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Kommentar Der Fall "Amthor"

Seit einer Woche steht der aufstrebende CDU-Politiker Philipp Amthor im Kreuzfeuer der Kritik. Spiegel-Recherchen legen nahe, dass Amthor im Zentrum eines Lobbyismus-Skandals stehen könnte. Der 27-Jährige legte daraufhin seine Ambitionen auf den CDU-Vorsitz in Mecklenburg zur Seite. Ist das schon das Ende einer politischen Karriere oder ein Fehler, der einen Neuanfang erlaubt? Ein Kommentar von Tobias Betz.

Stand: 22.06.2020

Auf den ersten Blick sieht Philipp Amthors Verzicht wie eine selbstlose Entscheidung aus. Doch bei genauerem Hinsehen bereitet der gewiefte Jungstar von der CDU bereits seine Rückkehr vor. Amthor hat nicht etwa als aussichtsreicher CDU-Chef in Mecklenburg-Vorpommern windige Lobbyarbeit gemacht, sondern als Bundestagsabgeordneter. Dieses Mandat stellt er jedoch nicht zur Disposition. Statt Amthor soll nun ein bis dato wenig bekannter Landrat als Landesvorsitzender kandidieren. Was für ein falsches Spiel. Die Öffentlichkeit aber wartet auf ein ehrliches mea culpa, ein authentisches Schuldeingeständnis. Da wäre es besser gewesen, nicht auf die Kandidatur als CDU-Vorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern zu verzichten. Amthor könnte aufklären, er könnte eine Untersuchung eines unabhängigen Beraters einleiten. Er könnte reinen Tisch machen. Doch Amthor versucht, sich leise aus der Affäre zu ziehen.

Plötzliches Schweigen des politischen Shootingstars

19.06.2020: Der CDU-Politiker Philipp Amthor verlässt nach der Sitzung des CDU-Landesvorstandes das Tagungshotel.

Amthor wusste von den anstehenden Enthüllungen im Spiegel. Am Tag vor der Veröffentlichung schickte der Spiegel dem CDU-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern einen Fragenkatalog. Die Brisanz der Vorwürfe war darin offensichtlich. Amthor schwieg aber und sagte auch seinem Landesvorsitzenden Eckhardt Rehberg kein Wort. Und auch kurz nach der Veröffentlichung hüllte er sich gegenüber der Öffentlichkeit in Schweigen. Sonst gibt sich Amthor gewandt und redselig, nun stattdessen zugeknöpft. Vergangenen Freitag bespricht er sich dann mit seiner Landes-CDU knappe zwei Stunden lang hinter verschlossenen Türen. Anschließend verkündet er, nicht Landesvorsitzender werden zu wollen. Respekt und Anerkennung von den Parteifreunden, Schulterklopfen für die Kameras.

Blick auf neuen Karrierestart

Der gerissene Amthor steht nun da wie jemand, der auf den schnellen Erfolg verzichten kann. Doch in Wahrheit hält er sich den Weg nach oben offen und zieht sich geschickt aus der Affäre. Bis zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst 2021 wird schon Gras über die Sache wachsen, so das Motiv. Ministerpräsident könnte er dann immer noch werden.


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