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Für Gesundheit und Bundeshaushalt Was eine sogenannte Limosteuer bringen würde

Süße Getränke wie Limo, Cola oder Eistee sind beliebt, aber echte Kalorienbomben. Organisationen wie Foodwatch fordern seit langem eine Softdrink-Steuer auf zuckerreiche Lebensmittel.

Author: Florian Heinhold

Published at: 11-12-2023

Für Gesundheit und Bundeshaushalt: Was eine sogenannte Limosteuer bringen würde

Eine sogenannte Limosteuer wäre eine wichtige und effektive Maßnahme für die Gesundheit, erklärt Luise Molling von Foodwatch.

"Wir müssen generell von der hohen Süßgewöhnung wegkommen. Wir müssen aufhören, so viele gesüßte Getränke zu uns zu nehmen – ganz einfach, weil gezuckerte Getränke einer der Haupttreiber für Adipositas, Typ 2-Diabetes und Herzkreislauferkrankungen sind. Da wäre eine Limosteuer wirklich eine ganz zentrale und sehr effektive Maßnahme, um das Problem in den Griff zu kriegen."

Luise Molling, Foodwatch, Berlin

Welchen Effekt hätte eine Sondersteuer auf Softdrinks?

Jetzt bekommt die Debatte neuen Schub. Ein Team von Wissenschaftlern der TU München hat in einer großangelegten Simulationsstudie den Effekt einer Sondersteuer auf Softdrinks untersucht und klare Ergebnisse gefunden.

"In unserer Modellrechnung ist die Steuer am Zuckergehalt der Getränke ausgerichtet. Das bedeutet, dass Getränke mit einem hohen Zuckergehalt höher besteuert werden als Getränke mit einem niedrigen Zuckergehalt. Die prägnanteste Zahl ist zum Beispiel, dass wir über die nächsten 20 Jahre davon ausgehen, dass dadurch ca. 250.000 weniger Fälle an Typ-2-Diabetes auftreten beziehungsweise nach hinten verschoben werden. Beides ist natürlich gut, weil es mehr gesunde Lebenszeit bedeutet."

Karl Emmert-Fees, Gesundheitswissenschaftler, TU München

Weiterer Ansatz: In Schulen aufklären

Eine Steuer gegen die Adipositas-Epidemie? Axel Hacker vom Verein Adipositashilfe in München litt selbst jahrelang unter extremem Übergewicht. Er ließ eine Magenverkleinerung machen, weil er ohne OP keinen Ausweg sah. Aber trotz seiner Erfahrung glaubt er nicht, dass eine Softdrink-Steuer ein Allheilmittel für das Problem wäre.

"Ich finde es immer schwierig, alles über Verbote zu regeln, anstatt über eine sinnvolle Prävention dahingehend, dass man in den Schulen den Leuten beibringt, mit Emotionen klarzukommen, ohne das mit Essen und Trinken zu kompensieren. Diese Krankheit ist so komplex, da wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein."

Axel Hacker, Verein Adipositashilfe, München

Wenn süße Getränke zu jeder Mahlzeit dazukommen

Am Klinikum Nürnberg erlebt Ernährungswissenschaftlerin Julia Keider dagegen jeden Tag, wie groß das Problem mit Softdrinks ist. Sie hilft Menschen mit Adipositas bei der Ernährungsumstellung. 

"Wir erleben wirklich immer mehr, dass Softdrinks einfach eine wahnsinnig große Rolle spielen – und das kommt immer noch zusätzlich zu der Mahlzeit dazu. Das sind Kalorien, die mich nicht satt machen, im Gegenteil: Sie führen häufig dazu, dass Heißhunger auch nach einer Mahlzeit schnell entsteht. Wir erleben auch teilweise Patienten, die fast ausschließlich Süßgetränke trinken. Für sie ist es teilweise sogar Wasserersatz."

Julia Keider, Ernährungswissenschaftlerin, Klinikum Nürnberg

Sie findet die Idee einer Softdrink-Steuer überzeugend. Viele Patienten im Bereich der Adipositas könnten davon profitieren.

Druck: Bundesregierung soll handeln

Und so wächst der Druck auf die Bundesregierung. Luise Molling von Foodwatch findet klare Worte.

"Wir fordern Herrn Özdemir und die Bundesregierung auf, nicht weiter zuzuschauen, wie Coca Cola, Pepsi und Co insbesondere junge Menschen mit ihren völlig überzuckerten Getränken weiterhin krank machen."

Luise Molling, Foodwatch, Berlin

Doch innerhalb der Regierung scheinen sich vor allem die FDP und der für Ernährung zuständige Bundesminister Cem Özdemir nicht einigen zu können. Das Ministerium schreibt dem Bayerischen Rundfunk, eine Mehrheit für die Umsetzung fiskalischer Maßnahmen sei momentan nicht zu erkennen.

Softdrink-Steuer in Ländern wie Großbritannien

Viele Länder haben längst eine Softdrink-Steuer. Zum Beispiel ist in Großbritannien der Steuersatz umso höher, je mehr Zucker enthalten ist. Die Regelung hat dort zu einem deutlichen Rückgang des Zuckeranteils in Getränken um mehr als 30 Prozent geführt. Die Forscher der TU München haben errechnet, wie viel Geld Deutschland durch eine solche Maßnahme dank geringerer Behandlungskosten, Krankheitstage und Arbeitsausfälle sparen könnte.

"Unsere Modellrechnungen haben ergeben, dass über die nächsten 20 Jahre insgesamt 16 Milliarden an gesellschaftlichen Kosten eingespart werden könnten, durch weniger Erkrankungsfälle."

Karl Emmert-Fees, Gesundheitswissenschaftler, TU München


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