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Weg von der Straße Obdachlos im Winter: Die BISS-WG

Über 8.000 Menschen in München haben kein festes Zuhause, mehr als 550 leben auf der Straße. Eine Münchner Stiftung wollte ein Zeichen setzen. Sie errichtete eine Wohnung für drei Obdachlose.

Von: Susanne Fiedler

Stand: 24.01.2018

Endlich ein Dach über dem Kopf: Zu Dritt leben die BISS-Verkäufer in einer WG. | Bild: BR

Mit zwei weiteren Bewohnern lebt der 80-jährige Igor Vlad in einer Münchner Wohnung der Stiftung für "Bürger in sozialen Schwierigkeiten", kurz BISS. In ihrer Heimat sehen Igor und seine Mitbewohner keine Perspektive, sie können sich dort ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen. Alle hatten sie monatelang keinen festen Wohnsitz. Dann bekamen sie eine Anstellung - bei der Straßenzeitung, die den Namen der Stiftung trägt: Über 100 Verkäuferinnen und Verkäufer bringen die "BISS" unter die Leute.

Die Straßenzeitung hat eine Auflage von über 38.000 Exemplaren und gilt als eine der erfolgreichsten Straßenzeitungen Deutschlands. Seit einem Jahr hat die Stiftung von BISS zudem eine Wohnung erworben, die von Grund auf renoviert und eingerichtet wurde. BISS-Verkäufer dürfen hier einige Zeit günstig wohnen können. Derzeit leben drei Männer in der WG, einer von ihnen ist Igor Vlad aus Russland.

"BISS bedeutet alles für mich. Es war schrecklich ohne Wohnung, meistens habe ich im Auto geschlafen. Ich wusste nicht wohin. Doch dank BISS verdiene ich jetzt Geld und habe sogar einen Platz hier in der Wohngemeinschaft bekommen. Diese Miete kann ich bezahlen. In Russland gab es für mich schon lange keine Perspektive mehr. Das war sehr schwer."

Igor Vlad aus Russland

Keine Perspektive für Obdachlose Osteuropäer

Gerade obdachlose Osteuropäer geraten schnell in Not - sie haben in der Regel keinen Anspruch auf Sozialleistungen, bekommen kein Pensionszimmer. Viele bleiben lieber auf der Straße als auf ein Massenquartier auszuweichen, das ihnen ein Bett bereitstellt.

"Wohntraining" in der Biss-WG

Vinko Rubic unterstützt regelmäßig die Bewohner der BISS-WG, hilft bei der Organisation des gemeinsamen Haushalts. Wer länger ohne festen Wohnsitz gelebt hat, braucht hin und wieder eine helfende Hand, um den Alltag geregelt zu bekommen: eine Art „Wohntraining“. Funktioniert der Staubsauger nicht, löst Rubic das Problem - und beschließt, wieder häufiger vorbeizuschauen. Mit den Bewohnern ist Rubic sehr zufrieden.

"Ich habe erlebt, die haben schon alles im Griff, wissen genau, was los ist, es gibt keine Probleme mit dem Umgehen mit der Maschine, dem Backofen, ich würde sagen, es ist super, es haut hin."

Vinko Rubic, ehrenamtlicher Helfer Stiftung BISS

BISS-Verkäufer: ein ganz normaler Job nur wichtiger

Igor Vlad geht erst aus dem Haus, wenn sein Zimmer in Ordnung ist. Die Wohnung wurde nach dem Kauf durch die Stiftung renoviert und mit allem Nötigen ausgestattet. Der 79-Jährige verlässt jeden Tag zur selben Uhrzeit das Haus, um Zeitungen zu verkaufen. Er hat vor drei Jahren seine Frau verloren, mit der er fast 50 Jahre verheiratet war. Mit ihr wollte er in Deutschland neu anfangen, nun ist er alleine hier. Am Ostbahnhof hat er einen idealen Verkaufsplatz gefunden. Viel Laufkundschaft, die ist wichtig für den Umsatz. „20 bis 25, dann wieder nur 18, doch 20 Stück ist am besten", so Igor.

Im Monat möchte Igor 700 Zeitungen verkaufen. Das ist sein Ziel - und das erreicht er meistens auch. Läuft es schlecht, dann bleibt er abends auch mal länger. Der Verkauf ist für ihn überlebenswichtig, denn er hat keinen Rentenanspruch. Die Stiftung hat inzwischen über 100 Zeitungsverkäufer angestellt.

Die BISS-WG: Alternative zum harten Leben auf der Straße

Ein Leben auf der Straße zehrt die Leute aus, sagt Geschäftsführerin Karin Lohr, und da will die BISS-WG eine Alternative bieten:

"Ich finde, man sieht es allen unseren Herren an, die jetzt in der Wohnung wohnen, dass sie gut aussehen, sie sind dann auch rasiert und können sich einfacher pflegen und haben saubere Klamotten, und man sieht, dass sie nach zwei Wochen schon ganz anders aussehen."

Karin Lohr, Geschäftsführerin Stiftung BISS

Eigentlich sollen Igor und seine Mitbewohner nur ein Jahr in der WG leben und dann eine eigene Wohnung beziehen. Doch wo sonst bekommen sie in München ein Zimmer für 390 Euro warm? Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist für sie wie für alle Menschen mit geringem Einkommen ein großes Problem. Eines aber wollen sie auf keinen Fall: zurück auf die Straße.


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M.-P. H., Samstag, 27.Januar 2018, 22:58 Uhr

2. Gelobtes Deutschland

... Ja, kommt doch alle nach Deutschland! Nicht genug, dass Deutschland mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen hät, während andere EU-Länder sich über die Aufnahme von ein paar tausend Flüchtlinge echauf­fie­ren. Seit der EU-Osterweiterung kommen Osteuropäer nach Deutschland, um hier (besser) zu leben als in ihrer Heimat. Und wir werden auch dem Letzten den Weg in unser Sozialsystem zeigen, insbes., wenn wir es ihm ermöglichen, in Deutschland mehr als ein Jahr zu arbeiten, auch wenn es eine Arbeit ist, die eigentlich keiner braucht. Wir suchen Fachkräfte und nicht Verkäufer von Obdachlosenzeitungen, die sich kurz vor dem Rentenalter befinden! Das ist ein Fass ohne Boden. Klar ist das Schicksal dieser Menschen schlimm, aber wir können nicht die ganze Welt retten. Die Regierungen in deren Heimatländern, die viel Geld aus EU-Mittels bekommen, sind für die Rahmenbedingungen dort zuständig. Wie heißt es so schön, fördern und fordern. ...

Hrdlicka, Donnerstag, 25.Januar 2018, 11:51 Uhr

1. ?

Vielleicht gäbe es auch auf dem südamerikanischen Kontinent noch genügend Bedürftige denen man hier helfen könnte