BR Fernsehen - Schönes Mittelfranken


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Schönes Mittelfranken Aischgrund, Romantisches Franken und Steigerwald

Ein Traum in Gelb. Blühende Seerosen, soweit das Auge reicht. Versteckt auf einem Teich im Weiler Ziegelhaus. Endlose Mengen an Teichen sind das verbindende Merkmal des romantischen Westmittelfranken und des Aischgrunds. Während der Steigerwald durch seine sanften Linien besticht, auch beruhigt.

Von: Dr. Michael Zehetmair

Stand: 07.08.2017 | Archiv

Teiche, weites Land und wenige Menschen

Natürlich gibt es in Aischgrund, Romantischem Franken und dem mittelfränkischen Teil des Steigerwalds auch Berge. Etwa den Nußberg, 422 Meter hoch, westlich von Burg Bernheim, oder auch den Sandberg, 534 Meter hoch, nordöstlich von Obersulzbach. Stilprägend sind sie aber nicht so sehr für die Landschaften im Westen und im Norden von Mittelfranken. Die Seele dieser Landschaften gründet letztlich mehr in weiten Blicken in die Ferne. Und, natürlich, da sind die Teiche. Wer hat sie jemals gezählt? Groß, klein, mittel, zwischendrin auch mal ein kleiner See – Lebensraum für Karpfen und andere Tiere und Pflanzen. Romantisch anzusehen, egal ob man auf den Nonnenweiher bei Windelsbach blickt, auf den Heimatsee (da ist der Name Programm!) bei Urphershofen oder auf den Mohrhofsweiher südlich von Poppenwind. Allein im Aischgrund gibt es so viele Teiche und Weiher, dass es ziemlich hoffnungslos wäre, sie durchzuzählen. Wozu auch?  Jeder, den es angeht, weiß ja, wo „sein“ Teich zu finden ist. Apropos zählen: anders als die Teiche hat man die Menschen gezählt. Im Landkreis Neustadt an der Aisch/ Bad Windsheim leben durchschnittlich 77 Menschen auf einem Quadratkilometer, ziemlich genau so viele wie etwa im Landkreis Regen im Bayerischen Wald (78 pro Quadratkilometer), der ebenfalls von seiner reichen Naturlandschaft geprägt ist. Im Vergleich dazu leben etwa in Nürnberg 2750 Menschen auf einem Quadratkilometer. Teiche, weites Land und wenige Menschen.

ROMANTISCHES FRANKEN

Freilaufende Cornwall-Schweine – glückliche Schweine

Können Tiere Glück empfinden? Schwer zu sagen, wissenschaftlich gesehen können sie es desto eher, je besser das Großhirn des jeweiligen Tieres entwickelt ist. Was Tiere auf jeden Fall können, ist Menschen zu Glücksgefühlen zu verhelfen. So wie der Hund, der es gar nicht mehr erwarten kann, dass der Morgenspaziergang losgeht. Oder so wie die Cornwall-Schweine, die Johannes Buchner auf einer großen Wiese bei Scheinfeld im Steigerwald hält.

Bei einem Aufenthalt in Brasilien hat Buchner Begeisterung für die Freilandhaltung von Schweinen gewonnen, in Schottland hat er dann auch auf einem Hof mit Freilandhaltung gearbeitet. Nur in Deutschland fand Buchner keinen Betrieb mit Freilandhaltung, bei dem er hätte mitarbeiten können. Also nahm er das Heft selbst in die Hand und heute hat er eine eigene Freilandhaltung: „Steigerwälder Schwarzerle“ – schwarze Schweine. Tag und Nacht sind sie draußen, bei Wind und Wetter, trotzdem werden Buchners Schweine so gut wie nicht krank.  Johannes Buchner sagt: „Die Freilandhaltung ist eine Haltung, die mir gefällt, die mir guttut, wenn ich jeden Tag sehe, wie gut es den Schweinen geht, und letzten Endes wird´s dann auch jedem guttun, der später das Fleisch ist“.

„C´est une belle ville“ – Rothenburg ob der Tauber

Es gibt ja den Satz: „In Schönheit sterben“. Auf den zum Beispiel Fußballfans zurückgreifen, wenn ihre Mannschaft den eleganteren Ball spielt, aber am Ende trotzdem verliert. Formuliert man den Satz einmal um auf Rothenburg ob der Tauber hin, dann könnte man sagen: „In Schönheit leben“.

