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Auswendig Lernen Tipps von der Gedächtnis-Weltmeisterin

Was hat Charlie Chaplin in der Hosentasche mit dem 5. Buch Mose zu tun? "Je verrückter und persönlicher eine Eselsbrücke ist, desto besser bleibt sie im Kopf",so Gedächtnis-Weltmeisterin Christiane Stenger. Im Campus Magazin erklärt sie der Latein- und Religion-Studentin Lisa Winkler ihre besten Merk-Tipps.

Von: Jenny von Sperber

Stand: 30.04.2019

Sich Sachen gut merken können – das hilft nicht nur in der Uni weiter, sondern auch im täglichen Leben. Vokabeln, Zitate, Namen, Telefonnummern, PIN-Codes, Passwörter: Alles nicht so leicht im Kopf zu behalten. Selbst Gedächtnissport-Profis, wie die Junioren Gedächtnis-Weltmeisterin Christiane Stenger, können das nicht von allein. Sie haben ganz konkrete Techniken, wie sie sich Wörter oder Zahlen besonders gut merken können.

Schräges Kopfkino für alle Sinne

Das Wichtigste sei es, sich Bilder im Kopf vorzustellen, sagt Christiane Stenger. Um sich den Namen Lisa Winkler sofort zu merken, stellt sie sich zum Beispiel die lernende Lisa vor, wie sie liest und dabei winkt. Ganz wichtig: Sie sieht die winkende Lisa dabei wirklich ganz bewusst vor sich. Je mehr Sinne dabei angeregt werden, desto besser. Vielleicht hört sie noch das Rascheln des Buches, das Lisa gerade liest. Oder riecht die Handcreme der winkenden Hand.

Bei Zahlenreihen macht sie es ähnlich: Jede Ziffer bekommt ein passendes Bild. Die Eins ist beispielsweise ein Baum, die Zwei ein Schwan usw.. Dann denkt sie sich eine kleine, möglichst schräge Geschichte aus, in der die Bilder in der gewünschten Reihenfolge vorkommen.

Die Routenmethode

Latein- und Religion-Studentin Lisa lernt für Ihre Bibel-Zitate die Routenmethode quer durch ihren Körper.

Komplizierter wird es, wenn man sich lange Texte merken muss, wie Lisas Bibelzitat: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Christiane Stenger nutzt dafür die sogenannte Routenmethode: Dabei wird im Gehirn das neue Wissen an Altbekanntes geknüpft und in eine Reihenfolge gebracht, die nicht durcheinanderkommen kann: Christiane Stenger stellt sich zum Beispiel ihren Körper vor und verankert jede Sinneinheit des Bibelzitates mit einzelnen Punkten auf dieser Route von Fuß bis Kopf. Diese Methode stammt bereits von den alten Griechen.

Jeder kann besser werden

Wer solche Tricks und Techniken übt und ganz bewusst anwendet, der kann sein Gedächtnis tatsächlich trainieren. Selbst die Weltmeisterin war nicht immer das Superbrain, das sie heute ist. In der Schule war sie sogar mal versetzungsgefährdet.


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