BR Fernsehen - Lebenslinien


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Lebenslinien - Ina Gruber, von der "Systemsprengerin" zur Erzieherin Ich war Systemsprengerin

Ina Gruber ist heute Erzieherin und leitet einen Jugendtreff im Bayerischen Wald. Aufgewachsen ist sie in Berlin. Ihre Kindheit bestimmen eine überforderte Mutter und ein gewalttätiger Stiefvater. Ina entwickelt sich immer mehr zum Problemfall und wird als sogenannte "Systemsprengerin" von Heim zu Heim gereicht. Bis ihr mit 13 eine letzte Chance gegeben wird: ein "Milieuwechsel" zu einer Pflegefamilie in den Bayerischen Wald. Quasi ein Neuanfang hunderte Kilometer weg von allem, was sie kennt.

Stand: 12.09.2023 | Archiv

Ina Gruber ist Erzieherin und leitet einen Jugendtreff im Bayerischen Wald. Auf eine Art ist sie heute Teil des Systems, das fast an ihr gescheitert wäre.

Filminfo

Originalitel: Ich war Systemsprengerin (D, 2023)
Regie: Verena Wagner
Redaktion: Rachel Roudhyani
Länge: 45 Minuten
VT-UT, 16:9, stereo

Ina wird 1966 geboren. Sie ist das sechste von neun Kindern, die ihre Mutter mit verschiedenen Männern hat. Ihr leiblicher Vater lebt in seiner Heimat, dem Iran. Die ersten Jahre wächst Ina in Berlin-Kreuzberg auf. Die Mutter ist mit dem Alltag und den vielen Kindern überfordert, der Stiefvater trinkt viel und ist gewalttätig.

Immer wieder steht die Polizei vor der Tür. Mit neun Jahren kommt Ina das erste Mal in ein Kinderheim. Ihr Temperament lässt die Fachkräfte an ihre Grenzen kommen: Ina ist hoch aggressiv, lässt sich nichts gefallen, schreit, schlägt zu und läuft immer wieder weg.

Ina Gruber am Schwarzen Regen bei Zwiesel.

Sie wird zur "Systemsprengerin", wird von Heim zu Heim gereicht, landet kurz in der Kinderpsychiatrie und bei einer Pflegefamilie in Berlin - doch nichts klappt. Für Ina gibt es scheinbar keinen Platz. Bevor Ina ein geschlossenes Heim droht, möchte das Jugendamt einen letzten Versuch wagen, einen sogenannten "Milieuwechsel".

Mit knapp 13 Jahren kommt sie von der Millionenstadt Berlin mitten in den abgelegenen Bayerischen Wald zu einer Pflegefamilie.

Ab hier beginnt ein neues Leben. Ina kann endlich ankommen, findet ihre Berufung in der sozialen Arbeit und gründet eine eigene Familie. Doch als sie mit 50 Jahren immer noch das Gefühl hat, dass etwas fehlt, muss sie an ihren leiblichen Vater denken und macht sich auf die Suche nach ihm.



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