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Dr. Sebastian O. Schneider Wie man Menschen dazu bringt, Corona-Maßnahmen zu befolgen

Genügt umfassende Information über das neuartige Coronavirus oder braucht es mehr Anreize, um die Menschen dazu zu bewegen, Corona-Regeln einzuhalten? Dr. Schneider vom Max-Planck-Institut für Kollektive Gemeinschaftsgüter berichtet über seine Studie dazu.

Stand: 09.05.2021

Reicht die effektive Kommunikation relevanter Informationen über das neuartige Coronavirus aus, um die Einhaltung von Corona-Maßnahmen zu bewirken, oder bedarf es zusätzlicher finanzieller Anreize? Wir vergleichen beide Ansätze mit über 3,000 Haushalten aus 150 Dörfern in Bangladesch. Dazu wurden die Haushalte telefonisch auf die außerordentliche Bedeutung von Abstands- und Hygienemaßnahmen hingewiesen, konkrete Maßnahmen wurden präsentiert, und der Verlauf einer möglichen exponentiellen Ausbreitung im Dorf wurde illustriert. Einige Haushalte wurden darüber hinaus zufällig für eine finanzielle Entschädigung zur Kontakt- und Mobilitätsreduktion ausgewählt und erhielten eine Einmalzahlung im Wert von 2-3 Tagelöhnen. Unsere Interventionen konnten mit oder ohne Einmalzahlung zunächst den Wissensstand über Covid-19 signifikant verbessern. Dies führte dazu, dass von uns informierte Haushalte sich besser an Präventions- und Abstandsmaßnahmen hielten. So konnte in Dörfern, in denen Haushalte von uns kontaktiert wurden, der Anteil an Haushalten, die einen Todesfall zu beklagen hatten, von 1.6% auf 0.8% reduziert werden. Demzufolge hätte eine landesweite Implementierung unserer Studie rund 50% der Todesfälle vermeiden können.    

Vita:

Dr. Sebastian O. Schneider studierte Wirtschaftsmathematik an der Universität Mannheim und promovierte anschließend in Volkswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen im Bereich Verhaltens- und Entwicklungsökonomie. Seit Ende 2017 ist er „Senior Research Fellow“ am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. Unter Anwendung theoretischer und experimenteller volkswirtschaftlicher Methoden untersucht er menschliches (Alltags-)Entscheidungsverhalten. Dabei erforscht er insbesondere gesundheitsrelevantes Verhalten und Verhalten in Situationen, in denen Risiko eine Rolle spielt. 

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