NSU-Prozess


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19. Verhandlungstag Verwirrung bei Vorlage der Tatwaffe

Mit der Ceska-Pistole soll die Zwickauer Terrorzelle neun ihrer zehn Morde verübt haben. Doch im Gegensatz zur Anklageschrift sagte einer der Beschuldigten heute, er sei sich unsicher gewesen beim Erkennen der Waffe.

Published at: 4-7-2013 | Archiv

Tatwaffe im NSU-Prozess | Bild: picture-alliance/dpa

Einer der Angeklagten im Münchner NSU-Prozess, Carsten S., hat bereits ein Geständnis abgelegt: Er habe auf Anweisung des ebenfalls angeklagten Ralf Wohlleben eine Ceska-Pistole besorgt und sie den untergetauchten Rechtsextremisten übergeben. Nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte Carsten S. die Waffe auch identifiziert. Doch nun sagte er aus, er sei sich dabei alles andere als sicher gewesen. Ihm seien bei der Vernehmung beim Ermittlungsrichter nur zwei Pistolen mit Schalldämpfer zum Vergleich vorgelegt worden. Von einer habe er gedacht, dass es die sein könnte.

"Hätten da 15 Pistolen mit Schalldämpfer gelegen, die alle so'n Gewinde gehabt hätten, dann wäre das schwieriger geworden."

Carsten S. beim NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München

Zudem seien die Vergleichsbilder Kopien in schlechter Qualität gewesen. "Da hab ich dann so grob ausgeschlossen, sagte S. "Die eine war zu groß, da kamen dann drei, vier in die engere Auswahl", so Carsten S.

Verteidigung und Nebenkläger kritisieren BKA

Mitangeklagter Carsten S. beim NSU-Prozess im Münchner Oberlandesgericht

In diesem Zusammenhang kritisierte einer der Verteidiger von Beate Zschäpe, Wolfgang Heer, die Ermittlungen des Bundeskriminalamts (BKA) als unprofessionell. Die Ermittler hatten den Angeklagten Carsten S. und Holger G. nur solche Modelle vorgelegt, wie sie auch bei der sogenannten Zwickauer Terrorzelle gefunden worden waren. Auch Nebenklage-Vertreter kritisierten die Arbeit des BKA. "Es könnte für den Beweiswert der Vorlage problematisch sein, dass ausschließlich Waffen des Terrortrios vorgelegt wurden und keine anderen Waffen", sagte Rechtsanwalt Jens Rabe, der mit seinem Kollegen Stephan Lucas Angehörige des ermordeten Enver Simsek vertritt. "Der Beweiswert erhöht sich erheblich, wenn aus einer größeren Auswahl von Waffen die richtige ausgewählt wird", so Lucas.

Mordwerkzeug mit zentraler Rolle im NSU-Prozess

Polizeibeamte hatten die Ceska-Pistole mit Schalldämpfer in dem abgebrannten Haus gefunden, in dem das Terrortrio zuvor gewohnt hatte. Mundlos und Böhnhardt sollen damit neun Menschen getötet haben. Die Waffe wurde zu einem der wesentlichen Merkmale der Mordserie an ausländischen Mitbürgern.

Welche Waffe Holger G. an das Trio geliefert hatte, konnte in den Ermittlungen vor dem Prozess nicht geklärt werden; auch nicht, ob sie vom NSU eingesetzt wurde.


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