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Gepanschtes Olivenöl Das Geschäft mit Olivenöl

Olivenöl nativ extra - das soll für beste Qualität stehen, für Premiumöle mit einwandfreiem Geschmack. Doch von Top-Qualität kann bei manchen Ölen aus dem Supermarkt keine Rede sein.

Von: Jan Boris Rätz

Stand: 27.10.2016

Olive in Olivenöl | Bild: colourbox.com

Was ist Olivenöl nativ extra?

Nativ extra bezeichnet Olivenöle der ersten Güteklasse. Es ist in der europäischen Olivenöl-Ordnung als das beste Olivenöl definiert. Das Öl muss hierfür fehlerfrei im Geruch und im Geschmack sein. Diese sensorischen aber auch die chemischen Anforderungen werden von EU-Verordnungen festgelegt.Olivenöl nativ extra wird ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen.

Natives Olivenöl ist Öl der zweiten Güteklasse. Diese Kategorie wird bereits bei leichten sensorischen Fehlern zugeordnet.

Weist das Öl deutliche sensorische Fehler auf, ist zum Beispiel ranzig oder riecht muffig, dann wird es als Lampantöl eingestuft. Dieses Öl ist nicht zum direkten Verzehr zugelassen und muss daher raffiniet werden. Erst dann darf es vermischt mit einem nativen Olivenöl unter der Bezeichnung "Olivenöl" vermarktet werden.

Falsche Deklaration von Olivenöl

Im Supermarkt kann man schnell feststellen, dass auf fast allen Olivenöl-Flaschen das Gleiche steht: nativ extra. Es gibt allerdings sehr große Preisunterschiede. Mal kostet die Flasche drei Euro, mal neun Euro und einige Olivenöle gibt es im Supermarkt sogar für 16 Euro. Wie kann das sein? Eigentlich ist Olivenöl nativ extra in der europäischen Olivenöl-Verordnung als das Beste definiert.

Olivenöl-Experte Conrad Bölicke geht davon aus, dass ein großer Teil der Olivenöle die nativ extra genannt werden, eigentlich nur Olivenöle oder native Olivenöle sind, die einfach nur falsch deklariert sind:

"Das ist quasi legal, weil die Grenzwerte für diese Kategorien so niedrig angesetzt sind. Insbesondere für Olivenöl nativ extra, dass ein Lebensmitteltechnologe keine große Schwierigkeiten hat, diese Normen alle zu erfüllen, indem er das Olivenöl entsprechend designt."

Conrad Bölicke

Von ranzigem Öl zu Olivenöl mit Auszeichnung

Wie schwer ist es, selbst ein Olivenöl zu produzieren und die Güteklasse nativ extra zu erhalten? Das wollen wir herausfinden. Ausgangsmaterial für unsere Olivenöl-Produktion: Lampantöl, das ranzig riecht und zu viele freie Fettsäuren hat. Aus diesem Grundstoff wollen wir ein Olivenöl bester Qualität machen, dass die EU-Vorgaben erfüllt.

Wie in der Industrie bearbeiten wir das raffinierte Öl mit Wasserdampf. Dieser soll die schlechten Gerüche herausziehen – und es funktioniert tatsächlich. Nach der Behandlung riecht das Öl nicht mehr ranzig, allerdings ist der Geschmack noch verbesserungswürdig. Das wollen wir mit einem günstigen, aber guten Olivenöl aus Griechenland ändern: Das Top-Öl wird bis zur Hälfte zu unserem geruchslosen Öl hinzu gekippt. Und schon ist unser Produkt fertig!

Bessere Kontrollen in Zukunft?

Wie kann es sein, dass gepanschtes Öl von den Olivenölpanels eine Qualitätsauszeichnung erhält? Die Kriterien hierzu werden in Brüssel festgelegt. Wir fahren hin und wollen wissen, wieso man eine solche Trickserei nicht stoppen kann? Experten Dr. Jens Schaps von der Europäischen Kommission erklärt uns, das gebe im Moment die Gesetzgebung her. Aber:

"Wir haben hier in der EU Forschungsprojekte laufen, die genau auf diesen Punkt abzielen. Nämlich eine bessere Kontrolle, eine bessere chemische Analyse so hinzubekommen, dass wir tatsächlich unterscheiden können, wie stark sind die Mischungsgrade zwischen raffiniertem oder lampante Öl und dem extra vergine."

Dr. Jens Schaps

Doch dagegen wehren sich die Erzeugerländer. Und so haben Qualitätsschwindler weiterhin leichtes Spiel.

Wer auf ein gutes Olivenöl Wert legt, dem bleibt nur eins: ganz genau aufs Etikett schauen. Bei guten Olivenölen sind Herkunftsland und Erzeuger angegeben. Nur so kann man der Verbraucherfalle beim Olivenöl entgehen.


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