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Pelzveredler/-in Mit Haut und Haar

Pelzveredler und Pelzveredlerinnen konservieren Tierfelle. In einem aufwändigen Prozess entstehen so Pelze, die lange ihr Aussehen behalten. Pelzveredler und Pelzveredlerinnen können in Gerbereien, Pelzfärbereien, Kürschnereien, Lederzurichtungs- und Pelzveredlungsbetrieben arbeiten.

Stand: 05.03.2018

Thomas Popp tritt in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Schon drei Generationen vor ihm haben Pelze veredelt. Jetzt ist er an der Reihe. Der 18-Jährige lebt in Langenzenn und macht im Familienbetrieb eine Ausbildung zum Pelzveredler - er ist im zweiten Lehrjahr. Als Pelzveredler verarbeitet Thomas Felle zu Pelzen. Dazu wäscht, färbt und bleicht sie sie. Die Pelze werden zu Jacken, Mänteln und zu Decken weiterverarbeitet. Der dreijährige Ausbildungsberuf wird in Gerbereien, Lederzurichtungs- und Pelzveredelungsbetrieben angeboten.

Vorsicht, Säure!

Der Umgang mit Chemikalien gehört zum Alltag. Hier darf Thomas nicht leichtsinnig sein. Die Säuren und Laugen dürfen auf keinen Fall ins Auge gehen. Er schützt sich mit Brille, Handschuhen, Gummischürze und Gummistiefeln. Pelzveredler ziehen Tieren nicht selbst das Fell ab. Sie bekommen es geliefert, entweder frisch oder konserviert. Je nach Tierart und Konservierungsmethode unterscheiden sich die ersten Schritte der Verarbeitung: Getrocknete Felle werden in der Regel zunächst in einem mehrstündigen Wasserbad aufgeweicht. Dazu schlichtet Thomas die Felle in einen großen Steinbottich. Um zu verhindern, dass die Felle nach oben schwimmen, bringt der 18-Jährige über den Fellen ein schweres Holzgitter an. Dann flutet er den Bottich mit warmen Wasser.

"Das Leder war ja getrocknet und jetzt muss sein Wassergehalt wieder normal werden. Nach einigen Stunden sind die Haare und das Leder wieder ganz weich. Jedes Fell ist anders. Es kommt immer auf den Einzelfall an, wie wir an die Sache rangehen. Da steckt einfach viel Erfahrung vom Großvater und Vater drin."

Thomas Popp (18), 2. Ausbildungsjahr

Ein seltener Beruf

Auch wenn Thomas schon als Kind im Betrieb dabei war und seinem Vater schon früh bei seiner Arbeit geholfen hat, wird es noch Jahre dauern, bis er alle Kniffe drauf hat. Denn Pelz zu veredeln ist eine Kunst. Zu den besonderen Herausforderungen zählt das Bedienen der Dünnschneidemaschine. Die Schwierigkeit: Die Haare müssen erhalten bleiben, während die Haut darunter durch chemische und physikalische Prozesse bearbeitet wird. Pelzveredler zählt zu den seltenen Berufen. Pro Jahr entscheidet sich nur eine Handvoll junger Menschen für die Ausbildung. Es gibt deutschlandweit nur eine Berufsschule für Pelzveredler, im baden-württembergischen Reutlingen. Dort wird blockweise unterrichtet.

"Für den Beruf muss man eine gewisse Liebe zur Natur und zum Fell mitbringen. Wichtig ist auch eine gute körperliche Konstitution. Die Arbeit ist ein bisschen kraftaufwendig. Der Job fordert den ganzen Körper. Wenn jemand handwerkliches Geschick hat, dann kann er das prinzipiell machen."

Lothar Popp, Meister

Arbeiten wie anno dazumal

Vom Fell zum Pelz sind traditionell folgende Schritte nötig: Los geht es mit dem Entfleischen der Felle. Darauf folgt das Walken, Läutern, Stollen und Bakeln. Pelzveredler haben für viele ihrer Tätigkeiten spezielle Fachbegriffe. Stollen bedeutet, die vorbehandelten Felle wieder in Form zu ziehen. Thomas hat sich für ein Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes entschieden: Für manche Arbeitsschritte gibt es keine Maschinen.

