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Geld – Druck – Maschinen 200 Jahre Koenig und Bauer

1817 gründen Friedrich Koenig und Andreas Bauer die erste Druckmaschinenfabrik der Welt. Heute ist Koenig & Bauer Weltmarktführer für Notenpressen. Doch die digitale Revolution hat die Branche stark gebeutelt. Eine spannende Unternehmensgeschichte um Geld, Druck und Maschinen.

Von: Barbara Markus

Stand: 05.12.2017 | Archiv

Walzen von Druckmaschinen werden in einer Montagehalle des Druckmaschinenherstellers Koenig und Bauer in Würzburg bearbeitet. | Bild: picture-alliance/dpa

Bayern im Jahr 1817 – ein noch rückständiger Agrarstaat. In England dagegen hat die Erfindung der Dampfmaschine das Industriezeitalter eingeläutet. Und zwei Tüftler aus Deutschland spielen dabei eine entscheidende Rolle: Friedrich Koenig und Andreas Bauer revolutionieren mit ihrer dampfgetriebenen Schnellpresse das Druckereiwesen.

Erste Druckmaschinenfabrik der Welt – im rückständigen Deutschland

1817 erwerben Friedrich Koenig und Andreas Bauer die Anlage des Klosters Oberzell in Zell am Main. Dort eröffnen sie die erste Druckmaschinenfabrik der Welt. Doch Deutschland ist technologisch so rückständig, dass sich die Existenzgründer die notwendigen Werkzeuge dafür aus England kommen lassen müssen. Hammer, Feilen, Bohrer – alles Werkzeuge, welche die Weinbergshäcker und Bauernburschen, die jetzt in Oberzell als Fabrikarbeiter angeworben werden, noch nie in der Hand hatten. Die meisten von ihnen können weder lesen noch schreiben. Geregelte Arbeit und Disziplin sind ihnen fremd, klagt Koenig 1818.

"Wir mussten mehr Unverschämtheit, Einbildung, Verbohrtheit und Pfuscherei über uns ergehen lassen, als sich irgend ein englischer Meister gefallen lassen würde."

Friedrich Koenig im Jahr 1818

Existenzgründerdarlehen vom König

Die Produktion kommt nur schleppend in Gang, das Startkapital der Erfinder schwindet dahin. Eine Gelddruckmaschine ist die so genannte Schnellpresse für Koenig & Bauer noch lange nicht. Ohne die weitsichtige Förderung der ersten beiden bayerischen Monarchen wäre das Start-Up am Main versandet. Aber Maximilian I. gewährt für zehn Jahre Steuerfreiheit und das, was wir heute ein Existenzgründerdarlehen nennen würden. Thronfolger Ludwig I. pocht nicht auf pünktliche Rückzahlung.

Bestellungen aus Zürich, Madrid, Sankt Petersburg

Mit Geduld und Strenge lernt Andreas Bauer die Arbeiter an. Langsam kommt die Produktion in Gang. Deutsche Verlage halten sich mit Aufträgen allerdings noch zurück. Sie sehen bei geringen Auflagen keinen Bedarf zur Anschaffung von Druckmaschinen. Anders im Ausland: Bestellungen kommen aus Zürich, aber auch Madrid und Sankt Petersburg. Jede Auslieferung wird fast zur Expedition – mit Schiff, Eisenbahn, aber auch  Ochsen- und Eselskarren über Pässe und durch Ebenen. 

Fabrik vor dem Bankrott – Friedrich Koenig stirbt

Gut ein Jahrzehnt nach der Gründung steht die Druckmaschinenfabrik in Oberzell vor dem Bankrott. Gramgebeugt stirbt Friedrich Koenig mit 57 Jahren, sieben Jahre nachdem er die damals erst 17-jährige Fanny Jacobs geheiratet hatte. Es war eine Liebesgeschichte,  die Wirtschafts- und Sozialgeschichte schreiben sollte.

