BR Fernsehen - weiß blau


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weiß blau Rund um Neu-Ulm

Der gebürtige Neu-Ulmer Hermann Köhl überquerte im Jahr 1928 als erster Mensch in einem Motorflugzeug den Atlantik. Was Neu-Ulm sonst noch an Verborgenem und auch an offen Sichtbarem zu bieten hat, dazu mehr in unserer Sendung.

Stand: 31.07.2012 | Archiv

Kennen Sie Hermann Köhl? Nein, aber Charles Lindbergh kennen Sie sicher. Lindbergh überquerte den Atlantik als erster allein im Flugzeug, von Amerika nach Europa. Und Köhl war quasi "der europäische Lindbergh". Der gebürtige Neu-Ulmer überquerte als erster Mensch in einem Motorflugzeug den Atlantik von Ost nach West. Im Jahr 1928 war das. Und was Neu-Ulm sonst noch an Verborgenem und auch an offen Sichtbarem zu bieten hat – insbesondere in kultureller Hinsicht – dazu mehr in unserer heutigen Sendung.

Im Glacis-Park finden Jazz-Matineen und andere Veranstaltungen statt.

Eine moderne Stadt ist Neu-Ulm, viele der Gebäude stammen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Positiv gesehen hat man bis heute noch teilweise freie Flächen, die man städteplanerisch gestalten kann. Der leider traurige Grund hierfür ist, dass 70 Prozent der Stadt im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde. Dies hat wiederum im mittelweiten Sinne damit zu tun, dass die Geschichte der inzwischen 200 Jahre alten Stadt stark verbunden ist mit militärischen Aspekten. So gab es im Bereich von Ulm und Neu-Ulm schon im 19. Jahrhundert eine Bundesfestung. Wegen seiner militärisch-strategischen Bedeutung wurde Neu-Ulm im Zweiten Weltkrieg so massiv bombardiert. Und auch nach Kriegsende riss die militärische Tradition nicht ab. Soldaten der US-Army wurden in der Stadt stationiert. Zeitweise auch die umstrittenen "Pershing II"-Raketen. Seit Anfang der 1990er Jahre sind die US-Truppen abgezogen. Heute ist Neu-Ulm eine vielgesichtige Wohn- und Kulturstadt mit einer großen Anzahl mittelständischer Arbeitgeber, vielen Grünflächen und vielen jungen Familien.

Es muss günstig sein, es muss schön sein, es muss in die Umgebung passen, nicht zu vergessen, die Belange der einzelnen Bauträger müssen berücksichtigt werden. All diese und andere Aspekte musste über die vielen Jahre seiner Amtszeit Reinhold Hartweg berücksichtigen. Der heute 89-jährige Hartweg war von 1960 bis 1987 Leiter des Neu-Ulmer Stadtbaureferats und hat in diesen 27 Jahren das ganze Stadtbild Neu-Ulms maßgeblich gestaltet. Mit sichtbaren Auswirkungen bis heute. Von "Nachkriegsarchitektur" würde der Laie wohl sprechen, wenn er oder sie in Neu-Ulm herumgeht, doch was ist das eigentlich und was haben sich die damaligen Planer dabei gedacht? Ein Gespräch mit Hartweg in unserer Sendung.

Einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Edwin Scharff. Bis heute prägen seine Kunstwerke das Stadtbild. Vor dem Rathaus steht eines, aber auch anderswo in der Stadt. Überhaupt fällt einem bei einem Stadtrundgang sehr schnell ins Auge, dass Kunst im öffentlichen Raum in Neu-Ulm sehr gefördert wird. Hier ein Kunstwerk, da eines, und um die Ecke herum schon wieder eines. Ganz besonders eindrucksvoll ist der Maxplatz, das "Neu-Ulmer Freiluftwohnzimmer". Heißt so, weil dort unter anderem knallorange Bänke zum Verweilen einladen. Nicht einfach so, der heute 54-jährige belgische Künstler Jozef Legrand hat den Platz gestaltet.

Die Walther-Collection in Burlafingen

Ein ehemaliger Investmentbanker mit großem Herz für die Kunst – so in etwa könnte man Artur Walther bezeichnen. An der "Wall Street" hat er sein Geld verdient, und wie viel er davon in seinem Heimatort Burlafingen, einem Stadtteil von Neu-Ulm, in eine hochkarätige Kunstsammlung inklusive geradelinig geschnittenem Gebäude dazu investiert hat, bleibt natürlich sein Geheimnis. Das Geheimnis darum, was es in der "Walther Collection" in Burlafingen zu sehen gibt, lüften wir dagegen in unserer heutigen Sendung unter anderem eine sehr beachtliche Sammlung von Fotografien mit Motiven aus Afrika. Dies sind allerdings nicht unbedingt die schönen Postkartenmotive von Elefanten und hübschen Eingeborenen, die man schon oft gesehen hat, vielmehr realitätsnahe Alltagsfotos, auch nicht nur von Armut und Tristesse geprägt.

"Jazz ist das Ergebnis der Energie, die in Amerika gespeichert ist." Das hat der US-amerikanische Komponist George Gershwin einst gesagt. Und so gesehen passt Jazz natürlich wunderbar in eine Stadt, die über mehrere Jahrzehnte Standort für die US-Army war. Nun, die Soldaten sind seit etwa zwanzig Jahren allmählich Vergangenheit, aber den Jazz – und seine unbändige Energie – hört man heute noch erklingen in Neu-Ulm. Im Glacis-Park finden regelmäßige Jazzmatineen statt.

Und was fällt Wolfgang Binder in seiner Rubrik "Gedanken" zu Neu-Ulm ein? Nun, zunächst das Offensichtliche, was vielen einfallen mag hierzu (echte Neu-Ulmer mögen den nachfolgenden Satz verzeihen): dass er dort noch nie zuvor war und auch nicht viel wusste über die Stadt, bevor er für unsere Sendung zu recherchieren begann. Und Resultat der Recherche ist unter anderem, dass er uns in "weiß blau" erzählt, dass der französische Begriff "glacis" mit Befestigungsanlagen zu tun hat. Und dass es gut ist, dass heute nichts mehr verteidigt werden muss in Neu-Ulm, allerhöchstens ein Fußballtor beim Freizeitkick. Was Wolfgang Binders Gedankenschleife weiterführt zu Peter Handkes "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter". Und wie er von da wieder gedanklich zurückkommt nach Neu-Ulm? Nun, sehen Sie es in unserer Sendung!


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