Rothenburg ob der Tauber ist nun mal eine schöne Stadt, sehr schön sogar. Das erfasst man schon wenige Augenblicke, nachdem man die Stadt zum ersten Mal in seinem Leben betreten hat. Wie eine junge Touristin aus Singapur in unserem Film sagt: „Bien sur. C´est une belle ville.“ Nun würde jeder gerne in aller Stille und für sich allein diese Schönheit genießen, was auch geht, manchmal und in manchen Ecken, trotz mehr als 1,8 Millionen Touristen, die die Stadt im Jahr besuchen. Wenn man sichergehen will, dass man Rothenburg weitgehend allein für sich hat, dann ist man ab 22 Uhr abends in einer Sommernacht ganz gut aufgehoben. Eben in einer solchen sind wir mit unserem Kamerateam losgezogen und haben traumhafte Aufnahmen von Rothenburg bei Nacht für unseren Film gemacht.

Der südlichste Weinberg Frankens

Auf mehr als  6000 Hektar Fläche wird Frankenwein angebaut. Das sind 60 Quadratkilometer, was ungefähr einem Drittel des Stadtgebiets von Nürnberg entspricht. Alles voll mit Weinreben! Natürlich ist Unterfranken flächenmäßig das Zentrum des fränkischen Weinanbaus, aber auch der Weinanbau in Mittelfranken ist nicht zu vernachlässigen. So findet man viele Weingüter entlang der „Mittelfränkischen Bocksbeutelstraße“. Auch am Hang gleich unterhalb von Rothenburg ob der Tauber gab es früher Weinanbau. Zwischendurch ist das Gelände dann verbuscht, doch vor einigen Jahren hat Winzer Albert Thuerauf hier wieder einen Weinberg entstehen lassen. Den südlichsten Weinberg Frankens. Mit angelegten Wegen, Natursteinmauern, Skulpturen, die etwa den Fluss Tauber oder auch den Weingott Bacchus darstellen. Ein weiterer Höhepunkt im Weinberg ist ein Bildstock in der typisch mittelfränkischen Viergiebelung, aus regionalem Muschelkalk, zu Ehren der Heiligen Barbara, der „Hüterin des Bodens“.

Das Beste vom Hesselberglamm

Das Beste vom Hesselberglamm bereitet Florian Kellerbauer vom „Deutschen Haus“ in Dinkelsbühl im Film für die Zuschauerinnen und Zuschauer zu. Dazu gibt es Zitronengelee, Ricottanocken, Bohnengemüse. Und oben drauf einen gegrillten Paprikakuchen. Das Beste vom Hesselberglamm, damit sind übrigens Lammleber, Lammcarré und Lammhüfte gemeint. Knoblauch, Thymian, Maldon Meersalz und Pfeffer geben dem Fleisch Geschmack.

Die Kreuzgangspiele in Feuchtwangen – Theater,  auch für die „ganz Kleinen“

„Theater“ – das hört sich zunächst oft nach hoher Kultur und tiefschürfenden Themen an – Liebe, Eifersucht, Mord, Intrige, was auch immer. Umso wohltuender ist der Gedanke, dass Theater auch mal nur gemacht werden kann speziell für die „ganz Kleinen“. So nennt Intendant  Johannes Kaetzler die Zielgruppe, die die „BuehneBumm“ aus Hamburg mit ihrer Aufführung von „Der kleine Häwelmann“ von Theodor Storm anspricht. Kinder am Ende der Kindergartenzeit und am Anfang der Schulzeit werden erreicht. Ein sympathischer Farbtupfer im breiten Spektrum der Kreuzgangspiele in Feuchtwangen. Die gibt es übrigens schon seit dem Jahr 1949. Sommer für Sommer mit neuem, anspruchsvollem Programm und weit mehr als 40 000 Besuchern pro Jahr. Schon enorm, bedenkt man dass Feuchtwangen selbst nur (oder immerhin?) 12 000 Einwohner hat.

