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Chronik der Einheit Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung - eine Zeitreise

Es scheint, als sei im letzten Jahr der DDR mehr geschehen als in den 40 Jahren zuvor. Ein Zeitreise vom Mauerfall zur Wiedervereinigung. Von Günter Mayr-Eisinger.

Stand: 26.09.2015

  • 9. November 1989
    Politbüro-Mitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 | Bild: picture-alliance/dpa

    Schabowski bei der Pressekonferenz am 9. November 1989

    9. November 1989

    Pressekonferenz mit Folgen

    Günter Schabowski, seit kurzem Sekretär des Zentralkomitees der SED für Informationswesen und damit Regierungssprecher der DDR, verkündet kurz vor 19 Uhr auf einer Pressekonferenz großzügigere Reiseregelungen für DDR-Bürger. Auf Nachfrage erklärt er, diese träten seines Wissens "sofort, unverzüglich" in Kraft. Eigentlich hätte die Nachricht erst am kommenden Tag, ab vier Uhr früh, verkündet werden sollen.
    Im Lauf des Abends wird der Andrang an den Grenzübergängen immer größer - schließlich lassen die Grenzschützer die Menschen passieren.

  • 13. November 1989
    Hans Modrow | Bild: picture-alliance/dpa

    Der letzte SED-Regierungschef Hans Modrow

    13. November 1989

    Letzter Regierungschef der SED

    Die Volkskammer wählt Hans Modrow, bisher Erster Sekretär der SED im Bezirk Dresden, zum Vorsitzenden des Ministerrates der DDR. Er ist damit der letzte Regierungschef des Staates.

  • 17. November 1989

    17. November 1989

    Letzte Rettungsversuche der SED

    Hans Modrow gibt seine Regierungserklärung ab. Er schlägt eine „Vertragsgemeinschaft“ der beiden deutschen Staaten vor. Sie sollen eine Konföderation bilden, also einen Staatenbund. Sein Ziel ist eine sozialistische Marktwirtschaft in der DDR - und eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Westeuropa.
    Den DDR-Bürgern reicht das nicht: Täglich verlassen rund 2.000 den zusammenbrechenden Staat. Der DDR-Führung bleibt keine Zeit mehr, diese Pläne weiterzuverfolgen.

  • 20. November 1989
     Montagsdemonstration auf dem Karl-Marx-Platz in Leipzig am 30.10.1989 | Bild: picture-alliance/dpa

    Montagsdemonstration in Leipzig 1989

    20. November 1989

    Rufe nach der Wiedervereinigung in Leipzig

    Bei der Leipziger Montagsdemonstration fordern erstmals größere Teilnehmergruppen die Wiedervereinigung Deutschlands. Rufe wie "Deutschland, einig Vaterland" waren erstmals zwei Wochen zuvor registriert worden.

  • 28. November 1989

    28. November 1989

    Zehn-Stufen-Plan zur deutschen Einheit

    Bundeskanzler Helmut Kohl stellt im Bundestag einen Stufenplan zur Deutschlandpolitik vor. Das Ziel ist die "Herstellung einer bundesstaatlichen Ordnung" - also die deutsche Einheit. Bis wann dieses Ziel erreicht werden soll, sagt Kohl nicht.
    Kohl hatte sich noch wenige Tage zuvor deutlich zurückhaltender gezeigt - vor allem aus außenpolitischer Rücksichtnahme. Doch Mitte November hatte Moskau signalisiert, dass man ein Zusammenrücken der beiden deutschen Staaten als eine "interne Angelegenheit" (Deutschlands) betrachte.

  • 7. Dezember 1989
    Der DDR-Staatsratsvorsitzende Manfred Gerlach (r) beim ersten Treffen des "Runden Tisches" in Ost-Berlin am 7. Dezember 1989. Die Teilnehmer beschlossen in dieser ersten Sitzung die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit (Stasi) und die Durchführung von Wahlen zur Volkskammer am 6. Mai 1990.  | Bild: picture-alliance/dpa

    Der erste Runde Tisch. Im Vordergrund der DDR-Staatsratsvorsitzende Manfred Gerlach.

