Bayern 2 - Hörspiel


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Im Hörspiel Pool: "Rettet das Geld" von Inga Helfrich Erster Banküberfall mit Geiselnahme der BRD

Stand: 03.08.2021 | Archiv

Banküberfall  | Bild: picuture alliance/Lothar Parschauer

Zwei Bankräuber - achtzehn Geiseln

Zwei bewaffnete Bankräuber mit Sturzhelmen. 5.000 Zuschauer. Eine Riesenwatschn für einen Feuerwehrmann in spe. Blitzlichtgewitter. Eine Maschinenpistole und ein Revolver. Achtzehn Geiseln. Köche mit hohen, weißen Mützen. Eine „Rote Front“, die nicht politisch ist. Lösegeldforderung: 2 Millionen DM. Live-Übertragung im Fernsehen. Catering vom besten Feinkostgeschäft der Stadt. Pfiffe für den Ministerpräsidenten. Hobby-Jäger als Scharfschützen der Polizei.

2 Millionen D-Mark

Was klingt wie die Zutaten für eine groteske Kriminalkomödie, war am Mittwoch, den 4. August 1971 grausame Realität. Zwei bewaffnete Männer überfallen die Filiale der Deutschen Bank in der Münchner Prinzregentenstraße und verüben den ersten bewaffneten Banküberfall mit Geiselnahme in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Für die Freilassung der Geiseln verlangen sie 2 Millionen D-Mark.

Sturmangriff

Auf ihre Forderungen lässt sich die Kriminalpolizei nur zum Schein ein. Beim Sturmangriff der Polizei sterben eine Geisel und ein Geiselnehmer. Die Tasche mit den zwei Millionen wird noch während der Schießerei sichergestellt. Der Innenminister stellt fest: „Nach Sachlage, blieb keine andere als die getroffene Entscheidung.“

Medien

In den Medien wird sowohl in einem bis dahin einzigartigen Spektakel live über das Geschehen berichtet, als auch anschließend die Geschichte bis ins kleinste Detail ausgeschlachtet: Zwei Männer gehen über Leichen. Die demokratische Staatsmacht ist überfordert. Es ist der alte Kampf zwischen Gut und Böse. Das Gericht statuiert ein Exempel. Der überlebende Täter wird wegen fünffachen Mordversuchs und räuberischer Geiselnahme zu 22 Jahren Haft verurteilt.

Hörspiel

Das Hörspiel Rettet das Geld basiert auf dokumentarischem Material und den Befragungen von Beteiligten. Ein Ereignis in mehreren Perspektiven: Der Junge, der im Radio von dem Überfall hörte und spontan beschloss, zum Schauplatz des Verbrechens zu fahren, wo er sich unter tausende Schaulustige einreihte. Der Polizist, der frisch von der Polizeischule kam und für den die Geiselnahme der erste spektakuläre Fall seiner Karriere wurde. Der Täter, der 22 Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und die Aussagen einer Geisel wenige Tage nach dem Schreckenstag. Aus ihren teils lakonischen, teils emotionalen Erinnerungen wird eine Erzählung über die Macht und Erotik des Geldes. Zugleich entsteht ein Porträt der Stadt München in den Siebziger Jahren.

Inga Helfrich: Rettet das Geld

Mit Wiebke Puls, Edmund Telgenkämper

Komposition: Rosalie Eberle
Realisation: Inga Helfrich
BR 2015

Inga Helfrich, geb. 1966 in Riga, Lettland, Regisseurin, Autorin, Schauspielcoach. 1987–91 Therapeutin an einer Fachklinik für Psychosomatik, 1993–97 Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen und bei den Salzburger Festspielen, 1996–2004 Schauspieldozentin an der Bayerischen Theaterakademie München, seit 1997 freie Regisseurin, seit 2001 Entwicklung eigener Stücke u.a. I will survive (2001), Die Deutsche Mutter (2008), Neue Heimat(2010). Weiteres BR-Hörspiel Ich Wir Ihr Sie (2013, Hörspiel des Monat September).


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