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Bayern 2-Radio Revue Alpen im Wandel Auf Streifzug zum Klimawandel in den Alpen

Similaun-Gletscher in den Alpen. Der Klimawandel bringt in den Alpen Gletscherfunde zutage | Bild: dpa/Aicher

Dienstag, 27-12-2016
11:05 vorm. to 12:00 nachm.

BAYERN 2

Auf Streifzug zum Klimawandel in den Alpen
Von Georg Bayerle
Wiederholung am Mittwoch, 28. Dezember 2016, 18.05 Uhr
Als Podcast verfügbar

Werden die Bäume in den Alpen demnächst ‚in den Himmel wachsen‘? - Zumindest bis auf 3500 Meter bis zum Jahr 2050 - so lautet eine der Modellrechnungen, die im kleinen Forschungszentrum für Alpine Ökosysteme CREA in Chamonix erarbeitet werden. Evolutionär eingespielte Abläufe von Blütenpflanzen, Vögeln und Insekten geraten durcheinander. Hängt der rätselhafte Rückgang der Steinbockpopulation im Nationalpark Gran Paradiso mit dem Klimawandel zusammen?
Die Alpen sind der Seismograph des Klimawandels: Wenn beispielsweise in der Region Savoyen die Durchschnittstemperatur im nördlichen Flachland in den vergangenen 30 Jahren um 0,6 Grad gestiegen ist, dann waren es am Montblanc 1,5 Grad. Entsprechend sind die Prognosen bis 2050 und 2100. Das heißt: In den Alpen wird deutlicher und früher sichtbar, was passieren wird.
Der Streifzug führt durch einige der großartigsten Regionen der Alpen: an die Gletscherzunge des größten Alpengletschers, des Aletsch, wo im Sommer ungestüm die braune Gletschermilch zu Tal rauscht. Gut 20 Kilometer weiter nördlich, am Jungfraujoch, liegt eines der Quellgebiete des Aletsch. Atmosphärenforscher auf dem Jungfraujoch analysieren die Luftpartikel und die jährliche Zunahme des CO². Das Treibhausgas, das zeigen Isotopenanalysen, stammt vom Menschen.
Der Verursacher ist zugleich das Opfer des Klimawandels: Mit immer größerem Aufwand versuchen die Macher des Naturtourismus im warmen Winter 2016 die Tourismusindustrie am Laufen zu halten. Wo der Permafrost schmilzt, drohen neue Naturgefahren. An der Technischen Universität München und auf der Zugspitze befindet sich ein Punkt der genauen Erforschung. In der Schweiz werden nach ersten Murenereignissen ganz neue Verfahrensweisen entwickelt für Infrastrukur in Bereichen, die durch das Auftauen des Permafrosts neuerdings gefährdet sind.
Eine alpine Vision wäre, mit den Ressourcen zu sparen. Und auch hier stehen einige Regionen in den Alpen an der Spitze der Entwicklung hin zur energieautarken und ressourcenschonenden Stadt. Während sich die Naturlandschaft der Alpen verändert, könnte die alpine Kultur zum Motor einer neuen Lebensweise werden. In Grenoble, im Sommer oft bis an die 40 Grad warm, wird die Stadt mit Ökodistrikten umgebaut. Architektur und Stadtplanung reagiert auf den Hitzestress und arbeitet für eine CO²-arme Zukunft.