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Bayern erleben | 16.09.2019 Unter Königstreuen

Montag, 16.09.2019
21:00 bis 21:45 Uhr

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"Wir brauchen in Bayern zwar keine Monarchie, aber schöner wär's scho!" Dieser Spruch von Georg Lohmeier, Schriftsteller, Erfinder des "Königlich Bayerischen Amtsgerichts" und überzeugter Monarchist, begegnet dem BR-Team immer wieder auf der Reise durch die Welt der Ludwig-Fans, der Wittelsbacher-Treuen, Stammtisch-Separatisten und Freizeit-Monarchisten. Sicher: Demokraten sind sie schon alle, wenn man sie fragt. Und ein König in heutigen Zeiten sollte auch mehr repräsentieren, als absolutistisch herrschen – so wie in England oder in den Niederlanden.

Auch wenn die Königstreuen die ganze Geschichte der Wittelsbacher zum Gegenstand ihrer Verehrung haben, einer sticht dann doch heraus: König Ludwig II. Ihn tragen sie stolz auf Plaketten, Broschen und Wimpeln, er steht im Zentrum. Warum ausgerechnet dieser unglückliche König?

Siegfried Mathes ist überzeugt davon, in einer besonderen Beziehung zu Ludwig II. zu stehen. Der gebürtige Oberpfälzer fiel schon in früher Jugend durch eine frappierende äußere Ähnlichkeit mit dem Märchenkönig auf – was eine Tante dazu bewog, den Siegfried kurzerhand "Wiggerl" zu nennen. Diese Ähnlichkeit hat sein ganzes Leben geprägt – er hat sich dem König verschrieben – und sein ganzes Haus in den Historismus des 19. Jahrhunderts gekleidet.

Aber auch oben im Norden, im Spessart, ist ein Häuflein unerschütterlicher weißblauer Grenzwächter aktiv: das "Schwanzhaar vom Bayerischen Löwen", wie sie sagen. Sie kleiden sich in Oberländer Tracht, laden zum "Hoagascht" und blasen das Alphorn! Das aber – in Ermangelung echofähiger Alpentäler – in einem gigantischen, über 100 Meter tiefen Steinbruch.

Die Zeit ist aber nicht spurlos an der Bewegung der Königstreuen vorübergegangen. Wenn sie einladen, dann bleiben heute viele der weiß-blau geschmückten Tische unbesetzt. Denn Nachwuchs will sich bei den Patrioten nicht so recht einstellen. Haben sie den Zenit überschritten? War das alles doch nur die skurrile Idee eines Georg Lohmeier mit kurzer Halbwertszeit? Oder steckt in den Königstreuen auch das Potenzial, ernsthaft Traditionspflege zu betreiben?

Überhaupt – wie stehen die Wittelsbacher selbst zu den Aktivitäten der Königstreuen? Prinz Luitpold von Bayern jedenfalls sieht es gelassen. Als Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. hat der Unternehmer von frühester Jugend an gelernt, mit der Familiengeschichte zurechtzukommen. Und – auch er nutzt die Geschichte seiner Familie, als Brauereibesitzer und Ausrichter des Kaltenberger Ritterturniers.

Wo aber ist die Grenze zwischen Verehrung, Kitsch und Kommerz? Am 16. Juni kommen sie dann alle zusammen: Beim Gedenkgottesdienst zum Tode Ludwigs II. – und bei dieser Gelegenheit kann es auch vorkommen, dass vom See her seltsam verhüllte Gestalten mit schwarzen Kapuzen auftauchen – die geheimnisvollen Guglmänner. Sie haben in der Vergangenheit einiges darangesetzt, die Theorie vom Mord an Ludwig II. zu beweisen – mit spektakulären, aber umstrittenen Methoden.

In "Bayern erleben – Unter Königstreuen" hat BR-Autor Michael Zametzer der Faszination der bayerischen Monarchie nachgespürt, die bis heute andauert.

Redaktion: Ulrich Klenner