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Berg- und Maschinenmann/-frau Abenteuer unter der Erde

Ihr täglicher Arbeitsweg führt hunderte Meter in die Tiefe. Berg- und Maschinenmänner und -frauen arbeiten oft stundenlang ohne Tageslicht in Bergwerken, Untertagedeponien und bei der Sicherung von ehemaligen Stollen. Dort bedienen sie schwere Maschinen und Fahrzeuge. Trotz Kohleausstieg ist der Job gefragt und bietet gute Verdienstmöglichkeiten.

Stand: 01.07.2019

Höhenangst, die hat Kevin Morgner (25) nicht. Er macht eine Ausbildung zum Berg- und Maschinemann und fährt täglich in die Grube Teutschenthal in Sachsen-Anhalt ein. Per Seilfahrt geht es runter auf 713 Meter. Einst wurde hier Salz abgebaut, heute werden tonnenweise Industrieabfälle eingelagert, wie beispielsweise kontaminierter Bauschutt oder Abfälle von Verbrennungsanlagen.

Zusammen mit seinem Kollegen Alexander Singer (22) muss er neue Stollenbereiche und Gänge erschließen. Unter Tage arbeiten sie im Schichtbetrieb. Rund um die Uhr herrscht in dem alten Bergwerk Hochbetrieb. Die beiden sind fast immer zu zweit unterwegs. Unter Tage spielt Teamarbeit eine wichtige Rolle, auch wegen der Sicherheit.

"Man muss sich aufeinander verlassen können. Das halt umso weniger passiert und unter Tage herrscht auch ein anderer Zusammenhalt als über Tage finde ich. Man muss immer ein Auge auf den anderen haben und ihn warnen, wenn etwas passiert. Vor allem beim Bedienen der großen Maschinen. Zusammenarbeit ist hier das A und O."

Alexander Singer (22), Jungfacharbeiter

Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Kevin ist im zweiten Lehrjahr und steht kurz vor seiner Abschlussprüfung. Schreinern, flexen, bohren - im Job kommt ihm sein handwerkliches Geschick zu Gute. Berg- und Maschinenfachkräfte sollten auch körperlich fit sein und besonders sorgfältig arbeiten.

"Was mir Spaß macht ist die Tätigkeit an sich. Erst einmal unter Tage zu sein, das ist schon ein sehr cooles Gefühl finde ich. So ein Arbeitsplatz hat halt nicht jeder und sagen wir mal so, mit so Großmaschinen zu arbeiten, das sieht man über Tage nicht so oft. Ich komme wirklich sehr gerne hierher, das ist für mich schon fast wie ein zweiter Zuhause."

Kevin Morgner (25), 2. Lehrjahr

In die Berufsschule nach Freiberg in Sachsen kommen Azubis aus ganz Deutschland. Im Blockunterricht lernen die angehenden Bergleute das Lesen von Karten und Geologie. Was steckt alles unter der Erde? Durch Tasten, Riechen und Beobachten erfahren sie Wichtiges über ihren Einsatz unter Tage. Dort haben ausgelernte Bergleute auch die Möglichkeit den staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Bergbautechnik zu machen.

"Berg- und Maschinenmann hat meiner Ansicht nach schon noch Zukunft. Erst einmal der Sanierungsbergbau, der wird noch eine ganze Weile gehen. Und wenn man weltpolitisch an die ganze Problematik seltene Erden denkt, da ist das Erzgebirge weiterhin interessant. Die Lagerstätten wird es geben und da ist der Bergmann weiterhin eine gefragte Person."

Peter Windisch (32), Bauleiter

Melina Schneider (19) möchte nach ihrer Ausbildung den Techniker machen und noch ein Ingenieurstudium dranhängen. Sie ist noch eine der wenigen Frauen in diesem Berufsfeld. Erst seit 2009 sind Frauen für diesen Job zugelassen. Melina macht ihre Ausbildung bei der Bergsicherung Sachsen. Seit ein paar Monaten arbeitet sie auf einer besonderen Baustelle. Unter einem Einfamilienhaus wurde durch Zufall ein alter Stollen mit mehreren Schächten entdeckt. Unterirdisch versuchen Melina und ihre Kollegen die Einsturzgefahr des Hauses zu minimieren.  

"Also mir persönlich würde es schon gut gefallen, wenn ich noch ein paar Kolleginnen hätte. Gerade weil es ein schöner Beruf ist, also ich kann mich nicht beschweren. Bis jetzt macht mir das alles Spaß, es ist alles machbar. Nicht das andere immer denken, es ist nicht machbar, das ist auch total für Frauen ein Beruf. Man kann das machen, wenn man gerne anpackt, wenn man denkt, man hat genug Kraft."

Melina Schneider (19), 1. Lehrjahr

Anpacken in großer Tiefe und Dunkelheit, dafür viel Teamarbeit und gute Verdienstmöglichkeiten. Berg- und Maschinenmann ist ein Job mit langer Tradition und auch heute noch gefragt.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Berg- und Maschinenmann/-frau
  • Ausbildungsdauer: zwei Jahre
  • Ausbildungsform: dual in Betrieb und Berufsschule
  • Ausbildungsorte: Bergwerke, Bergsicherung, Untertagedeponien, Schachtbaufirmen
  • Zugang: einfacher Hauptschulabschluss, einfacher Mittelschulabschluss
  • Eignung: Rechnen, handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, Sorgfalt, Teamfähigkeit
  • Prüfung: IHK
  • Die wichtigsten Infos zum Beruf: Berg- und Maschinenmänner/-frauen arbeiten die meiste Zeit ohne Tageslicht unter Tage. Dort bauen sie unter anderem verschiedene Rohstoffe ab und kümmern sich um den Streckenvortrieb. Dazu müssen sie schwere Maschinen und Fahrzeuge bedienen.
  • Perspektiven: Techniker/-in | Ausbilder/-in | Studium
  • Alternativen: Bergbautechnologe/-technologin | Ausbaufacharbeiter/-in | augeräteführer/-in

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kleidung

Unter Tage wird es staubig, nass und dreckig. Gummistiefel, Helm, Mundschutz – mit Sicherheitskleidung schützen sich Berg- und Maschinenmänner/-frauen. Oft müssen sie sich für die entsprechenden Arbeitsschritte umziehen.

Genauigkeit

Berg- und Maschinenmänner/-frauen arbeiten oft sehr genau, etwa wenn es um die Vorbereitung von Bohrlöchern geht. Nur wenn die Abmessungen passen, gelingt der Durchbruch.  

Team

Bei der Arbeit an schweren Maschinen arbeiten oft mehrere Kollegen und Kolleginnen zusammen. Teamarbeit spielt in diesem Job eine wichtige Rolle und ist auch ein Sicherheitsfaktor.

Mathematik

Volumen, Dichte, Masse – Berg- und Maschinenfachkräfte sollten gut in Mathe sein. In der Berufsschule steht beispielsweise das Abmessen und Berechnen von Gesteinsbrocken auf dem Stundenplan.


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