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Prof. Dr. Arno Villringer Die psychischen Ursachen für Schlaganfall

Einen Schlaganfall erleidet kein gesunder Mensch. Jahre vorher bahnt er sich schon an. Riskofaktoren wie Übergewicht und hoher Blutdruck begünstigen den Krankheitsverlauf. Welche Rolle spielt dabei unser Verhalten?

Stand: 05.10.2018

Der Schlaganfall ist meistens ein Endpunkt einer langjährigen chronischen Entwicklung, eines chronischen Krankheitsprozesses, bei dem unsere Psyche und ihr Einfluss auf unser Verhalten eine zentrale Rolle spielen.

Verhaltensweisen, die in früheren Phasen der Evolution sinnvoll waren, wie das Essverhalten und der Umgang mit Stress, sorgen heute dafür, dass wir unter den ständig ausreichenden Nahrungs-Angeboten und häufigen Stress-Situationen, Risikofaktoren entwickeln. Es gibt zwar viele Menschen, die an Risikofaktoren leiden, aber keinen Schlaganfall entwickelt haben. Sie scheinen zunächst verschont zu sein. Doch Untersuchungen und Tests von Menschen mit Übergewicht und hohem Blutdruck, die ansonsten gesund sind, zeigten nun, dass doch Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit nachgewiesen wurden. Es wurden sogar kleine abgelaufene Schlaganfälle gefunden. Meistens „schiebt“ man es auf das „Alter“, aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine fortschreitende Zerstörung des Gehirn, die sogar schon bei unter 30-jährigen beginnt. Forschungen in diesem Bereich bestätigen, dass eine Demenz ebenfalls durch die gleichen Risikofaktoren wie der Schlaganfall und der Herzinfarkt entstehen.

Prof. Dr. Arno Villringer ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, Direktor der Tagesklinik für Kognitive Neurologie der Universität Leipzig, Honorarprofessor der Charité Universitätsmedizin Berlin, Sprecher der Mind & Brain Institute in Berlin und Professor für Kognitive Neurologie der Universität Leipzig.


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