    7. Dezember 1989

    Runder Tisch in Ost-Berlin

    Die Führung der SED versucht, ihre Macht und den Staat zu stabilisieren: In Ost-Berlin tagt erstmals der „Runde Tisch“. Die SED und ihre Blockparteien wollen die neuen oppositionellen Bewegungen einbeziehen.
    Die Teilnehmer beschließen in dieser ersten Sitzung die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit (Stasi) und die Durchführung von Wahlen zur Volkskammer am 6. Mai 1990.

  • 19. Dezember 1989
    Kohl in Jubelpose 1989 in Dresden | Bild: picture-alliance/dpa

    Umjubelt in Dresden: Bundeskanzler Helmut Kohl. Links der DDR-Regierungschef Hans Modrow.

    19. Dezember 1989

    Kohl und Modrow treffen sich in Dresden

    Bundeskanzler Helmut Kohl reist nach Dresden. Er spricht mit DDR-Ministerpräsident Hans Modrow über die von der DDR vorgeschlagene "Vertragsgemeinschaft" der beiden deutschen Staaten. Am nächsten Tag spricht Kohl zur Dresdner Bevölkerung. Es wird ein Triumphzug für den späteren "Kanzler der Einheit".

  • 22. Dezember 1989
    Menschenmenge vor dem Brandenburger Tor am 22.12.1989 | Bild: picture-alliance/dpa

    Feiernde Menschen am wiedereröffneten Brandenburger Tor.

    22. Dezember 1989

    Das Tor ist wieder offen

    Helmut Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow öffnen das Brandenburger Tor in Berlin. 100.000 Menschen feiern das Ereignis. 28 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer ist der Durchgang wieder frei.

  • 15. Januar 1990
    Blick auf eine zerstörte Tür in der ehemaligen Stasizentrale in Berlin, nachdem diese am 15. Januar 1990 von aufgebrachten Bürgern bei einer Demonstration gestürmt wurde | Bild: picture-alliance/dpa

    Zerstörungen in der Stasi-Zentrale in Berlin.

    15. Januar 1990

    Sturm auf die Stasi-Zentrale

    Demonstranten stürmen das Gebäude des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin, die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße. Schon in den Wochen zuvor waren die Gebäude der Stasi-Spitzel in anderen Städten wie Erfurt und Leipzig besetzt worden.
    Den Demonstranten ging es darum, die Vernichtung der Stasi-Akten zu verhindern. Sie wollten wissen, wer sie im Auftrag des Staates zum Beispiel als "Inoffizieller Mitarbeiter (IM)" in den vergangenen Jahrzehnten bespitzelt und drangsaliert hatte.

  • 13. Februar 1990
    Währungsunion BRD und DDR | Bild: picture-alliance/dpa

    Altes und neues Geld: DDR-Mark und D-Mark

    13. Februar 1990

    Pläne für eine Wirtschafts- und Währungsunion

    DDR-Ministerpräsident Hans Modrow kommt zu einem zweitägigen Besuch nach Bonn. Eine Expertenkommission soll eine Wirtschafts- und Währungsunion vorbereiten.

  • 14. Februar 1990
    Das Archivbild vom 12.09.1990 zeigt die Außenminister (l-r) Roland Dumas (Frankreich) und Eduard Schewardnadse (UdSSR), den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, US-Außenminister James Baker (USA) sowie die Außenminister Hans-Dietrich Genscher (BRD), Lothar de Maiziere (DDR, vorn) und Douglas Hurd (Großbritannien) nach der Unterzeichnung des "Zwei plus Vier"-Vertrages im Moskauer Hotel Oktober | Bild: picture-alliance/dpa

    Grund zum Feiern gab es sieben Monate danach: Bei der Vertragsunterzeichnung in Moskau.

    14. Februar 1990

    Die Siegermächte zeigen sich verhandlungsbereit

    Frankreich, Großbritannien, die UdSSR und die USA vereinbaren, dass sie mit den beiden deutschen Staaten über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit verhandeln wollen. Die sogenannten „Zwei-plus-vier“-Verhandlungen werden auf den Weg gebracht.

