Bayern 2

Hörspiel Heldentaten und Lehren des Dr. Faustroll

Sonntag, 24.08.2014
15:00 bis 16:00 Uhr

BAYERN 2

Heldentaten und Lehren des Dr. Faustroll (Pataphysiker)
Von Alfred Jarry
Aus dem Französischen von Irmgard Hartwig und Klaus Völker
Dr. Faustroll - Dirk von Lowtzow
Panmuffel - Lars Rudolph
Äthernitas - Alice Dwyer
Mann/Stimme des Pflanzers/Lügenbeutel - Hans Jochen Wagner
Backenbuckel/Krüppel - Blake Worrell
Chor: Dirk von Lowtzow, Lars Rudolph, Alice Dwyer, Hans Jochen Wagner, Blake Worrell und Hitomi Makino
Bearbeitung, Komposition und Regie: zeitblom
BR 2014
Ursendung
Als Podcast verfügbar
Wiederholung am Montag, 20.03 Uhr

Der Roman "Die Heldentaten und Lehren des Dr. Faustroll (Pataphysiker)" des französischen Schriftstellers und Bohèmien Alfred Jarry ist Parodie einer Heldenreise, Ansammlung wissenschaftlich-mathematischer Traktate, neowissenschaftlicher Roman und vor allem Gründungsdokument der 'Pataphysik', der "Wissenschaft von den imaginären Lösungen", mit der Jarry zahlreiche Künstler und Theoretiker des 20. Jahrhunderts beeinflusste. Zwischen 1898 und 1903 in diversen Zeitschriften fragmentarisch erschienen, wurde die erste Gesamtausgabe von "Die Heldentaten und Lehren des Dr. Faustroll" erst 1911 postum veröffentlicht. Die im Deutschen vorliegende Fassung erschien 1968 und wurde aus verschiedenen handschriftlichen Quellen erstellt. Narrativer Kern des von Paradoxie und Irrwitz geprägten Textes ist die Reise des Pataphysikers Dr. Faustroll in seinem Boot As "Zu Wasser von Paris nach Paris", also eine Schiffsreise auf festem Land. In Begleitung des Gerichtsvollziehers und Erzählers Panmuffel sowie des Pavians Backenbuckel vollzieht Dr. Faustroll eine Irrfahrt durch surreale Kopf- und Traumwelten. Daneben setzt sich der Roman aus Abhandlungen, Briefen und mathematischen Formeln zusammen, allesamt Bestandteile der Lehren des Pataphysikers Dr. Faustroll. Geprägt von überbordender Intertextualität, lustvollem Sprachspiel und Bezügen auf diverse theoretische Diskurse ist "Die Heldentaten und Lehren des Dr. Faustroll" nicht nur ein Text über die Pataphysik, sondern zugleich deren Vollzug. Im Gedankenkosmos Jarrys und Faustrolls ist die Pataphysik die Wissenschaft von der Vorstellungskraft, ihr liegt alles zugrunde. In dieser Wissenschaft jenseits von Physik und Metaphysik sind die Ausnahmen die Regel und alle Dinge vom Zufall bestimmt.
"Die von ihrem Ursprung unendlich nach außen strebende Spirale ist Symbol dieser Wissenschaft, diente schon in Jarrys "König Ubu" als Leitmotiv und bildet eine gliedernde Struktur des späteren Romans. Ganz im Sinne dieser Konzeption wird auch das Hörstück zu einer Odyssee der akustischen Verschiebungen und Halluzinationen, eine elektroakustische Neo-Radio-Oper die sich irrend und wirrend im Sog der Spirale durch dystopisch futuristische Soundscapes, verschwommene Texturen, sinistren Dub, Mikro Loops, verdrehte Algorithmen und Lo-Fi Ästhetik bewegt. Bruchstückhafte und unkonzentrierte Loop Poesie, eine Art Kammerspiel im Raum der Großstadt Paris. Man meint Bekanntem zu begegnen, doch man erkennt nichts, kein Zeitgefühl, man verirrt sich, es ist dunkel. Die Pataphysik ist das Ende aller Enden. Erste und letzte Instanz. Faustroll stirbt in dem Alter, in dem er geboren wurde. 'Jenseits der Pataphysik ist nichts; sie ist die letzte Instanz.'" (zeitblom)

Alfred Jarry, (1883- 1907), franz. Autor und Vorläufer des Surrealismus, Dadaismus und des Absurden Theaters. Nach unabgeschlossenem Philosophiestudium in Paris literarische Publikationen in unterschiedlichen Genres. 1986 Uraufführung seines grotesk-komischen Dramas "König Ubu" am Theater de Louvre, die aufgrund des Bruchs mit der konventionellen Theaterästhetik einen Skandal auslöste und wegen Tumulten abgebrochen wurde. Abgesehen von diesem theaterhistorischen Skandal keine breite Anerkennung seiner Werke und keine finanziellen Erfolge. Leben am Rande des Existenzminimums. 1906 stirbt Jarry in Paris. Erst nach ca. 50 Jahren seines Todes Wiederentdeckung und Anerkennung u.a. durch die Gründung des "Collége de 'Pataphysique" 1948, das bis heute besteht. Werke u.a. "König Ubu" (1896), "Ubu Hahnrei" (1898), "Ubu in Ketten" (1899), "Messalina" (1900), "Der Supermann"(1902).