Bayern 2

     

Evangelische Perspektiven Neubeginn im Land der Täter

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Sonntag, 10-3-2024
8:30 vorm. to 9:00 vorm.

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BAYERN 2

Neubeginn im Land der Täter
1946 strandeten jüdische Kinder in einem Waisenhaus in Franken
Von Thies Marsen und Jim Tobias

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Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten zionistische Gruppen von Osteuropa aus Kindertransporte nach Palästina. Auf ihrer Reise ins Gelobte Land strandeten im Januar 1946 über 300 zumeist ungarische Kinder und Jugendliche in Mittelfranken: Sie hatten mit viel Glück die Shoa überlebt, nun fanden sie vorübergehend Zuflucht im Gebäude der Lungenheilanstalt Strüth bei Ansbach. Das Sanatorium verwandelte sich in das erste jüdische Children’s Center im besetzten Deutschland.
Da die britische Mandatsmacht in Palästina Juden die Einreise verwehrte, mussten die Kinder und Jugendlichen im Land der Täter ausharren. Dennoch versuchten Gruppen illegal nach Palästina zu gelangen. So machte im Sommer 1947 das Schicksal des Flüchtlingsschiffes "Exodus" weltweit Schlagzeilen: Vor der Küste Palästinas kaperten die Briten das Schiff, transportierten die Shoa-Überlebenden nach Deutschland und sperrten sie in Internierungslagern ein - darunter auch rund 50 Kinder aus Strüth. Erst nach Staatsgründung im Mai 1948 konnten die Kinder nach Israel einwandern.
Nürnberger Historikern gelang es Jahrzehnte später, einige der ehemaligen Bewohner des Waisenhauses in Israel aufzuspüren und zu interviewen. Jim Tobias und Thies Marsen erzählen die Geschichte des Children’s Center Strüth und lassen dabei die Überlebenden zu Wort kommen.