Bayern 2 - Notizbuch


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Vogel des Monats Die Amsel

Schwarzes Gefieder, aber kein Rabe - wunderschöner melancholischer Gesang und doch keine Nachtigall: Um wen geht es hier? Um den wohl bekanntesten unserer einheimischen Vögel. Ein Amsel-Porträt in Wort, Bild und Ton.

Stand: 22.04.2012 | Archiv

Amsel | Bild: picture-alliance/dpa

In jedem Park, in jedem Garten und selbst mitten in der Stadt ist sie anzutreffen - und dabei ist die Amsel eigentlich ein Waldvogel! Doch sie ist sehr anpassungsfähig und schafft es, neue Lebensräume zu besiedeln. Und so hat sie von den Wäldern aus unsere Kulturlandschaft entdeckt und fühlt sich hier offensichtlich wohl.

Großartiger Sänger

Die ersten Vogelgesänge, die im ausgehenden Winter zu hören sind, sind die der Amsel. Und wie sie singt! Der ausdauernde, flötende, abwechslungsreiche Gesang ist weithin zu hören.

Es sind die Männchen, die singen und sie tun es, um Artgenossinnen zu beeindrucken. Die Melodie ist nicht starr festgelegt: Jedes Männchen singt ein wenig anders. Wer ein besonders begabter Sänger ist, zeigt, dass er intelligent ist und es sich lohnt, sich mit ihm zu paaren.

"Die Weibchen suchen natürlich das Männchen, das am schönsten singt und das großartigste Revier hat. Fähigkeit und Immobilienbesitz ist das, was zählt."

Volker Zahner, Ornithologe

Außer dem flötenden Gesang lässt die Amsel manchmal auch ein aufgeregtes "Tack-Tack" und hohes "Si-Si" hören - ein Warnruf, den sie bei Gefahr ausstößt.

Der Amselmann - kein Gentleman

Viele Amselmännchen bleiben den Winter über hier. Das hat Vorteile: Sie besetzen schon mal die besten Reviere, bevor die Konkurrenten aus dem Süden zurückkommen.

Alkoholisierter Vogel?

Die Amsel frisst nicht nur Regenwürmer - sie liebt auch vergorene Beeren, mit denen sie eine nicht geringe Menge Alkohol zu sich nimmt. Eigentlich müsste sie völlig betrunken sein, doch sie besitzt ein Enzym, das den Alkohol sehr schnell wieder abbaut. Das ist für sie überlebenswichtig: Eine betrunkene Amsel wäre schließlich leichte Beute für die nächste Katze.

Opfer des Klimawandels

Der Amselbestand ist vor allem in Süddeutschland dramatisch zurückgegangen. Der Grund dafür ist das Usutu-Virus - ein neues Virus, für das Amseln offensichtlich besonders anfällig sind. Es ist für sie oft tödlich. Das Virus wird von afrikanischen Stechmücken übertragen. Stechmücken aus Afrika bei uns? Der Klimawandel könnte die Ursache dafür sein, dass sich diese exotische Stechmücke bei uns ausbreiten kann: Bei milden Wintern und feuchten Sommern finden die Mücken bei uns beste Lebensbedingungen.

Ein Grund mehr, sich in der nächsten Zeit ganz besonders über den Gesang der schwarzen Frühlingsboten zu freuen ...

Weitere Informationen:

Informationen zur Gefährdung der Amseln durch das Usutu-Virus


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