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Neue GEMA-Tarife Harte Zeiten für Jugendzentren

Bayerische Jugendzentren schlagen Alarm. Sie befürchten, in Zukunft nur noch selten Konzerte von Nachwuchsbands veranstalten zu können. Der Grund: Seit diesem Jahr treten neue Tarife der GEMA in Kraft.

Von: Lili Ruge

Stand: 12.03.2018 | Archiv

Illustration: Ein Geldsack als Fußfessel  | Bild: BR

Manual Kant haben in einem Jugendzentrum ihren ersten Proberaum gehabt, Mine hat im Jugendzentrum das erste Mal gebreaked. Und ohne den berühmten Knast (heute: Cordobar) in Germering hätte es die Sportfreunde Stiller vielleicht nie gegeben. Jugendzentren sind für viele der Ort, wo man das erste Mal auf ein Konzert oder eine Party geht. Und viele junge Bands legen hier den Grundstein für ihre Karriere als Musiker.

Bisher war das so geregelt: Wenn ein JUZ ein Konzert hat, muss dafür ein bestimmter Betrag an die GEMA bezahlt werden. Ein Teil des Geldes wandert wieder an die Band zurück. Bisher waren die Regelungen der GEMA für Jugendzentren ziemlich locker: Für Livemusik wurde eine Pauschale bezahlt, mit der die Kosten für die GEMA grob abgedeckt waren. Die hatte den Vorteil, dass Jugendzentren sowohl finanziell als auch bürokratisch entlastet wurden. So hatten die Jugendzentren viel Raum für das Experimentieren mit Musik-Veranstaltungen und junge und unbekannte Bands hatten genug Auftrittsmöglichkeiten. Dafür wurde der GEMA vor einigen Jahren sogar der Rockpreis "PICK UP" vom Verband für Popkultur in Bayern (VPBy) verliehen.

Angst vor explodierenden Kosten

Seit Anfang 2018 gelten neue Tarife für Kinder- und Jugendeinrichtungen. Die ursprüngliche Pauschale wurde abgeschafft, künftig muss jede Musikveranstaltung von den Jugendzentren einzeln abgerechnet werden. Und genau das könnte jetzt zum Problem werden, sagt Bernd Schweinar vom Verband für Popkultur in Bayern.

"Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum die GEMA einen über 13 Jahre bestehenden Tarif einfach über den Jordan kippt. Jetzt ist es so, dass jedes Konzert einzeln lizensiert werden muss, was zu einer Verteuerung der ganzen Geschichte führt und dadurch viele Jugendzentren vor Probleme stellt."

- Bernd Schweinar, Verband für Popkultur in Bayern e.V

Im konkreten Fall könnten sich die Kosten mindestens vervierfachen, damit rechnet zumindest das Sonic in Erding.

"Wenn ich zwölf bis 20 Konzerte habe und statt 250 Euro bei 800 bis 1.600 Euro lande, dann muss ich das Geld irgendwo anders wieder einsparen."

- Uli Hofstaller, Sonic in Erding

Die GEMA bietet zwar Rabatte an, die greifen aber nur in Ausnahmefällen. Deshalb fürchten die Jugendeinrichtungen, dass jetzt die monatlichen Kosten für Livekonzerte explodieren könnten. Den bayerischen Rockpreis hat der VPBy der GEMA deshalb heuer bereits wieder aberkannt.

Livekonzerte könnten jetzt teuer werden

Auf die Jugendhäuser kommen künftig aber nicht nur neue Kosten, sondern vor allem auch mehr  Zettelkram zu, sagt Steffen Gerlach vom JUKUZ in Aschaffenburg:

"Jede einzelne Veranstaltung vorher anzumelden und dann die Musikfolgebögen ordentlich ausfüllen zu lassen, einzuschicken und vielleicht dann noch mit Folgearbeit zu rechnen - wenn jetzt die GEMA das einzige wäre, um das wir uns kümmern müssten, dann wäre das wahrscheinlich kein Problem. Aber das macht die Arbeit an der Basis nicht unbedingt angenehmer."

- Steffen Gerlach, JUKUZ

Bei der GEMA wird das alles entspannter gesehen. Die neuen Regelungen stellen ihrer Meinung nach kein Problem dar, sagt GEMA-Sprecherin Gaby Schilcher. Im Gegenteil: Der neue Tarif bietet mehr Transparenz und ist vor allem für junge Bands sogar von Vorteil. Vorausgesetzt, sie sind bei der GEMA gemeldet.

"Unser Ziel ist es, dass die Musikurheber angemessen bezahlt werden und dass es trotzdem Rahmenbedingungen gibt, dass auch nicht bei der GEMA gemeldete Nachwuchskünstler auftreten können. Und das haben wir mit diesem Tarif geschafft."

- Gaby Schilcher, GEMA

Allerdings gibt sie zu: Viel Engagement für Nachwuchskünstler kann jetzt auch mehr kosten. Gerade bei kleineren Konzerten mit geringem Eintritt.

"Wenn es Jugendzentren gibt, die am Wochenende zwei Veranstaltungen bis maximal fünf Euro Eintritt machen und das jedes Jahr, dann werden die mehr bezahlen als bislang." - Gaby Schilcher, GEMA

Aussage gegen Aussage

Im Moment steht Aussage gegen Aussage. Sowohl die Kinder- und Jugendeinrichtungen als auch die GEMA beanspruchen für sich, den Nachwuchs fördern zu wollen. Wie sich die neuen Tarife der GEMA genau auswirken, das wird sich erst Ende des Jahres so richtig zeigen, wenn die Jahresabrechnungen fällig werden. Bezahlen werden die Kosten aber vermutlich diejenigen, die sich für Livekonzerte junger Bands in Kinder- und Jugendeinrichtungen engagieren.

Sendung: Hochfahren vom 12.03.2018 ab 7 Uhr