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Mobilfunk-Tarife Warum sie bei uns so teuer sind

Ob Österreich, Italien oder Frankreich - in den meisten Nachbarländern bekommen Mobilfunkkunden deutlich mehr geboten für weniger Geld. Und die Deutschen sind die Dummen. Wie kann das sein?

Von: Martina Schuster

Stand: 16.11.2016

Infografik: Vergleich europaweit | Bild: BR

Wir machen einen Selbstversuch. Wir wollen einen Handyvertrag, mit dem wir telefonieren können. Aber vor allem möchten wir möglichst viel Datenvolumen zum Surfen im Internet. Doch was braucht man heutzutage eigentlich? Wir fragen beim BR-Netzwelt-Experten Florian Regensburger nach.

"Jemand, der die neuen Medien oft und gerne nutzt, der mit Smartphone und Apps im Internet unterwegs ist, der Videos über das Netz schaut, der bei Facebook unterwegs ist, der sollte meiner Meinung nach keinen Tarif wählen, bei dem er weniger als 6 Gigabyte im Monat zur Verfügung hat."

Florian Regensburger, BR-Netzwelt

Ein Gigabyte in Deutschland

Und was bekommen wir angeboten? Wir fragen bei den drei deutschen Netzbetreibern nach: Vodafone, T-Mobile und O2. Unser Budget liegt bei ungefähr 30,00 Euro im Monat. Im Vodafone-Shop rät man uns zum Tarif Vodafone Red S. Den gibt es hier für 29,99 Euro. Das Datenvolumen beträgt ein Gigabyte. Für das T-Mobile-Netz bietet man uns den Tarif Magenta Mobil S an. Die Kosten liegen hier bei 29,95 Euro, das Datenvolumen ebenfalls bei einem Gigabyte. Bei O2 ist es etwas billiger: 24,99 Euro kostet der O2 Free S. Dieser Tarif beinhaltet aber auch nicht mehr als ein Gigabyte. Für die uns angebotenen Smartphone-Verträge würden wir also in Deutschland zwischen 25,00 und 30,00 Euro zahlen. Und bekommen dafür nur ein Gigabyte Datenvolumen.

50 Gigabyte in Frankreich

Jetzt der Blick über die Grenzen.  Wir sind in Straßburg. Mit einem Gigabyte lassen sich die Franzosen von ihren Netzbetreibern nicht abspeisen. Die meisten haben hier rund 20 Gigabyte Datenvolumen. 

Bei Bouygues Telekom, einem der vier französischen Netzbetreiber, zahlt man für einen Mobilfunkvertrag mit 20 Gigabyte einen Preis von 29,99 Euro pro Monat. Soviel also wie bei uns für 1 Gigabyte. Doch es wird noch besser: Bei Free, dem jüngsten französischen Netzbetreiber, der den Markt mit Kampfpreisen aufmischt,  bekommen wir sogar 50 Gigabyte angeboten. Und das zu einem Preis von 19,99 Euro. Das heißt: 50 Gigabyte in Frankreich sind billiger als 1 Gigabyte in Deutschland.

Werden die Deutschen abgezockt?  Oder welche Erklärung gibt es für die großen Preisunterschiede? An der Universität Duisburg-Essen hat man das untersucht. Ein wesentlicher Grund: In Deutschland gibt es geringe Konkurrenz.

"Der deutsche Mobilfunkmarkt hat ja jetzt nur noch drei Anbieter seitdem im Jahre 2014 formal der Zusammenschluss von Telefonica und E-Plus vollzogen worden ist. Und das hat dem Wettbewerb nicht gut getan. Wir sind im internationalen Vergleich zwar führend was den Ausbau mit neuen Netzen angeht, aber wir sind auch führend, was hohe Preise angeht."

Torsten J. Gerpott,Universität Duisburg-Essen

Hohe Preise - wenig Wettbewerb. Das zeigt auch der Blick auf die Marktanteile. Die sind nahezu gleich groß. Jeder der drei Anbieter hat rund ein Drittel. Und offensichtlich tut kein Netzbetreiber dem anderen weh.

Alles anders in Österreich

Was ein funktionierender Wettbewerb ausmacht, sieht man auch am Beispiel Österreich. Hier amüsiert man sich über die Handyverträge der Deutschen. Kein Wunder: Denn die österreichischen Mobilfunkkunden haben in der Tat gut Lachen. Schon die Werbung in den Schaufenstern zeigt, dass hier einiges anders läuft: „Mehr Gigabyte. Mehr Heiterkeit.“ Wir lassen uns bei DREI beraten, dem jüngsten Netzbetreiber in Österreich, der ähnlich wie Free in Frankreich den Markt aufmischt. Hier gibt es für 31,20 Euro volle 39 Gigabyte Datenvolumen.