  • 18. März 1990

    18. März 1990

    Die DDR wählt

    Die DDR-Bürger sind zur ersten (und gleichzeitig letzten) freien Wahl zur Volkskammer aufgerufen.
    Stärkste Partei im DDR-Parlament wird die Allianz für Deutschland - ein Zusammenschluss der DDR-CDU mit zwei weiteren konservativen Parteien. Sie erringt 48 Prozent. Auf Platz zwei landet die SPD (21,9), auf drei die PDS - das ist die frühere Staatspartei SED, die sich inzwischen umbenannt hat. Sie bekommt noch 16,4 Prozent.
    5,3 Prozent erhält die Allianz Freier Demokraten. Bündnis 90, in dem sich viele oppositionelle Kräfte zusammengeschlossen haben, erreicht nur 2,9 Prozent.

  • 12. April 1990
    Die letzten 100 Tage der DDR | Bild: picture-alliance/dpa

    DDR-Ministerpräsident nach freien Wahlen: Lothar de Maizière (CDU).

    12. April 1990

    Lothar de Maizière wird letzter Ministerpräsident

    Der CDU-Politiker Lothar de Maizière wird zum Ministerpräsidenten gewählt. Er bildet eine Koalition mit der SPD und der Allianz der Freien Demokraten.
    Hauptaufgabe der neuen Regierung ist es, einen geordneten Übergang in den künftigen gesamtdeutschen Staat zu organisieren.
    Wegen eines Streits über das Wahlrecht bei der geplanten ersten gesamtdeutschen Wahl im Dezember 1990 steigen die Freien Demokraten im Juli 1990 aus der Koalition aus - ihre Minister bleiben jedoch im Kabinett. Im August verlässt auch die SPD die Koalition.

  • 5. Mai 1990
    Gruppenbild auf einer Wiese am Rhein (l-r): James Baker (USA), Eduard Schewardnadse (UdSSR), Hans-Dietrich Genscher (Bundesrepublik), Roland Dumas (Frankreich), Markus Meckel (DDR) und Douglas Hurd (Großbritannien). Am 5. Mai 1990 fand in Bonn die erste Runde der "Zwei-plus-Vier"-Beratungen der Außenminister statt. | Bild: picture-alliance/dpa

    Baker (USA), Schewardnadse (UdSSR), Genscher (BRD), Dumas (F), Meckel (DDR) und Hurd (GB).

    5. Mai 1990

    Die "Zwei-plus-vier"-Verhandlungen beginnen

    In Bonn beginnen die „Zwei-plus-vier“-Gespräche. Beteiligt sind die Außenminister der beiden deutschen Staaten (Hans-Dietrich Genscher und Markus Meckel) und der vier Siegermächte Frankreich (Roland Dumas), Großbritannien (Douglas Hurd), UdSSR (Eduard Schewardnadse) und USA (James Baker).

  • 21. Juni 1990

    21. Juni 1990

    Garantie für Polen

    Bundestag und Volkskammer verabschieden eine gleichlautende Erklärung. Sie schreibt die Oder-Neiße-Linie als deutsche Ost- und polnische Westgrenze fest.

  • 1. Juli 1990
    Demonstration in Leipzig im Februar 1990: Kommt die D-Mark ... | Bild: picture-alliance/dpa

    Leipziger Demonstranten im Februar 1990 mit einem Transparent. Sie fordern die D-Mark.

    1. Juli 1990

    Die D-Mark kommt - 1:1

    Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion tritt in Kraft. Die D-Mark wird alleiniges Zahlungsmittel in beiden deutschen Staaten. Der Umtauschkurs von 1:1 gilt für Löhne, Gehälter und Renten sowie für Bargeld und Sparguthaben bis 4 000 Mark pro Kopf. Damit setzt sich die Regierung über Vorschläge der Bundesbank hinweg. Sie hatte im April einen Kurs von 2:1 vorgeschlagen. Für zwei DDR-Mark hätte es dann nur eine D-Mark gegeben. Dieser Vorschlag hatte zu heftigen Protesten in der DDR geführt.
    Alle Personenkontrollen an der innerdeutschen Grenze fallen weg.