AISCHGRUND

Ein blaues Schloss und ein rotes Schloss – Seite an Seite

Das „Rote Schloss“ und das „Blaue Schloss“ in Obernzenn

„Schlösser und Burgen“ gibt es viele in Mittelfranken. Sie füllen sogar 200 Seiten eines Buchs gleichen Namens, das im Nürnberger Hofmann-Verlag erschienen ist. Einige der Schlösser und Burgen sind historisch sehr bedeutsam. Allen voran die Kaiserburg in Nürnberg. Oder auch Schloss Schwarzenberg, der Stammsitz des später vor allem für Böhmen sehr bedeutsamen Fürstengeschlechts. Karel Schwarzenberg etwa war von 2007 bis 2009 und erneut von 2010 bis 2013 Außenminister der Tschechischen Republik. Mit einem eigenen Außenminister können die Von Seckendorffs in Obernzenn zwar nicht aufwarten, dafür mit zwei gepflegten Schlössern, direkt nebeneinander. Das eine in blauer Farbe, das andere in roter Farbe. Wie es dazu kam, erklären wir im Film (jedenfalls geht es nicht um 1860er und Bayern-Fans, Obernzenn liegt ja auch 213 Kilometer entfernt von München). Graf Rainer von Seckendorff führt uns in das blaue Schloss, mit seinem Höhepunkt, dem Bildersaal. Dutzende von Porträtbildern an der Wand, mit mehreren Generationen der Seckendorffs. Die einem beim Tafeln zuschauen. Nun, auch gut, solange sie einem nicht das Essen streitig machen. Aber keine Gefahr, die Abgebildeten sind ja schon tot.

Der Weltmarktführer für Nutzfahrzeugspiegel

Natürlich macht man sich normalerweise keine großen Gedanken darüber, wo denn der Spiegel des Kleintransporters herkommt, den man da gerade für seinen Umzug ausgeliehen hat. Wenn man es täte, so würde man bei der Firma „Mekra Lang“ landen. Sie ist der Weltmarktführer für Nutzfahrzeugspiegel. Und der größte private Arbeitgeber im Landkreis Neustadt an der Aisch/ Bad Windsheim. Mit einem großen Werk in Ergersheim. Ja genau, Ergersheim, rund 1100 Einwohner. Gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Uffenheim und ist auf den ersten Blick ein gemütliches fränkisches Dorf. Und auf den zweiten Blick auch noch. Ein Ort zum Wohlfühlen und dass man direkt vor der Haustür auch einen qualifizierten Arbeitsplatz finden kann, das ist auch das Verdienst von „Mekra Lang“. Die spannende Frage bleibt: Warum läßt sich eine große Firma in einem kleinen Dorf nieder? Susanne Lang von der Geschäftsleitung weiß die Antwort. Die  Jagdleidenschaft eines Menschen spielte eine entscheidende Rolle dabei, so viel sei hier schon verraten.

Der „Bayerische Defiliermarsch“ kommt aus Mittelfranken

Die Stadtkapelle Frankenland aus Neustadt an der Aisch

Der "Bayerische Defiliermarsch" kommt aus Mittelfranken, jd, ganz sicher. Auch wenn bei den Klängen des Defiliermarsches vor dem geistigen Auge schon mal ein gut gelaunter Franz  Josef Strauss beim Einzug zum politischen Aschermittwoch in die Passauer Nibelungenhalle auftaucht. Insofern ist der Defiliermarsch ja auch ein echter mittelfränkischer „Exportschlager“. Jacob Philipp Adolf Scherzer aus Neustadt an der Aisch hat den „Bayerischen Defiliermarsch“ Mitte des 19. Jahrhunderts komponiert. Für unseren Film hat ihn eineinhalb  Jahrhunderte danach die „Stadtkapelle Frankenland“ in Neustadt an der Aisch neu intoniert.

Bienenbeuten

Bienenbeute

„Bienenbeuten“ – was ist das denn? Wenn Sie den Begriff zum ersten Mal in Ihrem Leben lesen gleich mal die Antwort: Es sind große Holzskulpturen, in deren Innerem ein Bienenschwarm ein neues Zuhause findet. Die Künstlerin Birgit   Jönsson hat sich auf  Bienenbeuten spezialisiert. In unserem Film stellt sie gerade eine Skulptur des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg fertig. Der Markgraf lebte im 15. Jahrhundert und baute Neustadt an der Aisch aus. Insofern ein bedeutender Mann für die Geschichte Neustadts. Doch zurück zu Birgit   Jönsson. Ihre Figurenbeuten für Bienen stehen schon in halb Europa, von Toulouse bis nach Dänemark. Und damit sie auch Akzeptanz bei den Menschen finden, ist es der Künstlerin wichtig, ihre Arbeit an einem für alle gut einsehbaren Platz durchzuführen. Damit jeder zuschauen kann dabei, wie die Skulptur entsteht, gerne auch mit der Bildhauerin reden kann.

