ARD-alpha

Zeugin der Zeit: Fanny Ben-Ami „Mein Leben für deine Freiheit“

Sonntag, 02.02.2020
20:15 bis 21:00 Uhr

  • Video bereits in der Mediathek verfügbar

ARD-alpha
Israel 2019

1943. Eine Gruppe jüdischer Kinder flieht völlig auf sich alleine gestellt mitten im Vichy-Frankreich vor den heranrückenden Nazis. Die unfreiwillige Anführerin dieser Gruppe ist ein 13-jähriges Mädchen: Ihr Name ist Fanny. In diesem Interview erzählt die heute in Israel lebende Künstlerin Fanny Ben-Ami ihre filmreife Lebensgeschichte. Eine Geschichte von Mut, Liebe zum Leben und unerschütterlichem Drang nach Freiheit.

Fanny Ben-Ami wird als Fanny Eil 1930 in Baden-Baden geboren. Aus Angst vor den Nationalsozialisten und aufgrund des zunehmenden Antisemitismus zieht ihre Familie im Jahr 1933 zu Verwandten nach Frankreich. Aber auch hier werden Juden immer mehr bedroht.

Eines Nachts im Jahr 1939 wird Fannys Vater vor ihren Augen von den Nazis abgeholt. Die damals Neunjährige hat ihn nie wiedergesehen. Um ihre Kinder zu schützen, versteckt die Mutter die drei Töchter Fanny, Georgette und Erika in einem Kinderheim in Zentralfrankreich – betrieben von der jüdischen Kinderhilfsorganisation OSE – „Œuvre de secours aux enfants“.

1943 aber werden die Kinder verraten, und sie müssen fliehen – der Verfolgung der Nazis schutzlos ausgeliefert. Fanny führt die Kindergruppe an – mit dem Ziel, in die Schweiz zu gelangen. In einer abgelegenen Hütte finden die 15 Kinder Unterschlupf. Doch die Hoffnung wird jäh zerstört: Mehrere Kinder erleiden eine Lebensmittelvergiftung, nachdem sie wilde Beeren gegessen haben. Fanny sucht Hilfe. Sie klopft an der Tür eines Bauernhofes, und die Kinder haben Glück.

Die Bauern bringen sich selbst in große Gefahr, indem sie die jüdischen Kinder bei sich verstecken. So können diese ein wenig Kraft schöpfen. Bis auch dort die Deutschen auftauchen. Immer wieder ist es Fanny, selbst ein Kind, der es gelingt, ihren Schützlingen mit Notlügen Hoffnung zu machen.

Ihre Abenteuergeschichte handelt von Hoffnung und Verzweiflung, Bedrohungen von allen Seiten, aber auch immer wieder von Hilfe und Zivilcourage von Seiten einzelner Menschen. Schließlich überquert die Kindergruppe – die Kleinste ist vier Jahre alt – rennend und unter Beschuss der Grenzwachen die Schweizer Grenze. Alle überleben.

 „Ich hab immer das Leben gern gehabt. Auch als ich auf der Flucht war. Das war für mich ganz natürlich. Ich hab gar nicht gedacht, dass es knapp für mich war. Es war so. Es musste so sein.“ Fanny Ben-Ami

Ihre Geschichte hat Fanny Ben-Ami in Bildern verarbeitet. Diese bereichern und illustrieren das tief bewegende Interview. Es ist eine mahnende Geschichte von unbegreiflichem Mut, Einfallsreichtum und Lebenswillen, die jeden mitnimmt, der sie hört. 

Autor: Michaela Wilhelm-Fischer, Andreas Bönte
Redaktion: Helge Freund

Vor diesem Hintergrund hat es sich der Bayerische Rundfunk zur Aufgabe gemacht, das Zeugnis von Holocaust-Überlebenden zu dokumentieren und für künftige Generationen zu bewahren. Die Reihe "Zeuge der Zeit" spürt dem Schicksal von Menschen nach, die als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene den Terror des NS-Regimes erleiden mussten. Menschen wie Aba Lewit, der lange geschwiegen hat und mit 94 Jahren zum ersten Mal im deutschen Fernsehen Einblick in seine Überlebensstrategien in nationalsozialistischen Konzentrationslagern gewährt. "Ich habe die ganze Zeit nicht damit gerechnet zu überleben", sagt er rückblickend. "Es war ein Leben auf die Minute. Nicht auf den Tag. Auf die Minute."

Fishel Rabinowicz schreibt es dem Glück zu, dass er den Holocaust überlebt hat, denn er war unter anderem in Autobahn-Baubrigaden eingeteilt, in denen die Sterblichkeitsraten der Häftlinge besonders hoch waren. "Ich hatte feuerrotes Haar, weshalb mich die Deutschen 'Rotkopf' nannten und mir leichtere Arbeiten als den anderen Gruppenmitgliedern gaben", erinnert er sich. Erst nach seiner Pensionierung fand Rabinowicz in der Malerei eine Möglichkeit, seine traumatische Lebensgeschichte aufzuarbeiten. Dennoch bleibt er – wie jeder einzelne Überlebende – psychisch von den Erfahrungen des Holocaust gezeichnet.

Darüber, wie Verfolgung und Völkermord in der NS-Zeit ihr Leben geprägt haben, berichten außerdem die Zeitzeugen Esther Bejarano, Henry G. Brandt, Ruth Melcer, Mano Höllenreiner, Senek Rosenblum, Abba Naor, Max Volpert, Heinz Kounio und Ernst Grube.