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Arbeitgebertag 2016 Ein Problem für das Exportland Deutschland

Einer der wichtigsten Wirtschaftstermine in der Hauptstadt ist der Arbeitgebertag. Das nasskalte Wetter von heute passt zu den Befürchtungen der Fachleute: Es brechen härtere Zeiten an, die deutsche Wirtschaft drosselt ihr Tempo, vor allem die Exporte gehen zurück.

Von: Judith Gridl

Stand: 15.11.2016

Deutscher Arbeitgebertag 2016 | Bild: picture-alliance/dpa

Es ist natürlich Unsinn, der US-Wahl daran die Verantwortung zuzuschieben, aber dennoch ist klar, auch in Zukunft wird es nicht besser, eher schlechter. Die große Befürchtung auf dem Arbeitgebertag: Deutschlands Wirtschaftsleistung lebt vom Export. Wird dieses Modell in einer Weltordnung mit Trump noch tragen?

Zwei große Freihandelsabkommen vor dem Aus?

Denn der zukünftige US-Präsident will weg vom Freihandel, er will TTIP (Freihandelsabkommen Europa/USA) und die Transpazifische Partnerschaft (TPP) verhindern und amerikanische Produkte schützen, indem er auf Importe hohe Zölle erhebt. Viel weiß man noch nicht über die Details von Donald Trumps künftiger Wirtschaftspolitik. Die Wirtschaftsvertreter heute begnügten sich mit gegenseitigen Beteuerungen zum Sinn und Zweck von Freihandelsabkommen, mit einem kleinen Seitenhieb auf Trump.

"Eine der größten Chancen liegt darin, die Europäische Union zu stärken. Die Schaffung des europäischen, digitalen Binnenmarktes, die Stärkung von Investitionen, der Ausbau der Infrastruktur und die Ausweitung des Freihandels kommen hinzu. Der Freihandel scheint ein bisschen in Verruf geraten zu sein, zumindest bei sehr lautstark operierenden Persönlichkeiten."

Ingo Kramer, Präsident Arbeitgebertag

Und an der Nachhaltigkeit von Trumps Ankündigungen hat so mancher Zweifel.

"Wir erwarten von der amerikanischen Regierung und dem neuen amerikanischen Präsidenten, dass er zu Freihandel insgesamt steht. Wir sind aber auch ziemlich überzeugt, dass da ziemlich schnell Vernunft einkehrt."

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer vbw/Vereinigung der bayerischen Wirtschaft

Flüchtlingspolitik als zweites großes Thema

Bundeskanzlerin Merkel appelliert an die Wirtschaft, mehr Flüchtlinge und Asylsuchende zu beschäftigen.  Aber sie schlägt einen versöhnlichen Ton an und lobt das bisherige Engagement der Arbeitgeber.

"Ich wollte also danken und nicht schimpfen und sagen: lassen sie uns jetzt das große Thema Integration, auch Integration in den Arbeitsmarkt weiter gemeinsam angehen. Wir wissen, dass das Zeit braucht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Wer bisher als Arbeitgeber an den bürokratischen Hürden, die die Einstellung von Flüchtlingen mit sich bringt, verzweifelt ist, der kann es "ruhig noch einmal probieren, die Bedingungen haben sich wirklich geändert“, warb die Kanzlerin. Denn jetzt gebe es wirkliche Rechtssicherheit für Asylsuchende während der Ausbildung, auch Leiharbeit sei für Flüchtlinge möglich. Der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer gibt der Bundeskanzlerin eine Aufgabe für das Wahljahr mit.

"Wir müssen bildungsferne Milieus besser erreichen. Das gilt auch für Flüchtlinge, die vielfach viele Jahre oder für immer bei uns bleiben werden. Und wir müssen entschiedener als bisher für die duale Berufsausbildung werben und dabei die Berufsschulen massiv stärken."

Ingo Kramer, Präsident Arbeitgebertag

Und das ist wohl der Grund, warum auch noch eine Schule aus Bayern kurz im Mittelpunkt des Arbeitgebertages stand.

Der Deutsche Arbeitgeberpreis geht nach Bayern

Wie jedes Jahr vergibt der Arbeitgebertag den "Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung". Er stand ganz bewusst unter dem – etwas holprigen – Motto: "Chance Vielfalt! Bildung für gelingende Integration – Fokus Flüchtlinge."

Der Preis ging an die Beruflichen Schulen Altötting, die sich mit ihrer Berufsschule auch um Flüchtlinge kümmern. Dort werden derzeit rund 130 Flüchtlinge "fit für die Berufsausbildung“ gemacht. Zum Teil sind darunter auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, um die sich die Schule zusammen mit anderen Einrichtungen  kümmert.

Freude über die Anerkennung

"Wir haben uns schon riesig gefreut. Der Preis ist eine Anerkennung für die ganze Arbeit. Es läuft einfach viel drum rum", sagt Frau Weiner, die Sekretärin der Schule, die man dort als erste erreicht. "Bei uns laufen jetzt die Telefone heiß nach der Preisverleihung. Und wir hoffen, dass der Preis uns die Anerkennung bringt, die das Engagement von allen  - von den Flüchtlingen, den Lehrkräften bis hin zu den beteiligten Betriebe - verdient", freut sich sich Ludwig Mühlegger, stellvertretender Schulleiter der Beruflichen Schulen Altötting.


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Erich, Mittwoch, 16.November 2016, 07:21 Uhr

4. Tja,

vorletzte Woche, randaliert unser Wirtschaftsminister Gabriel in China. Der Rest der Regierung randaliert seit Jahren in Russland und alle zusammen haben während des ganzen Wahlkampfs noch in USA randaliert. Dem Rest der Welt, erklären wir ständig mit erhobenem Zeigefinger, was gut und was schlecht ist. Dem Rest Europas, zwingen wir eine Asylpolitik aufs Auge und bringen diese Staaten an den Rande der Existenz. Der Hass auf Deutschland wächst.

Es ist wirklich unglaublich, was diese "Etablierten" treiben. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln und nächstes mal auf dem Wahlzettel, die Quittung ausstellen.

Ralf, Dienstag, 15.November 2016, 22:59 Uhr

3. Neue US-Einfuhrzölle von Trump und Russland-Sanktionen von Merkel, nicht gut.

Auch in der Außenwirtschaft der USA wird es große Veränderungen geben. Denn Trump ist ein entschiedener Gegner von TTIP. Gleichzeitig will er alle Außenhandelsverträge neu verhandeln und die einheimische Wirtschaft stärken. Neue Zölle zum Schutz gegen unfairen Wettbewerb sollen eingeführt werden. Das spricht für mehr Produktion auf den US-Märkten, was die Importe, bzw. Exporte von Deutschland in die USA verringern könnte. Immerhin hängen eine Million Jobs in Deutschland von den Ausfuhren in die Vereinigten Staaten ab. Da werden wohl viele Asylsuchende im Harz IV bis in die Grundsicherung-Rente bleiben. Ich sehe da dunkel schwarz.

Otto, Dienstag, 15.November 2016, 18:50 Uhr

2. Wenn die Exporte einbrechen und Massen-Entlassungen kommen,

was wird dann aus den unqualifizierten arbeitslosen Asylsuchenden? Wovon werden die schon anwesenden und die noch hinzukommenden Asylsuchenden und deren Familien alimentiert? Weiß das jemand?

Zorro, Dienstag, 15.November 2016, 18:20 Uhr

1. Anstatt in Asylbewerber zu investieren, sollten wir in High-Tech-

Forschung investieren.