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50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen Ein Apartment in Berlin

Drei junge Israelis beschließen, sich mit der deutsch-jüdischen Geschichte auseinanderzusetzen. Dazu versuchen sie, die Wohnung der jüdischen Familie Adler in Berlin wieder so einzurichten, wie sie vor deren Deportation während der Nazizeit ausgesehen hat. Doch es zeigt sich, dass der Holocaust für sie etwas anderes bedeutet als für die deutsche Regisseurin, die die drei Studenten zu der Zeitreise einlud.

Stand: 27.10.2015 | Archiv

Ein Apartment in Berlin | Bild: rbb/gebrueder beetz filmproduktion

Junge Israelis in Berlin – etwa 20.000 von ihnen leben inzwischen hier. Die meisten schwärmen von der weltoffenen, internationalen Atmosphäre der Stadt und den günstigen Preisen für Lebenshaltungskosten. Einzig der Winter ist ungewöhnlich kalt und bedrückend. Doch Berlin war einst der Ort, von dem aus die Nationalsozialisten die systematische Ermordung der europäischen Juden planten.

Die drei jungen Israelis beim koscheren Abendessen mit Lotte Atar (links), der Nichte (rechts) von Rosa und Simon Adler.

In ihrem Dokumentarfilm "Ein Apartment in Berlin“ begleitet Alice Agneskirchner drei junge Israelis auf einer Spurensuche in der deutschen Hauptstadt. Dort wollen Eyal, Yael und Yoav für das Dokumentarfilmprojekt das Leben der jüdischen Familie Adler recherchieren, die vor 100 Jahren aus Galizien auswanderte. In Berlin gründeten Rosa und Simon Adler eine Familie und arbeiteten als Eierhändler.

Info

Originaltitel: Ein Apartment in Berlin (D, 2013)
Regie: Alice Agneskirchner
Länge: 90 Minuten
VT-UT, 16:9, stereo

Ihre komplett erhaltene Vermögenserklärungsakte aus dem Jahr 1943 ist der filmische Ausgangspunkt für Eyal, Yael und Yoav, die Originalwohnung im Bezirk Prenzlauer Berg heute möglichst originalgetreu wieder einzurichten, um so eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen.

Jeder der drei Israelis hatte einen anderen Grund, sich für das Filmprojekt zu melden. Sie erhoffen sich Denkanstöße, eine Reise ins Unbekannte, die persönliche Herausforderung. Doch während sie Akten studieren und authentische Einrichtungsgegenstände zusammentragen, nimmt der Film eine unerwartete Wendung.

Vor dem ehemaligen Eiergeschäft der Familie Adler in der Berliner Friedelstraße erinnern nun drei Stolpersteine an die einstigen Bewohner.

Fast 100 junge Israelis meldeten sich für das Filmprojekt von Alice Agneskirchner, die in monatelanger Recherche zusammen mit der Historikerin Karolin Steinke das Leben der jüdischen Familie Adler in den Berliner Archiven recherchiert hatte. Die Filmemacherin entschied sich schließlich für Eyal, Yael und Yoav, die in Berlin leben und hier studieren.

Ihr Dokumentarfilm zeigt anschaulich, dass auch diese Vertreter einer jungen Generation von Israelis sich zwar ihrer Vergangenheit verbunden fühlen, jedoch keine Repräsentanten der Geschichte sein wollen, sondern danach streben, sich von diesem Erbe zu emanzipieren und zu ihrer Identität zu finden. Zur zentralen Frage des Dokumentarfilmprojekts wird schließlich, wie die unterschiedlichen Generationen mit ihrer Erfahrung, Erziehung und ihrem Wissen um die Shoah umgehen. Dabei gelingt es der Regisseurin, Geschichte konkret erfahrbar zu machen und gängige Sichtweisen zu hinterfragen.


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