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Startrampe // Manual Kant Immer zwischen den Stühlen

Stand: 20.02.2012 | Archiv

Diese Band hat der Eindimensionalität den Kampf angesagt. Malte Borgmann (Gesang & Bass), Ludwig Staudinger (Gitarre), Christian Auer (Gitarre) und Simon Gürster (Schlagzeug) werfen so unterschiedliche Einflüsse in ihren Sound-Topf, dass es ein kleines Wunder ist, dass es einen gemeinsamen Nenner gibt.

Kool Savas muss da mit Led Zeppelin ebenso friedlich koexistieren wie mit Slayer. Musikalisch kann man das Schaffen der vier irgendwo zwischen Stoner Rock und Hamburger Schule einordnen. Dazu kommen Texte, die von Rock-Klischee-Themen wie Rausch und Liebe handeln, dabei aber nie platt oder pathetisch sind.

Eine Verneigung vor Aggro Berlin

HipHop-Texte haben Sänger Malte immer besonders stark inspiriert. Vor allem das politisch vollkommen unkorrekte Frühwerk von Sido und B-Tight war für ihn eine Art Erweckungserlebnis. Dass er mit der deutschen Sprache viel lautmalerischer umgeht als der 0815-Rocksänger, wird schnell klar, wenn man sich Songs wie "Die Aschfahlen Mädchen" anhört:

"Sie lassen Klappmesser klacken, spielen mit Schere und Licht
Lassen Knöchel knacken, denn sie scheißen auf Gicht
Du siehst sie Rauch inhalieren und keine Miene verziehen
Unsere Lippen schmecken wie Heroin"

Manual Kant

"In meinem Sterbebett roll ich zum Drive-In"

Malte studiert Literaturwissenschaft und ist ein ziemlich belesener Kerl. Zu seinen Favoriten gehören Mann und Musil, auch wenn er das selbst ein bisschen hochtrabend findet. Der Bandname Manual Kant stammt aus dem Buch "Jesus von Texas" des australischen Autoren DBC Pierre.

Dessen selbstzerstörerische Lebensgeschichte – er wurde in Mexiko-City angeschossen, hat etliche Frauen abgeschossen und sich mit Drogen zugeschossen – dürfte ihn als Fan der Filme von Francis Ford Coppola und Martin Scorsese zusätzlich beeindruckt haben.

Im Hühnerstall ist nicht gut Rocken

In der aktuellen Besetzung machen Manual Kant seit 2008 zusammen Musik. Malte und Ludwig haben davor in einer Skatepunk-Band gespielt, Christian und Simon in einer Funkrock-Band. Nach einigen Irrungen und Wirrungen fanden die vier dann zusammen – und in einem Jugendzentrum den ersten Proberaum.

Als sie dort immer wieder mit ebenfalls dort übenden Bands und den strengen Regeln ("Wer hat denn die Bierflaschen nicht weggeräumt?") kollidierten, zogen die Jungs ab. In ein leerstehendes Haus, einen nullisolierten Stall, den alten Hühnerstall auf dem Bauernhof von Simons Eltern usw. Eine ziemliche Odyssee.

"Schweiß klebt an den Wänden und tropft"

Kaum hatten sie ein passendes Banddomizil in Landshut gefunden, stand auch schon der Umzug nach Berlin auf dem Plan, in die Heimatstadt ihres Labels Richard Mohlmann Records. Von ihrem neuen Proberaum im Stadtteil Treptow soll nun alles dafür getan werden, dass aus Manual Kant eine richtig große Band wird. Zu erfolgreich sollten sie allerdings vielleicht auch nicht werden.

Tour-Anekdoten wie die Story, als die Jungs irgendwo im Nirgendwo vor zwei Besuchern in einem Hobbykeller auf einer von Katzenkot verunreinigten Bühne ein Konzert gaben, sind einfach zu gut, als dass man sich nicht mehr davon wünschen würde.

Und der Nihilismus, der aus einem Song wie "Gut Aus" herausschwitzt, ist ganz großes Kopfkino: "Ist das euer Ernst? Es sieht aus wie ein Witz. Ist das hier wirklich mein ganzer Besitz? Ein paar falsche Freunde, ein Zwanziger bar, Zigaretten und Schulden, sonst nichts. Ist das da echt mein Gesicht? Bin ich wirklich schon immer so blass?"

Dabei sind es die anderen deutschsprachigen Rockbands, die im Vergleich mit Manual Kant ganz schön blass aussehen.

Download

EP-Cover von Manual Kant | Bild: Manual Kant zum Musiktitel Download Manual Kant feat. MPH - Schnippschnapp

Zum Abschluss ihres äußerst erfolgreichen Jahres 2012 veröffentlichen Manual Kant eine Free-Download-EP. Eins der Highlights darauf: Der überraschende Rap-Ausflug im spukigen "Schnippschnapp". [mehr]


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Didi, Sonntag, 09.August 2015, 11:20 Uhr

1. Manual Kant - Herz auf die Bombe - Musikvideo

Ich hatte mir bisher immer gerne das Making-off - Video angesehen. Das ist nicht so düster wie der Songtext. Manual Kant ist halt keine Happy-Song-Gang. Dieser Song trifft voll das gefühlte Einsamkeitsproblem alter alleinlebender Männer, auf ihrem mehr oder weniger, virtuell oder auch real erlebten Schrottplatz des Lebens.