Bayern 2 - Bayernchronik


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Architektouren 2016 Strenger Blick: Neubauten an Münchner Gleisen

Etwa fünf Minuten braucht der Zug vom Bahnhof München-Pasing ins Zentrum zum Hauptbahnhof. Seit 2003 sind entlang der Gleise neue Wohnungen, Büros und Läden gebaut worden. Alles schick und sauber. Aber wo ist der Charakter? Von Julie Metzdorf

Stand: 25.06.2016

Blick auf das Büro von pwc, das zum Arnulfpark gehört | Bild: picture-alliance/dpa

Pasing

Seit Jahren wird entlang der Bahnstrecke zwischen Bahnhof Pasing im Münchner Westen und dem Hauptbahnhof gebaut. 17.000 Wohnungen und 21.000 Büros entstehen, der Großteil ist schon gebaut und bezogen.

In Pasing ist der Bahnhofsvorplatz verschönert worden. Das alte Bahnhofsgebäude mit seinen roten Ziegeln wurde saniert. Gleich nebenan sind die Pasing Arcaden, ein großes modernes Einkaufszentrum, entstanden. Es gibt einen großen Platz mit Wasserfontänen, Straßencafés und Eisdielen. Für den Reisenden im Zug wirkt die weiße Fassade des Einkaufszentrums aber eher abweisend und steril. Und ähnlich geht es weiter. Auf dem Weg Richtung Innenstadt folgen meterlange, eintönige Neubau-Fassaden. Kein Gebäude sticht heraus.

Laim

Der Masterplan für die Bebauung sah schon vor 25 Jahren, als er entwickelt wurde, Akzente an den S-Bahn-Haltestellen vor. In Laim ist das der so genannte Laimer Würfel, ein Bankgebäude, rechtwinklig mit schmalen, hohen Fenstern. Erhard Thiel, Architekt und Stadtplaner begleitet die Planungen von Anfang an.

"Wenn ich mir in Frankfurt der Entwicklung der Bahnflächen ansehen, dann stelle ich keinen allzu großen Unterschied fest. Wenn ich in Hamburg allerdings in die Hafencity gehe, da sehe ich doch deutliche Unterschiede, was die Architekturen betrifft. Da muss man allerdings sagen, in Hamburg ist die Stadt Grundstückseigentümer und die hat dort sehr viel mehr bei Architektur mitreden können als wir das hier bei diesen Flächen, die ja Dritten gehören und nicht der Stadt München tun konnten."

Erhard Thiel, Architekt und Stadtplaner

Hirschgarten

Eine S-Bahn-Haltestelle weiter am Hirschgarten sollten ursprünglich vier Hochhäuser entstehen, doch die lehnten die Münchner ab. Schließlich wurden Wohntürme mit einer Höhe von 60 Metern gebaut. Städtebaulich auch kein wirklicher Akzent, allein schon, weil man sie von weitem gar nicht sehen kann. Dabei wurde für sie und für das gegenüberliegende Hochhaus, ein Kubus auf einem Sockel, ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Normalerweise nämlich bestimmt der Investor über die Architekten.

"Es ist am Ende nicht die Auslesung der Besten der Besten. Die Architekten wurden maßgeblich von den Immobilienentwicklern bestimmt, jetzt muss man feststellen, dass das sehr durchschnittliche Architektur in weiten Teilen ist. Das war aus meiner Sicht auch Absicht. Nicht überall kann man teure und hochwertige Architektur realisieren. In der Durchschnittspreislage ist es dann auch eine ganz normale Architektur für ganz normale Bürgerinnen und Bürger aus München."

Erhard Thiel

Hackerbrücke

An der Hackerbrücke erblickt der Zugreisende den Arnulfpark. "Schuhschachteln" nennt  der ein oder andere die Wohngebäude. Trotzdem ist das Viertel bei den Bewohnern beliebt.

"Sehr gut, gefällt mir. Das Design und die neue Optik, modern. Ja, das ist relativ schön,  finde ich, der Architekt hat das gut gemacht. Ich find’s schön, sehr modern."

Passanten an der Hackerbrücke, München

Der Arnulfpark ist besonders "luftig" gebaut. Das grüne Band in seiner Mitte ist eines der breitesten in Münchens Zentrum überhaupt: 17 Quadratmeter Grün kommen hier auf jeden Einwohner, die jüngeren Viertel sind deutlich dichter geplant. Abgeschirmt werden die Wohnungen von einem Band aus Bürogebäuden, das den Lärm der Gleise abhält. Auch hier: auffällig wenig Abwechlung.

"Die Immobilien-Entwickler waren offensichtlich der Auffassung, dass Ihre Klientel eher so eine Art konservative Architektur gutheißt."

Erhard Thiel, Architekt und Stadtplaner

Doch auf einer Länge von 8,5 Kilometern und einer Fläche von 178 Hektar lediglich ein oder zwei außergewöhnliche Gebäude? Ein bisschen mehr hätten es vielleicht schon sein können.


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