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TV & Serie // "Altered Carbon" Warum ewiges Leben grausam macht

Wenn man ewig lebt, alle Fehler der Welt machen kann, alle Thrills durchlebt – wo sind dann die Grenzen? Gibt es welche? Die neue Cyberpunk-Serie "Altered Carbon" kennt nur eine Antwort. Und die ist leider ziemlich plump.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 10.01.2018 | Archiv

Szene aus der Netflix-Serie Altered Carbon | Bild: Netflix

"Du bist nicht dein Körper. Du legst ihn ab, wie eine Schlange ihre Haut. Verlass ihn, vergiss ihn, er ist nutzlos." – Das jedenfalls wurde dem verurteilten Revolutionär Takeshi Kovacs in seiner Militärausbildung eingebläut. Aber ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht, als er 250 Jahre nach seinem Tod unsanft im Gefängnis wieder aufgeweckt wird. Ein Methusalem – so wird die reiche, mächtige und nicht alternde Elite genannt – lässt ihn auferstehen, denn Takeshi soll einen Mord aufklären.

Der japanisch-stämmige Takeshi Kovacs wacht also auf und erkennt sich nicht wieder. Er steckt im Körper des weißen Ex-Polizisten Elias Ryker. Das ist möglich, weil jeder Mensch einen Chip implantiert hat – einen sogenannten "Stack", auf dem das Bewusstsein gespeichert ist. Dieser "Stack" kann in jeden beliebigen Körper, einen sogenannten "Sleeve", runtergeladen werden.

Der Körper wird zur Wegwerfware

Takeshi Kovacs kommt relativ schnell mit seinem neuen Sleeve klar, steigt in einem virtuellen Hotel ab und beginnt zu ermitteln, denn ihm wird nicht nur ein hohes Kopfgeld versprochen, sondern auch eine Begnadigung von seiner Gefängnisstrafe. Er ist der Typ "in sich gekehrter Einzelgänger" und raucht wie ein Schlot – natürlich echte Zigaretten. Obwohl man sich fragt, wo da eigentlich der Tabak wachsen soll, in dieser völlig umweltverschmutzen und zugebauten Neon-Zukunft. Takeshi plagen Erinnerungen an seine Vergangenheit. Er betäubt sich mit Whiskey, Drogen, Sex und Gewalt.

Der Körper wird in "Altered Carbon" zu einem austauschbaren Sleeve, der einfach abgestreift wird, wenn der alte es nicht mehr tut. Zumindest, wenn man reich genug ist, so wie die nahezu unsterblichen Methusalems: Sie kaufen sich nach Belieben einen neuen Körper, lassen sich klonen, um ewig jung zu bleiben und sichern ihr Bewusstsein mit regelmäßigen Updates in der Cloud. Der Tod kann ihnen eigentlich nichts mehr anhaben und das macht sie so mächtig wie Götter – Götter ohne Gewissen und Moral.

Denn wenn man ewig lebt, alle Fehler machen kann – alle Thrills überlebt – wo sind dann die Grenzen? Die Antwort der Serie ist aber ganz und gar nicht philosophisch, sondern ziemlich eindeutig: Wer ewig lebt, der verliert seine Menschlichkeit.

Das Setting ist atemberaubend – die Charaktere nicht so sehr

Leider ist "Altered Carbon" ein echtes Durcheinander. Wir sehen Takeshi Kovacs doppelt: In seinen Erinnerungen an die Zeit vor 250 Jahren und in der Gegenwart, jeweils in einem anderen Körper. Und so hat man zur Mitte der Staffel fast das Gefühl zwei völlig unterschiedliche Serien zu sehen. Trotz ihrer aufregenden ewigen Leben sind die Menschen in "Altered Carbon" nicht sehr interessant – im Gedächtnis bleibt ausgerechnet nur ein virtueller Hotelbesitzer.

Für diese Schwächen entschädigt "Altered Carbon" aber mit einem atemberaubenden Cyberpunk-Setting, einer packenden Story und exzessiver Action, die sich vor Game of Thrones nicht verstecken muss.

"Altered Carbon" gibt’s bei Netflix.

Sendung: Hochfahren vom 07.02.2018 – ab 7 Uhr.