Erste Unternehmerin Deutschlands: Fanny Koenig

Als Koenig stirbt, wird seine junge Witwe Fanny zur ersten Unternehmerin Deutschlands. Sie setzt revolutionäre Ideen um: Betriebskrankenkasse, Renten-, Witwen- und Waisenkasse lange vor der Bismarck'schen Sozialgesetzgebung, dazu eine "Kinderbewahranstalt" um Müttern Berufstätigkeit zu ermöglichen. Zum Firmenjubiläum der Druckmaschinenfabrik im Jahr 2017 würdigt Alt-Bundespräsident Horst Köhler dieses Engagement.

"Fanny Koenig, eine Unternehmerin von besonders ausgeprägtem sozialen Verantwortungsbewusstsein. Davon zeugen Einrichtungen wie die schon früh geschaffene Invaliden- , Witwen- und Waisenkasse der Firma, die schon 1873 unter die selbständige Verwaltung und Kontrolle der Belegschaft gebracht wurde. Und davon zeugen auch Einrichtungen des innerbetrieblichen Dialogs wie der ebenfalls 1873 eingerichtete, paritätische Fabrikrat."

Horst Köhler, Alt-Bundespräsident

Ein Fabrikrat bedeutet Mitbestimmung im Aufsichtsrat – mehr als 100 Jahre vor der gesetzlichen Einführung in Deutschland. Zell am Main ist mit der Fabrik seiner Zeit voraus. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an eine Kinderbewahranstalt, mit der das Unternehmen Müttern bereits vor fast 150 Jahren Berufstätigkeit ermöglicht hat. Für Werkmeister errichtete Häuser und Wohnblocks für Arbeiter prägen den Vorort von Würzburg, auch wenn diese längst privatisiert sind.

Dollar und Euro "made in Würzburg"

Getränkedosen-Druckmaschine von Koenig & Bauer

Heute ist das Unternehmen Koenig & Bauer Weltmarktführer für Notenpressen: Dollar und Euro werden wie vier Fünftel aller anderen Währungen der Welt mit Maschinen "made in Würzburg" gedruckt. Doch die digitale Revolution hat die Druckmaschinenbranche schwer gebeutelt. Koenig & Bauer gelang zwar mit Maschinen für Digital- und Verpackungsdruck die Neuausrichtung – allerdings verbunden mit einem empfindlichen Personalabbau. 

Nach Stellenabbau kommt der Höhenflug

Noch vor vier Jahren stand der älteste Druckmaschinenhersteller der Welt deswegen vor der Pleite. Von gut 8.300 Stellen wurden rund 3.000 abgebaut. Inzwischen floriert das Unternehmen wieder, der Aktienkurs ist auf Höhenflug

"Die Verpackungswelt wächst, die Weltbevölkerung wächst, die Single-Haushalte werden  mehr und mehr. Der Online-Handel braucht Verpackungen, die es in dieser Form vor 20 Jahren überhaupt nicht gab. Und da war es eigentlich naheliegend, dass wir dieses Knowhow, das wir haben, speziell im Bereich der Verpackung weiter ausbauen, was wir wirklich gut können."

Claus Bolza-Schünemann, Vorstandsvorsitzender Koenig & Bauer

Größter Tintenstrahldrucker der Welt

200 Jahre nach der Gründung hat Koenig & Bauer auch die jüngste Krise seiner Unternehmensgeschichte gemeistert – einmal mehr mit Neuentwicklungen wie dem aktuell größten Tintenstrahldrucker der Welt. 15 Meter lang und fast so hoch wie ein Einfamilienhaus. Berührungsfrei druckt der Koloss auf 2.80 Meter breite Papierrollen, was immer ein Computer gerade vorgibt. Druckerschwärze, das war vorgestern.

"Das anspruchsvolle dabei ist, die Drucktechnik die wir haben zu nutzen, um eine Maschine zu konstruieren, die wo mit der höchsten Genauigkeit die Farbe aufs Papier bringen kann in einer sehr hohen Geschwindigkeit. Wir haben in der Minimalausstattung 260 Druckköpfe, so ein Druckkopf hat fünf einzelne Druckbereiche und in einem befinden sich 2112 Düsen. Nen Tropfen abzuschießen, das passiert in der Sekunde 20.000 Mal."

Marius Marina, Energieelektroniker


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