  • 6. Juli 1990

    6. Juli 1990

    Schwerarbeit für Wolfgang Schäuble und Günther Krause

    Die Verhandlungen über den Einigungsvertrag beginnen. Sie werden geleitet von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und DDR-Staatssekretär Günther Krause (CDU).
    Grundsätzlich bestehen zwei Wege zur deutsche Einheit: Ein Beitritt der DDR-Gebiete nach Artikel 23 des Grundgesetzes oder die Erarbeitung einer neuen Verfassung - vorgesehen im Artikel 146 des Grundgesetzes.
    Kohl und Schäuble befürworten einen Beitritt nach Artikel 23 - die DDR-Volkskammer spricht sich im August ebenfalls dafür aus.

  • 16. Juli 1990
    Kohl mit Gorbatschow bei den Beratungen im Kaukasus | Bild: picture-alliance/dpa

    Genscher, Gorbatschow und Kohl im Kaukasus.

    16. Juli 1990

    Weltpolitik in der Strickjacke

    Bundeskanzler Helmut Kohl und der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow beraten über außenpolitische und militärische Aspekte der deutschen Wiedervereinigung. Die Gespräche finden im Kaukasus in betont entspannter Atmosphäre statt. Sie werden mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass die UdSSR einer NATO-Mitgliedschaft des künftigen Gesamtdeutschlands zustimmt. Die sowjetischen Truppen sollen innerhalb von drei bis vier Jahren aus Deutschland abgezogen werden.

  • 23. August 1990

    23. August 1990

    Beschluss zur Selbstauflösung

    Die Volkskammer in Ost-Berlin beschließt den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 nach Artikel 23 des Grundgesetzes.

  • 31. August 1990
    Schäuble und Krause bei der Unterzeichnung des Einigungsvertrags am 31.8.1990 | Bild: picture-alliance/dpa

    Innenminister Schäuble und DDR-Staatssekretär Krause bei der Vertragsunterzeichnung.

    31. August 1990

    Der Vertrag ist fertig

    Wolfgang Schäuble und Günther Krause unterzeichnen in Ost-Berlin den Einigungsvertrag. Er umfasst rund 1.000 Seiten und regelt die politischen Bedingungen des DDR-Beitritts zum Grundgesetz.
    Der Vertrag legt auch fest, dass völkerrechtliche Verträge und Mitgliedschaften in internationalen Organisationen - etwa NATO und Europäische Gemeinschaft - weiterbestehen.

  • 12. September 1990
    Vertragsunterzeichnung in Moskau | Bild: picture-alliance/dpa

    Zeremonie zur Unterzeichnung des "Zwei-plus-vier-"Vertrags in Moskau.

    12. September 1990

    Deutschland wird besatzungsfrei

    Die Außenminister der vier Siegermächte und der beiden deutschen Staaten unterzeichnen in Moskau den "Zwei-plus-vier"-Vertrag. Er beendet die Besatzungsrechte von Frankreich, Großbritannien, der UdSSR und den USA. Auf Wunsch Deutschlands wird dieser Vertrag nicht als "Friedensvertrag" mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Ein Friedensvertrag hätte unter anderem den Weg für Reparationsforderungen anderer Staaten frei gemacht. Außerdem hätten dann nicht nur die vier Siegermächte beteiligt werden müssen, sondern alle Staaten, mit denen Deutschland sich 1945 im Kriegszustand befand.

  • 20. September 1990

    20. September 1990

    Einigung perfekt

    Volkskammer und Bundestag ratifizieren den Einigungsvertrag, einen Tag später auch der Bundesrat.
    In der DDR-Volkskammer gibt es 299 Ja-Stimmen, 80 Nein-Stimmen und eine Enthaltung.
    Im Bundestag sprechen sich 442 Abgeordnete für den Vertrag aus, 47 dagegen, 3 enthalten sich.

  • 3. Oktober 1990
    Küssendes Paar in Deutschlandfahne am 3.10.1990 | Bild: picture-alliance/dpa

    Schwarz-rot-gold wird wieder salonfähig: Privates Glück am Tag der deutschen Einheit.

    3. Oktober 1990

    Deutschland ist wiedervereinigt

    Um Mitternacht tritt der Einigungsvertrag in Kraft. Deutschland feiert mit Volksfesten die Einheit. Der 3. Oktober wird zum Nationalfeiertag.


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