Schnäppchenpreise in Italien

Wir fahren noch ein Land weiter - nach Italien. Mindestens drei Gigabyte bekommen wir für 30,00 Euro überall. Und am meisten geboten wird uns bei Tre Italia. Hier gibt es 30 Gigabyte für nur 15 Euro. Das Ergebnis unserer Recherche-Reise: ein Gigabyte in Deutschland, 39 GB in Österreich, 30 GB in Italien und sogar 50 GB in Frankreich – und das zum Teil für deutlich weniger Geld. Krasser könnten die Unterschiede kaum sein.

Besserung in Sicht?

Schließlich sollen ab Sommer 2017 die sogenannten Roaming-Gebühren wegfallen - also die Aufschläge für die Nutzung im Ausland. Kann man dann die günstigeren Tarife aus den Nachbarländern auch bei uns dauerhaft nutzen? Die klare Antwort: Nein. Einen Anbieter aus dem Ausland wird man auch künftig nicht nutzen können. Und das will die EU-Kommission derzeit auch gar nicht. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk bestätigt sie, dass das kostenlose Roaming nur für Reisende gedacht ist.

"Die von der Kommission vorgeschlagenen Entwürfe für faire Nutzungsregeln beruhen auf dem Grundsatz des Wohnsitzes oder der stabilen Verbindung, den europäische Verbraucher mit jedem EU-Mitgliedsstaat haben können."

Stellungnahme der EU-Kommission

Im Klartext: Einen europaweiten Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt soll es gar nicht geben.


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2203, Mittwoch, 23.November, 18:06 Uhr

23. Italien

Italien ist kein Nachbarland von Deutschland.:)

Jack , Mittwoch, 23.November, 08:30 Uhr

22.

Ich finds ein bisschen oberflächlich recherchiert. Wie andere Poster vor mir gibt es günstigere Angebote, aber was häufig unter den Tisch gefallen lassen wird, wenn man auf die bösen und gemeinen Provider schimpft, ist dass in keinem anderen Land so hohe Gebühren für die Frequenzen erhoben wurden wie in Deutschland, das will sich auch erstmal amortisieren.

Red., Dienstag, 22.November, 20:06 Uhr

21. Fairer Vergleich

Wir haben – um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten – ausschließlich Netzbetreiber und deren Tarife verglichen. Zu Beginn des Beitrages haben wir das auch deutlich gemacht.
Diese sind in Deutschland die Telekom, Vodafone und O2. Diese Netzbetreiber bieten eine Datengeschwindigkeit von bis zu 375 Mbit/s.
Genau so sind wir auch in den anderen Ländern vorgegangen.
Dass es darüber hinaus auch günstigere Anbieter (mit oftmals langsameren Datengeschwindigkeiten) gibt, ist uns natürlich bekannt.
Nur lassen sich diese Tarife in der Regel nicht vergleichen, z.B. weil die Datengeschwindigkeit niedriger ist, weil es eine Datenautomatik gibt etc..
Uns ging es in diesem Beitrag nicht um einen Tarifvergleich innerhalb Deutschlands, sondern um einen Vergleich zwischen den einzelnen europäischen Märkten.
Und der gelingt nur fair, wenn man überall die gleichen Kriterien anlegt.

Michael Mesletzky , Dienstag, 22.November, 19:21 Uhr

20. Hohe Kosten für zu wenig Datenvolumen bei gleichzeitig schlechtem Netzausbau

Vor allem, weil die deutschen Netze sauschlecht sind, im Vergleich zum EU-Ausland. Man fahre mit dem Auto über bundesdeutsche Autobahnen und versuche, Webradio zu hören. Unmöglich. Ab Grenze Österreich über Slowenien nach Kroatien dann fast ohne Unterbrechung bis zu den kleinsten, abgelegensten Inseln. Sinksauer werd ....

Robin Kodera, Dienstag, 22.November, 18:10 Uhr

19. 30€ für nur einen Gigabyte?

Ich verstehe das nicht, wie man auf 30€ gekommen ist.
Ich habe gerade selbst nachgesehen, weil ich es nicht glauben wollte.
Auf der Website von Vodafone bekommt man 1 Gigabyte schon für 12,49€ monatlich angeboten, bei der Telekom sind es 13,45€.
Gehe ich auf Vergleichsportale wie "Check24.de" (o.Ä.) bekomme ich 1GB schon für 6,41€ im O2-Netz und für 6,99€ bei der Telekom.
Der Schlüssel sind Unteranbieter, wie "Mobilcom-Debitel" oder "Drillisch", darüber bekommt man viel bessere Angebote.
Ich verstehe nicht, wie Sie auf diese Zahlen gekommen sind, denn selbst bei den Anbietern selbst ist es deutlich günstiger als Sie es sagten.

Leider etwas schlecht recherchiert...

  • Antwort von Roman, Dienstag, 22.November, 18:45 Uhr

    Es geht um Verträge telefonieren + Daten

    Nur Daten habe ich in Österreich für 20€ 50 Mbit Flatrate.