BR Fernsehen - Lebenslinien


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Lebenslinien - Das lange Leben der Augsburgerin Anna L. Wie ich 107 wurde

Anna aus Augsburg ist mit ihren 107 Jahren rüstig, geistig völlig präsent und hat einen erfrischenden, hintergründigen Humor. Ihre Geschichte erzählt von einem Frauenleben, das sich über ein ganzes Jahrhundert erstreckt.

Stand: 10.04.2018

Die Augsburgerin Anna (Jahrgang 1911) bewältigt ihren Alltag ohne Hilfe: Kochen, waschen, putzen, auch die Haare dreht sie sich selber zu kleinen Zöpfchen. Ihre Mutter, eine einfache Magd, heiratet nicht Annis leiblichen Vater, sondern einen anderen Mann.

Filminfo

Originalitel: Wie ich 107 wurde (D, 2018)
Regie: Susanne Brantl
Redaktion: Christian Baudissin
Länge: 45 Minuten
VT-UT, 16:9, stereo

Der überzieht das kleine Mädchen oft mit Schimpfworten und Willkür. So lernt Anni früh, dass Gehorsam für sie überlebenswichtig ist.

Mit 13 Jahren fängt sie in einer Augsburger Weberei zu arbeiten an – ihren Lohn muss sie zu Hause abliefern. Trotzdem gibt sie die Suche nach Glück nicht auf.

Nach dem Tod des Stiefvaters glimmt kurzzeitig Hoffnung auf: Ein Musiker, der zuvor Magda Schneider für den Film entdeckt hat, sieht auch in Anna das Zeug zur Schauspielerin.

Aber eine von der Mutter arrangierte Ehe zerstört ihren Traum: Denn ihr Mann ist weder zu Anna noch zu der 1940 geborenen Tochter liebevoll und aufmerksam. Im Gegenteil.

Erst als sie mit 81 Jahren Witwe wird, kann sie ihr Leben genießen. Mit ihrer Tochter Karin und deren Mann geht sie auf Reisen und hört vor allem nie auf, sich für neue Dinge zu interessieren.

So gehören ein Smartphone und der Besuch der vielen Volksfeste auf dem Augsburger Plärrer wie selbstverständlich zu ihrem Leben dazu.

Regiestatement von Autorin Susanne Brantl

Autorin Susanne Brantl

Wie sind Sie auf die Geschichte von Anna L. gestoßen?
Tausend Dank an meine wunderbaren Kollegen, die Unger Buam!!! Ich erzählte von meinem Faible für die 20er- und 30er-Jahre – und Ebo und Jürgen sagten: "Da muasst amal unser Tante Anni kennenlernen. Die isch Jahrgang 1911.“ Bitte????? Diese Dame wollte und musste ich unbedingt kennen lernen. Wenn ein feiner Film daraus wird, wunderbar! Wenn nicht, sicher eine aufregende Begegnung. Nun, es wurde beides. 

Was hat Sie bei der Arbeit mit Anni besonders berührt?
Sehr angerührt bin ich von Annis großem Herzen und ihrem Mut, sich für alles zu interessieren. Die Worte „dafür bin ich doch schon zu alt“ kommen ihr nicht in den Sinn. Als ich sie fragte, wie sie ihren Tag beginnt, sagte sie: "Als Erstes freu ich mich amal, dass ich überhaupt aufgewacht bin!“ Das mache ich jetzt auch.

Haben die Dreharbeiten bei der alten Dame etwas bewirkt?
Sie ist stolz und glücklich, dass sich die Leute für ihre Geschichte interessieren. Das Schönste ist aber, dass sich ihre "Familie“ um diverse Personen vergrößert hat, z.B. die Familie Reich aus Gaulzhofen, die es immer noch nicht fassen kann, dass da jemanden ihren Urgroßvater gekannt hat.


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