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Der Berg ruft

Stand: 17.05.2018

dpatopbilder - 17.05.2018, Bayern, Erlangen: Eine Besucherin der 263. Bergkirchweih trinkt während dem traditionellen Fassbieranstich aus einer Maß Freibier. Bis zum 28. Mai erwartet die Stadt rund eine Million Besucher auf dem Burgberg. Foto: Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Daniel Karmann

Es ist wieder soweit: Die 263. Erlanger Bergkirchweih ist eröffnet. Sie gilt als eines der ältesten und schönsten Bierfeste Deutschlands. Rund eine Million Besucher erwarten die Veranstalter in den zwölf Tagen bis zum 28. Mai.

Das erste Fass hat Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) heute (17.05.18) mit nur zwei Schlägen pünktlich um 17.00 Uhr am Henninger Keller auf dem Berch angestochen. Für eine Maß Bier müssen die Besucher dieses Jahr tiefer in die Tasche greifen: Der Preis für einen Liter Bier steigt von 9,00 auf 9,50 Euro.

Rund 80 Schausteller sind mit Fahrgeschäften und Buden vertreten. Erstmals seit vielen Jahren wird am Berg wieder einmal eine Achterbahn aufgebaut: die "Wilde Maus". Für Magenkribbeln sorgt der Freifallturm "Jules Verne Tower", der seine Besucher aus 80 Metern Höhe in die Tiefe fallen lässt.

Sicherheitskonzept bleibt

Sicherheit ist auch in diesem Jahr wieder ein großes Thema auf der Bergkirchweih. Das Konzept aus dem vergangenen Jahr hat sich bewährt und bleibt auch heuer bestehen. An den Eingängen werden Kontrollen durchgeführt. Dabei müssen Taschen durchsucht werden. Deshalb rät die Stadt Erlangen Besuchern, Taschen, Rucksäcke oder ähnliches gleich zu Hause zu lassen oder sie in der bewachten Kirchweih-Garderobe "BergSafe" abzugeben.

Web-Tipp

Erfahrungsgemäß ist an den Bergwochenenden immer sehr viel Betrieb. Wann es wie voll ist, zeigt in diesem Jahr das Bergbarometer.

Neu ist, dass am Erichkeller öfters die Musik ausgehen wird. Am Wochenende und an stark besuchten Tagen muss die Liveband regelmäßig für 45 Minuten pausieren. Damit soll verhindert werden, dass der Zugang an gutbesuchten Tagen beschränkt wird.

Neue Wände und Geländer

Vorbesichtigung auf dem Berggelände.

Baulich hat sich auf dem Berch auch einiges getan. Gerade noch rechtzeitig sind die neuen Beton-Wände am Erichkeller mit Sandstein verkleidet und die neuen Geländer angebracht worden. Aus Sicherheitsgründen waren sie erneuert worden. Nach dem Berg geht es nach Angaben der Veranstalter weiter: Auf dem gesamten Bergkirchweihgelände sollen neue Geländer angebracht und Stützmauern erneuert werden.

Drei Tipps für den Bergbesuch

Stichwort: Erlanger Bergkirchweih

Die Erlanger Bergkirchweih gilt nicht nur als Deutschlands ältestes Bierfest, sondern auch als eines der schönsten. Die Berg-Besucher feiern auf den Terrassen vor den historischen Bierkellern im Schatten alter Kastanienbäume statt in großen Bierzelten. Dazu gibt es die üblichen Fahrgeschäfte und Buden der Schausteller.

Der Berch geht auf einen Beschluss des Stadtrats am 21. April 1755 zurück. Die Stadträte entschieden damals die Verlegung des Pfingstmarktes von der Erlanger Altstadt zum Burgberg. Der Beschluss wurde zur Geburtsstunde der Erlanger Bergkirchweih, die seit mehr als 260 Jahren immer um Pfingsten zwölf Tage lang auf dem Burgberg gefeiert wird.

Damit ist die Erlanger Kerwa nicht nur 55 Jahre älter als das Münchner Oktoberfest, sondern eigenen Angaben zufolge eines der ältesten Volksfeste der Welt.

Anekdoten rund um den "Berch"

Steinkrug

Steinkrug | Bild: BR-Studio Franken

Kampf den Plastikbierkrügen
Berg-Geschichte schrieben Plastikbierkrüge in den 70er-Jahren: Nachdem die Wirte einen übermäßigen "Krugverlust" durch Souvenierjäger hinnehmen mussten, entschlossen sie sich, das Bier in Plastikkrügen auszuschenken. Doch damit war schnell wieder Schluss: Junge Bergfreunde warfen die Krüge auf einen Haufen und setzten den Plastikberg in Brand. Die Tradition in Stein siegte über den Plastikwahn.

Wurst-Leasing

Die Kreuzerbratwurst
Einer Studentenlegende zufolge soll es in den vergangenen Jahrhunderten den Brauch der "Kreuzerbratwurst" gegeben haben. Arme Leute, die kein Geld für eine eigene Bratwurst hatten, konnten sich eine Wurst für einen Kreuzer quasi "leasen", um sie sich ein bis zwei Mal durch den Mund zu ziehen - wegen des "Geschmackserlebnisses". Fragt sich nur, wer so eine "vorbehandelte" Wurst dann noch essen wollte ...

Prügeleien

Blutige Schlägereien
Die Anfangsjahre des Bergfestes waren geprägt durch soziale Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Handwerksburschen. Die Studenten waren immer etwas privilegierter und hatten mehr Rechte. Den Handwerkern passte das nicht und sie wollten es den Studenten gleichtun. Da gab's zum Teil blutige Kämpfe, in einer Quelle ist sogar von Toten die Rede.

"Niedrigstehende Musik"

Mann bläst Trompete | Bild: BR-Studio Franken

Musikbelästigung anno 1900
Professoren, die Ende des 19. Jahrhunderts gerne und nobel am Berg wohnten, beschwerten sich bei der Stadt "ob der niedrigstehenden Musik". Der Senat leitete die Klagen an den Stadtmagister weiter. Dieser reagierte relativ gelassen und entgegnete: Ihm sei da noch nichts zu Ohren gekommen. Diejenigen Herren, die sich da beschwert hätten, möchten sich doch an ihn wenden. Gespielt wird noch heute ...

Versoffene Studis

Trinkfeste Erlanger
Noch vor Gründung der Bergkirchweih fand am "dritten Pfingstfeiertag", am Dienstag nach Pfingsten, ein Schützenfest mit dem sogenannten Vögeleszug zum Burgberg statt. Bei dieser Gelegenheit waren die Felsenkeller offen, vor denen schon damals das Bier ausgeschenkt wurde. Eine Quelle besagt, dass in Deutschland nirgendwo von den Studenten mehr Bier getrunken worden sei als in Erlangen.


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