Das „Fränkische Freilandmuseum“

"Heute ist die gute alte Zeit von morgen" hat der in München wirkende Komödiant Karl Valentin einmal gesagt. Ob jetzt die „gute alte Zeit“ wirklich so „gut“ war, ist eine andere Frage, aber das Valentin-Zitat drückt ganz gut aus, was unser Leben bestimmt. Das endlose Weiter, Weiter, Weiter. Um so wohltuender ist es vor diesem Hintergrund, sich durch einen im besten Sinne entschleunigten Ort zu bewegen. Ein solcher Ort ist das „Fränkische Freilandmuseum“ vor den Toren von Bad Windsheim. Museumsleiter Dr. Herbert May zeigt uns im Film einige Höhepunkte des Museums. So ein wunderschönes und zugleich prächtiges Bauernhaus aus Altmühlfranken. So eines der ältesten Häuser in ganz Franken, in das 14. Jahrhundert zurückreichend. Und der Museumsleiter kennt die Geschichten zu den Häuseren, zu den Innenräumen. Etwa von einer alten Frau, die noch in den 1990er Jahren darauf hoffte, dass ihr verschollener Bruder aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkommen möge. Er kam natürlich nie zurück, aber die Frau bewahrte Innenraum und Mobiliar in einem Zustand auf, in dem ihr Bruder es einst vor vielen Jahrzehnten verlassen hatte. Inzwischen ist die Frau verstorben und die voll ausgestatten Räume fielen dem „Fränkischen Freilandmuseum“ zu. „Das ist für ein Freilandmuseum wie ein Sechser im Lotto“ sagt Herbert May. Dass man ein Haus inklusive voll erhaltener historischer Inneneinrichtung bekommt. Denn in aller Regel sind die Häuser „geschlachtet“ (also ohne Inneneinrichtung), bevor sie im „Fränkischen Freilandmuseum“ eine neue Heimat bekommen.

Die „Fortuna Kulturfabrik“ in Höchstadt an der Aisch

Die „Fortuna“-Kulturfabrik in Höchstadt an der Aisch

Irgendwann steht jede Gemeinde wohl vor der Frage: Was machen? Was machen mit dem schönen alten Gebäude, das keine Nutzung mehr hat? So ging es in Höchstadt an der Aisch vor einigen   Jahren mit dem Bau der ehemaligen „Fortuna“-Schuhfabrik. Und man hat eine Lösung gefunden: aus der „Schuhfabrik“ wurde die „Kulturfabrik“ – mit Café,   Jugendheim, und ganz vielen Probemöglichkeiten für die örtlichen Bands. Eine davon spielt im Film auf für uns, bekannte Klassiker wie das Lied „Beds are burning“ von der australischen Rockband „Midnight Oil“. „How can we dance, when our earth is turning, how do we sleep, while our beds are burning.” Bernd Riehlein managt die Kulturfabrik und erzählt im Film, was dort sonst noch “abgeht”.

STEIGERWALD

Seltene Pflanzen am Rande des Steigerwalds

An den Ausläufern des Steigerwalds findet man das Naturschutzgebiet „Sieben Buckel und Höllern“. Mit die seltensten Biotope in Bayern sind die fränkischen Gipshügelgebiete und eines davon findet sich außerhalbs des mittelfränkischen Marktes Nordheim. Karin Eigenthaler vom Bund Naturschutz erzählt von den Besonderheiten, wir sehen seltene Pflanzen wie Frühlingsadonisröschen oder den „Rauen Alant“. Was wir im Film nicht sehen, das ist das Netz von über einem Kilometer Höhlen, das unter der Erdoberfläche existiert. Wäre auch zu eng, für ein Kamerateam, und zu gefährlich noch dazu.

Eindrucksvolle Landschaften und Lebensgefühle

Impressionen von eindrucksvollen Landschaften und Lebensgefühle runden unseren Film ab. Im Einzelnen:

  • Entlang der Wörnitz bei Burgstall, nördlich von Dinkelsbühl.
  • Pralles Leben, Freude, Kinder, aufgenommen im alten Wörnitzstrandbad in Dinkelsbühl.
  • Leuchtende Rapsfelder, ein Schwanenpaar mit seinem Nachwuchs – beides zu finden in vielen Gegenden Mittelfrankens – liebenswerte Idylle.
  • Der Seerosenteich bei Ziegelhaus (nahe Dombühl). Einfach wunderschön, damit beginnt unser Film.

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