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Waffen, Drogen, Killer: Wie dunkel ist das Darknet wirklich?

Das Darknet ist die dunkle Seite des Internets. Drogen werden dort gehandelt, Gewaltverbrechen vorbereitet. Der Amokläufer von München hat seine Waffe aus dem Darknet. Fragt sich, warum die Behörden das zulassen?

Von: Samira Hrach und Christian Schiffer

Stand: 16.09.2016

Hände auf einer Tastatur (Symbolbild) | Bild: picture-alliance/dpa

Im Mai 2015 fragt ein User namens "Maurächer" in einem Schwarzmarktforum nach einer Waffe. Dahinter steckt David S. Mit der Waffe, die er über das Darknet kaufen konnte, wird er neun Menschen töten. Aber warum ist es für einen 15-jährigen Schüler möglich eine Waffe im Internet zu kaufen? Die Antwort ist simpel: Weil man im Darknet anonym ist.

In der Anonymität des Darknet

Netzaktivist Padeluun

Diese Anonymität erlaubt den einen kriminelle Deals, für andere ist sie überlebenswichtig, argumentieren Netzaktivisten. Einer von ihnen ist Padeluun von der Organisation Digitalcourage, der öffentlich nur unter Pseudonym auftritt.

"Es gibt Blogger, die werden einfach mal verhaftet. In Russland werden Journalisten einfach umgebracht. Diese Menschen müssen geschützt werden. Die müssen die Möglichkeit haben zu kommunizieren, Informationen weiterzugeben ohne dass sie in Gefahr laufen, dass ihnen und ihrer Familie etwas schreckliches passiert. Und dafür ist es wichtig dass wir Räume schaffen, in denen Menschen unbeobachtet kommunizieren können."

Padeluun, Netzaktivist Digitalcourage

Schutzraum für Dissidenten autoritärer Regime

Das Tor zum Darknet ist "TOR", ein spezieller Browser. Entwickelt wurde er mit Unterstützung der US-Regierung, um Dissidenten in autoritären Regimen zu ermöglichen, im Verborgenen zu kommunizieren. Einer davon ist Abdalaziz Al-Hamza. Er kommt aus Rakka in Syrien, einem der größten Herrschaftsgebiete des Islamischen Staates. Wie wichtig anonyme Kommunikation ist, musste er schmerzlich erfahren.

"Als wir angefangen haben, hatten wir noch nicht genug Erfahrung und so haben wir dann ein Mitglieder verloren. Wir hatten über social media kommuniziert, über Facebook - und das war nicht sicher. Deswegen haben wir angefangen uns über geheime Kommunikationswege zu informieren."

Abdalaziz Al-Hamza, syrischer Aktivist gegen den IS

Abdalaziz Al-Hamza hat die Gruppe "Raqqa is being slaughtered silently" gegründet, um die Verbrechen des IS zu dokumentieren. Anfang 2015 veröffentlichte die Gruppe ein Video, auf dem ein jordanischer Kampfpilot bei lebendigem Leib vom IS verbrannt wurde. Um solche Beweise an die Öffentlichkeit zu bringen, ist das Darknet wichtig.

Cyberpolizisten ermitteln im Darknet

Das „Dunkle Netz“ hat also seine hellen Seiten. Das räumt auch Evi Haberberger, Leiterin der Zentralstelle Cybercrime beim Landeskriminalamt Bayern ein.

"Dass politisch Verfolgte teilweise sich nur im Darknet austauschen können ist durchaus auch wichtig, weil es insbesondere im politischen Bereich, aber auch für religiöse Diskussionen für kritische Geister eine gute Plattform bietet sich mal untereinander auszutauschen."

Evi Haberberger, Leiterin der Zentralstelle Cybercrime

illegaler Waffenhandel

Das heißt aber nicht, dass die Behörden dem Treiben im Darknet tatenlos zusehen. Verbrechen, die im Darknet angebahnt werden, sind durchaus aufzuklären. Bei der Polizei gibt es dafür eigene Einheiten. Und am Ende müssen doch immer Dinge bewegt werden, nicht nur Daten.

Verdeckte Ermittler schnappen Waffenhändler

Gerade beim Darknet setzen die Behörden deswegen vor allem auf verdeckte Ermittler und das durchaus mit Erfolg: Im vergangenen Jahr hat das BKA laut Behörden-Chef Holger Münch fünf Internet-Marktplätze aus dem Verkehr gezogen. Der Waffenhändler der dem Amoktäter von München offenbar die Waffe verkauft hat, ist mittlerweile in Haft. Die Fahnder hatten bei ihm zum Schein eine Bestellung aufgegeben. Bei der Übergabe schnappten sie den Händler.


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Lutz Schnelle, Sonntag, 18.September 2016, 10:19 Uhr

2. Das Darknet ist kein Raum

und nur eine sprachliche Abtrennung vom großen Übel, mit dem man sich nicht beschäftigen will: dem Internet.

Jeden Tag gibt es hunderte Meldungen über Störangriffe aufs Netz. Heise heute: "Mysteriöse DDoS-Angriffen auf Netzinfrastruktur". Spionage, Überwachung, Hetze, Verdummung, Viren, Trojaner, illegale Datensammlung, Kameras, Fernsehen, Handys, Betrügereien (jeder Bundesbürger ist statistisch mindestens 1 Mal im Netz betrogen worden), das US-Militär ist vernetzt, seine Waffen funktionieren nur noch mittels Datentransfer, kein Flugzeug startet oder landet ohne Netz, kein Schiff läuft aus. Ein Hacker ist übers Netz in eine Maschinenkanone eingedrungen und konnte sie steuern. Fällt das Netz aus, fallen Strom- und Wasserversorgung aus, die Supermärkte bleiben zu, die Banken, Bahnen stehen - der russische Hackerangriff auf Estland hat gezeigt, daß sich leicht ganze Länder "abschalten" lassen. Die Revolution war am nächsten Tag auf der Straße.

Bärthel, Sonntag, 18.September 2016, 10:00 Uhr

1. Darknet

Sehr geehrte Redakteure, wie ich lesen kann, so folgen sie uneingeschränkt der Veröffentlichungen der Behörden zum Darknet. Das finde ich bedenklich! Das Darknet dient Menschen als Kommunikationsplattform, die ihre Dinge nicht öffentlich besprechen / klären wollen. Das ist also das Gegenteil zu Facebook.
Was mir aber wichtig erscheint ist, das man das Darknet nicht braucht, um an Waffen etc. heran zu kommen. Dazu gibt es ausreichend anderweitige Möglichkeiten, die einfacher zu Händeln sind. Die Story, das ein Attentäter sich über das Darknet Waffen beschafft und diese dann zu Hause bunkert, das diese durch Behörden gefunden werden ist eh schwierig zu bewerten.
Was ich sagen will, ist das die Aktion "Darknet" die Sicherheitslage in Deutschland aktuell nicht verbessern wird.