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Polen Kommt die Schweinepest nach Deutschland?

Hier auf diesem Hof in Ostpolen hat die Afrikanische Schweinepest zugeschlagen.

Author: Nils Naber

Published at: 11-2-2018 | Archiv

Schweinestall Stefan Wille Niebur | Bild: BR

"Ich musste eineinhalb Monate Beruhigungsmittel nehmen. Immer wenn ich den Stall betrete, muss ich weinen."

Barbara Kierekesz, Landwirtin

Die Kierekeszs

Wo früher die Schweine waren, stehen heute Kälber. Doch ein Blick in den Stall quält die Bauern noch immer.

"Das war eine Tragödie, sag ich Ihnen."

Barbara Kierekesz

"Sie sind herkommen und haben gesagt, dass sie jetzt keulen."

Henryk Kierekesz, Landwirt

"Hier ist alles eingezäunt. Ich habe keine Ahnung, woher das kommen soll. Wir haben uns informiert, haben aufgepasst Und wie das dann passiert ist, weiß ich selber nicht."

Barbara Kierekesz

Im gleichen Dorf treffen wir den Bauern Wladyslaw Klosowski. Er zeigt uns seinen Stall: Im Oktober mussten hier seine 120 Schweine sterben - präventiv obwohl alle Tiere gesund waren.

"Es war eine Ansage von oben, alle Schweine hier im Ort zu töten. Die hatten solche Panik vor diesem Virus und kamen einfach nicht damit zurecht. Und sie tun es noch immer nicht. Der Virus wird sich weiter übertragen. Mir tut immer noch das Herz weh. Man kann sagen, dass es die Arbeit meines Lebens war. Und das wurde mir plötzlich genommen. Ich weiß nicht, wie es weitergeht."

Wladyslaw Klosowski

Klosowski hatte Pech: Sein Hof lag in einer Sperrzone. Im Dorf war die Seuche ausgebrochen.

Die Schweinepest lässt sich offenbar in Ostpolen schwer eindämmen. Immer wieder müssen ganze Bestände gekeult werden. Und noch immer grassiert die Seuche in Wildschweinen im Wald. Ursprünglich eingeschleppt wurde das Virus 2007 wahrscheinlich von Afrika nach Georgien. Von dort verbreitete sich die Pest offenbar über betroffene Wildschweine und Hausschweinbestände nach Westen bis nach Tschechien.

Prof. Franz Conraths

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Seuche auch zu uns kommt, ist hoch, meint Prof. Franz Conraths vom Friedrich-Loeffler-Institut. Einen Impfstoff gibt es nicht. Nahezu alle Schweine sterben daran. Die Seuche überträgt sich besonders gut über Blut und Fleisch von infizierten Tieren:

"Aus meiner Sicht ist der Mensch der wichtigste Vektor, der wichtigste Überträger für die afrikanische Schweinepest. Durch menschliches Verhalten, man könnte auch sagen Fehlverhalten, wird sie relativ leicht verbreitet."

Prof. Franz J. Conraths, Friedrich-Loeffler-Institut

Die Seuche kann zum Beispiel in einem Stück rohem Fleisch stecken; irgendwo an einer Autobahn weggeworfen, kann es leicht von einem Wildschwein gefressen werden. Und schon ist das Virus bei uns. Dass heißt besonders Lastwagenfahrer, die regelmäßig von Polen nach Deutschland fahren, müssen von der Gefahr wissen und aufpassen. Wir fragen an einer polnischen Autobahn, die nach Deutschland führt: "Haben Sie schon einmal etwas von der afrikanischen Schweinepest gehört?" Ein LKW-Fahrer: "Nee, nichts. Gar nichts?" "Nein? Im Radio oder Fernsehen?" "Nö, und ich fahre regelmäßig in den Westen." Auch andere LKW-Fahrer sind unwissend: "Nee, nicht gehört." "Dass es in Wurst sein kann? Nee davon habe ich nicht gehört." "Nee, nichts gehört. Nee, ich habe von dem Thema nichts gehört. Nee." Die Fahrer wissen wenig. Dabei sind die Menschen für die Übertragung so zentral.

Er tut alles dafür, dass seinen Schweinen nichts passiert: Ein Fehler kann den mecklenburgischen Landwirt Stefan Wille-Niebur den Bestand kosten:

"Es gab früher hohe Standards, die haben sich seit der Schweinepest verschärft. Wir achten viel mehr wie vorher. Also, duschen sowieso, mehrmals Schuhe wechseln, Klamotten wechseln. Wir haben Angst."

Stefan Wille-Niebur, Landwirt

Diese 700 Schweine will der Landwirt schützen. Dabei wäre schon ein infiziertes Wildschwein in Deutschland ein fatales Signal. Der Export von Schweineprodukten an Drittstaaten würde wahrscheinlich zusammenbrechen.


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