und versucht eine Timeline der Geschehnisse vor dem Verschwinden zu rekonstruieren: Manisch notiert sie, was wann passiert ist und welche Menschen ihr begegnet sind. Nur ist natürlich die Frage: Können wir ihren Erinnerungen überhaupt trauen?

Der Horror, seinem Verstand nicht mehr zu trauen, materialisiert sich in Tabula Rasa in dem alten, unheimlichen Haus von Mies Großvater, in das ihre Familie gerade eingezogen ist. Eigentlich ein Ort, an dem Mie sich sicher fühlen soll, aber dann verschwinden plötzlich Gegenstände und tauchen woanders wieder auf. Mie sieht und hört Dinge, die nicht da sind – und sie verliert die Kontrolle über die Zeit: Mitten in der Nacht steht sie auf, um nach ihrem Mann zu sehen. Doch als sie im Hausflur ankommt, ist es plötzlich früher Morgen. Und dann sind da noch ihre Erinnerungen an den verschwundenen Mann, die langsam auftauchen.

Belgien ist der neue Serien-Hotspot

Die Puzzlestücke zu einer Story zusammenzusetzen, ist aber nur der halbe Spaß bei "Tabula Rasa". Die Serie kommt aus dem kleinen Belgien, wo in den letzten Jahren richtig tolle Serien entstehen, ohne dass es jemand mitbekommt. Das ist schade, denn die belgischen Serien haben nicht nur richtig gute Ideen, sondern auch eine coole Bildsprache, die oft an skandinavische Serien erinnert. Bei "Tabula Rasa" wird es richtig arty: Da zerrinnen Gegenstände zu Sand, wie die Erinnerungen, die Mie entgleiten. Und als Mie merkt, dass sie ihren Traum vom Ballett aufgeben muss, zersplittern ihre Arme wie Glas.

"Tabula Rasa" ist so stylish wie die Horrorserie "Hannibal" und so verworren wie der Kult-Thriller "Memento" – und könnte Belgien zum nächsten europäischen Serien-Hotspot machen.

"Tabula Rasa" läuft ab dem 31.01.2018 jeden Mittwoch um 23:15 Uhr auf ZDFneo. Alle neun Folgen findet ihr auch in der ZDF Mediathek.

Sendung: Hochfahren vom 31.01.2018 - ab 7 Uhr