Bayern 2

     

Hörspiel: Der Privatroman "Neid"

Montag, 26-9-2011
8:03 nachm. to 9:00 nachm.

BAYERN 2

36 Antworten von Elfriede Jelinek
auf Fragen von Herbert Kapfer
Produktion: BR 2011
Als Podcast verfügbar

Eine E-mail-Korrespondenz, die nach Abschluss von den beiden Beteiligten in getrennten Studios aufgezeichnet wurde: Warum schlug Elfriede Jelinek eine Hörspielfassung von "Neid" vor und nicht von dem Roman "Die Kinder der Toten", der als ihr Hauptwerk gilt? Hat die Entscheidung, "Neid" nur im Internet und nicht als Buch zu veröffentlichen mit den öffentlichen Reaktionen auf die Auszeichnung mit dem Literatur-Nobelpreis zu tun? Als die ersten Kapitel online waren, war der Roman noch nicht abgeschlossen, war es ein Schreibexperiment mit offenem Ausgang? Über weite Erzählstrecken wirkt "Neid" wie in gesprochener Sprache formuliert, tatsächlich ist alles akribisch konstruiert, es hat ja wohl doch mehrere Fassungen gebraucht, um diesen zerstreuten, pseudo-pathologischen Eindruck zu erzeugen - wie lange hat Jelinek an "Neid" geschrieben, wie viele Fassungen gibt es? "Neid" vermittelt den Eindruck eines Höchstmaßes an narrativer Freiheit und Willkür. Dieser Text darf, wie er immer wieder zu erläutern nicht müde wird, ja eigentlich alles. Oder ist hier der Fragensteller einem Täuschungsmanöver der Autorin erlegen? Übt die Autorin bzw. die Erzählerin mit ihrer Willkür Macht aus? Der Begriff Privatroman suggeriert, der Text gehe niemanden etwas an, selber schuld, wer ihn liest oder darin rumschnüffelt. Der Leser/Hörer als Voyeur? "Lust", "Gier" und "Neid" - das sind die Romane der Todsünden. Gibt es eine Fortsetzung der Todsünden-Serie?