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TV Slowenien Auf den Spuren der Eisenzeit

Die aufregenden Bilder auf den Bronzesitulen aus Vače können wie ein Roman gelesen werden, in dem prähistorische Fürsten, Höflinge und Priesterinnen auftreten, die Getränke in kleinen Krügen, den Situlen servieren. Auch wenn diese Szenen fiktiv wirken, ermöglichen sie den Archäologen Einblicke in die ältere Eisenzeit, die auch Hallstattzeit genannt wird.

Von: Maja D. Bahar

Stand: 08.04.2018 | Archiv

Jagdmotiv auf Gürtelschnalle | Bild: BR

Mit dem Laserscanner werden Luftaufnahmen untersucht. Damit erhalten die Archäologen Einblick in die Vergangenheit einer Landschaft an Hand der Spuren menschlicher Besiedlung in unterschiedlichen Zeiträumen. So wird klarer, wie prähistorische Gemeinschaften den Raum organisierten, in dem sie lebten. Auf den Laseraufnahmen wird zum Beispiel der Verlauf von alten Wegen und Mauern sichtbar, vor allem in waldbewachsenen Gebieten wie bei der eisenzeitlichen Siedlung Cvinger in Dolenjske Toplice.

"Wenn jemand die Siedlung betrat, beobachtete er die Dinge um sich herum. Zunächst ging er zum Friedhof, dann durch den Raum des metallurgischen Objekts, der Quelle des Reichtums jeder Gemeinschaft. Dann kam er zu den Menschen, in die Gemeinschaft, die hier lebte und Eisen erzeugte."

Dr. Matija Črešnar, Philosophische Fakultät Ljubljana

Dr. Matija Črešnar

Die Gesellschaft der Eisenzeit war sehr stark in Klassen gegliedert. Die höchsten Klassen waren die angesehensten und reichen Mitglieder.

In der Dolenjska (Unterkrain) nutzte man das Eisenerz. In Kaptol pri Požegi in Kroatien war Graphit die Grundlage für den Wohlstand der Gemeinschaft. Die Gemeinschaften kommunizierten untereinander und tauschten Güter. Sie waren in einen lebhaften Handel eingebunden. So findet man in den reichen Gräbern der damaligen Aristokratie auch Luxusgegenstände und importierte Waren, wie diese präzise gearbeitete Pferdefigur aus Elfenbein.

"Die Figur war wahrscheinlich Teil einer Fibel und stammt aus einem eisenzeitlichen Grab. Es ist das am besten ausgestattete Grab einer Frau aus Kaptol. Wir fanden viele religiöse Gegenstände. Wahrscheinlich war die Frau eine Priesterin."

Dr. Hrvoje Potrebica, Universität Zagreb

Dr. Ian Armit

Wie vielfältig war der prähistorische Speiseplan? Auch diese Frage kann mit Hilfe von Isotopenanalysen von Sauerstoff und Stickstoff in menschlichen Knochen beantwortet werden.

"Es überraschte uns, dass so viel Hirse gegessen wurde. Der Hirseanbau begann in der späten Bronzezeit. Die Hirse stammt aus dem Osten. In Italien begann man die Hirse in der späten Bronzezeit anzubauen. Damals wurde in diesem Gebiet viel Hirse gegessen."

Dr. Ian Armit, Universität Bradford

Auf den Handelswegen zwischen dem Mittelmeer und Südosteuropa wurde auch die Kunst der Herstellung von Situlen ausgetauscht, die man auf den Bronzeeimern, Gürtelschnallen oder Helmen bewundern kann. Die Experten interessierte, wer die Urheber dieser Bilder waren und mit welchem Werkzeug die Bilder in das Bronzeblech geritzt wurden. Mit Hilfe von 3D-Scannern stellte man fest, dass zum Beispiel diese Gürtelschnalle aus Molnik bei Ljubljana das Werk von zwei Personen ist. Das zentrale Jagdmotiv hat ein geschickter Meister geschaffen, während die oberflächlich gearbeiteten Szenen an den Rändern die Arbeit eines Lehrlings waren.

Die kunstvollen figuralen Motive auf den Bronzegegenständen erzählen von mythologischen Geschichten oder stellen wichtige Handlungen der Hallstätter Aristokratie dar. Aufgrund der neuen Erkenntnisse, die ein Ergebnis der interdisziplinären Forschung sind, wird die Welt sichtbarer, wie sie vor beinahe drei Jahrtausenden aussah.


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Gabriel Lauchard, Sonntag, 08.April 2018, 17:50 Uhr

1. Meinung

interessanter Bericht ja !