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Hochschulpolitik Ehrenamt an der Uni

Hochschulpolitik will das Studium und alles, was damit zusammen hängt, besser machen. Doch nur wenige Studierende setzen ihre Zeit dafür ein, sich für ihre eigene Hochschule zu engagieren. Paul, Michael und Daniel sind da anders.

Von: Anna Dannecker

Stand: 05.05.2018

Fachschaftenrat, Studentenvertreter an der TUM | Bild: Fachschaftenrat TUM

Studenten in der Hochschulpolitik: "Bestimmen können wir nichts, mitbestimmen schon."

Darum steckt Paul Maroldt durchschnittlich 30 Stunden pro Woche als studentischer Senator der TU München in seine ehrenamtliche Arbeit. Seine Aufgabe: die Meinung der gesamten Studierendenschaft und somit knapp 41.000 Studierenden gegenüber der Hochschulleitung zu vertreten. Er ist einer der zwei studentischen Vertreter in den beiden höchsten beschlussfassenden Gremien an der Hochschule, dem Senat und dem Hochschulrat. Dort bekommt er hautnah mit, wie aktuelle Probleme besprochen, neue Forschungsschwerpunkte bestimmt oder neue Studiengänge eingerichtet werden. Und das alles neben seinem Vollzeit-Studium „Robotics, Cognition and Intelligence“.

Hochschulpolitik vor Ort: Der Kampf um neue Wohnungen für Studenten!

Viele Studierende beschweren sich über die Studienbedingungen oder dass die Wohnungsnot groß ist. Ihre Vertreter*innen kämpfen in ihrer Freizeit für den Neubau von Wohnungen. Und das nicht für sich selbst, sondern für die, die nach ihnen an die Uni kommen und preiswerten Wohnraum brauchen. Überzeugen müssen sie die Hochschulleitung, das Studentenwerk und verantwortliche Kommunen. Finanzieren soll das dann die Staatsregierung – und die stellt sich manchmal quer. Für diese und andere Überzeugungsarbeit geht der Hauptteil der Zeit drauf. Das Frustrierende dabei ist: das Resultat der eigenen Arbeit sieht man manchmal erst bis zu fünf Jahre später. So wie die drei neuen Studi-Häuser in München, in denen Räume zum Lernen, Entspannen und Orte für studentische Gruppen zur Verfügung gestellt werden. Die haben Pauls Vorgänger erstritten, er darf sie bald miteröffnen.

Hochschulpolitisches Teilziel erreicht: Semesterticket und drei Häuser zum Wohnen nur für Studierende

Semesterticket für Studenten in München

Meist arbeiten die Studierendenvertreter*innen hinter den Kulissen. Ein neues Café als Zwischennutzung oder Bike-Sharing an der Uni? Wie soll das neue Online-Tool für Prüfungsanmeldung und Stundenplan aussehen? Mit anderen Großprojekten treten sie gemeinsam mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss und dem Fachschaftenrat, dem studentischen Parlament, an die Öffentlichkeit. Hier sitzen Vertreter*innen aus allen Fachschaften zusammen und beratschlagen über Anträge oder planen Hochschulpartys. Manchmal auch mit anderen Organisationen zusammen. Das war beispielsweise beim Semesterticket so, einer der größten Erfolge der letzten Jahre.

Paul Maroldt, 24 Jahre, vor den neu gebauten StudiTUM-Häusern

"Angefangen hat es mit der kostenlosen Pizza. Dann hatte ich Spaß an der Arbeit, auch an der Verantwortung. Das sind Themen, die mich direkt etwas angehen und es gibt Menschen auf allen Seiten, die einen ernst nehmen."

Paul Maroldt, Studentischer Senator an der TUM

Es sind kleine und große Erfolge, die die Arbeit in der Studierendenvertretung ausmachen. Sonst ist es manchmal auch zäh. Denn obwohl die Studierenden die größte Statusgruppe an der Uni sind, gibt es keinen Mechanismus, kein Druckmittel, die Uni direkt zu gestalten. Die Studierenden sind immer davon abhängig, die Hochschulleitung oder den Präsidenten der Uni von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Aber die Arbeit an sich macht den beiden Spaß; nicht nur die Feste, die gefeiert werden. Es sind die Leute, die man trifft und die Veranstaltungen, auf die man geht – da kann es schon mal sein, dass Markus Söder oder Edmund Stoiber im Publikum sitzen und anhören, was die Studierenden zu sagen haben.

Hochschulpolitisches Thema auch in Würzburg: Studenten in Wohnungsnot

Michael Reitmair, 22 Jahre (rechts) informiert gemeinsam mit dem studentischen Senator Daniel Janke (links) an der Uni Würzburg über Wohnungsnot

Auch Michael Reitmair, 22 Jahre alt, kämpft für bezahlbaren Wohnraum. In Würzburg, wo er Politikwissenschaften und Soziologie studiert, ist die Wohnsituation fast genauso schlimm wie in München. Er hat sich dafür im Verwaltungsrat des Studentenwerks, einer Art „Aufsichtsrat“ an der Uni eingebracht. Hier sind zwei Studierende verantwortlich dafür, über Mensen, Wohnungen und Beratungsangebote der Uni mitzustimmen. Neben neuen Wohnheimen hat Michael dafür gestritten, dass es immer ein Essen gibt, das zwei Euro oder weniger kostet – nicht alle Studierende können sich mehr leisten.


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