"Der Beruf ist schon sehr alt. Fast so alt wie die Menschheit selbst. Es gab und gibt ihn in jeder Kultur. Und über all die Jahrhunderte hat sich die Verarbeitung der Felle kaum verändert. Die Kürschnerbank stammt noch von meinem Großvater. Genau solche gab es schon vor vielen hundert Jahren. Die ist heute noch immer wichtig für uns, sie ist durch nichts zu ersetzen. Damit ziehe ich das Leder weich, vor allem die empfindlichen Stellen des Fells. Mit einer Maschine würde das nicht gehen, da würde das Fell zerreißen."

Thomas Popp, 2. Ausbildungsjahr

Muskelkraft gefragt

Der Job geht in die Knochen. Das ist auch ein Grund, warum sich nur selten Frauen für die Ausbildung interessieren. Einst war die Branche groß. Pelze aus Deutschland waren in der Nachkriegszeit Exportschlager. Billige Importe aus Osteuropa und Fernost setzten die deutsche Pelzindustrie dann aber unter Druck. Viele Pelzveredler gaben auf. Jetzt freuen sich die verbliebenen Betriebe wieder über volle Auftragsbücher. Pelz ist wieder im Kommen, auch wenn Tierschutzorganisationen Kritik daran üben. In der Fachsprache heißen die Pelze übrigens Rauchwaren. Mit Zigaretten aber haben die nichts zu tun.

"Das Wort Rauch kommt ursprünglich aus dem altösterreichischen und bedeutet an für sich nicht viel mehr, als wie: das Fell das muss fluffig sein, das muss schön sein, muss Farbe habe, eine satte Farbe, eine Zeichnung. Das alles insgesamt, wie das Fell mit Leder und Haar und allem zusammenhängt, nennt man Rauch."

Jan Lehmann, Facharbeiter

Zebra, Giraffe und Co

Die Tierfelle stammen von Jägern und aus Zuchtbetrieben. Exotische Felle kommen auch mal von Zoos oder aus Reservaten, zum Beispiel aus Afrika. Bei exotischen Fellen wie denen von Zebras, Giraffen und Löwen arbeiten die Pelzveredler meist im Auftrag von Museen oder Präparatoren. Wer gerne handwerklich arbeitet, körperliche Anstrengung nicht scheut und Interesse an Naturwissenschaften hat - für den ist vielleicht Pelzveredler der richtige Job. Thomas jedenfalls hat seinen Traumberuf gefunden. Nicht nur, weil er damit die Familientradition weiterführt. Er versteht sich als Pelzveredler mit Haut und Haar.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Pelzveredler/in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung
  • Prüfung: Die Auszubildenden legen eine Zwischenprüfung sowie am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung ab. Die Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil.
  • Ausbildungsorte: Die Ausbildung wird im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule durchgeführt. Es gibt deutschlandweit nur eine Berufsschule für Pelzveredler. Die ist im baden-württembergischen Reutlingen. Dort wird blockweise unterrichtet.
  • Zugang: Rechtlich ist - wie für alle Berufe des dualen Systems - kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die meisten Auszubildenden haben die Mittel- oder Realschule besucht.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick, Interesse an Naturwissenschaften und Sorgfalt sind gefragt.
  • Perspektiven: Pelzveredler zählt zu den seltenen Berufen. Die Branche ist klein. Die Fachkräfte können in Gerbereien, Pelzfärbereien, Kürschnereien, Lederzurichtungs- und Pelzveredlungsbetrieben arbeiten.
  • Alternativen: Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik | Präparationstechnische/r Assistent/in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr

Der Umgang mit Chemikalien gehört zum Alltag. Pelzveredler dürfen dabei nicht leichtsinnig sein. Die Säuren und Laugen dürfen auf keinen Fall ins Auge gehen. Schutz bieten Brille, Handschuhen, Gummischürze und -stiefel.

Geschick

Die Felle sind sehr empfindlich. Beim Bearbeiten an der Kürschnerbank und an der Dünnschneidemaschine ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Kraft

Der Job ist körperlich sehr anstrengend. Mit Wasser getränkte Schaf- oder Wildschweinfelle können locker fünfzehn Kilogramm und mehr wiegen. Wer davon dreißig Stück aus der Wassertrommel zieht, in die Schubkarre wirft, zum Trockenraum fährt und sie dann einzeln wieder auslädt, der kann sich den Besuch im Fitnessstudio sparen.


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