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Das Rebellendorf Der Kampf des Dorfes Ermershausen um seine Selbstständigkeit

Hunderte Polizisten stürmen vor 40 Jahren das unterfränkische Dorf Ermershausen, das sich gegen eine Eingemeindung wehrt. Danach kämpft das Dorf lange um seine Selbstständigkeit – schließlich mit Erfolg. Was ist heute von diesen prägenden Jahren geblieben?

Von: Eberhard Schellenberger

Stand: 19.05.2018 | Archiv

Ermershausen in den Haßbergen im Mai 2018: Rund um das Rathaus herrscht friedliche Frühlingsstimmung.

Die Freiheitsglocke

Die Vögel singen in den Bäumen, der Rathausplatz und die Dorfmitte wirken zur Mittagszeit wie ausgestorben. Auf einem gut gepflegten Rasenstück steht auf einem großen Felsbrocken eine Glocke, darunter ein Bronzeschild. "Von 1978 bis 1993 mahnte uns diese Glocke zu Zusammenhalt und Standhaftigkeit im Kampf um die Freiheit, Gott segne und schütze Ermershausen", steht darauf. Vor dem Rathaus steht ein eineinhalb Meter hoher Gedenkstein, in roten Großbuchstaben ist zu lesen:

"Wir vergessen nie! Den Tag der gewaltsamen Auflösung unserer Gemeinde am 19. Mai 1978. Nach 15 Jahren Widerstand erhielt Ermershausen am 1. Januar 1994 die Selbständigkeit zurück. Beharrlichkeit und Einigkeit brachten den Erfolg."

Inschrift eines Gedenksteins vor dem Rathaus Ermershausen

Rückblick – ein Dorf im Ausnahmezustand

Die Metzgerei von Ex-Bürgermeister Adolf Höhn, der 2016 verstorben ist.

Am 18. Mai 1978 herrscht große Aufregung im kleinen Ermershausen, direkt an der Grenze zur DDR gelegen. Die Gebietsreform in Bayern ist vollzogen. Ermershausen wird ins nur wenige Kilometer entfernte Maroldsweisach eingemeindet. Vergeblich haben sich die Bürger von Ermershausen dagegen gewandt. Der Metzgermeister Adolf Höhn hat offiziell sein Bürgermeisteramt verloren. Doch er weigert sich, die Gemeindeakten herauszugeben. Mit vielen Dorfbewohnern steht er vor der Rathaustreppe.   

"Die Bürger sind sicher auch auf der Hut und werden rund um die Uhr das Rathaus bewachen. Bislang tun es nun unsere Kleinsten, die von früh bis zum Abend ausharren und am  Abend sind unsere Erwachsenen da."

Adolf Höhn, ehemaliger Bürgermeister von Ermershausen

Im Rathaus im gerade einmal drei Kilometer entfernten Maroldsweisach sitzt zur gleichen Zeit Bürgermeister Ottomar Welz. Einige Tage zuvor sind einige seiner Gemeindearbeiter aus Ermershausen verjagt worden.

"Der Markt Maroldsweisach wird selber nichts unternehmen. Wir haben versucht, dass es zu einer gütlichen Regelung kommt. Wir selbst haben die Gebietsreform nicht erfunden. Wir können auch nichts dazu, dass Ermershausen zu Maroldsweisach zugeordnet wurde."

Ottomar Welz, ehemaliger Bürgermeister von Maroldsweisach

Der Maroldsweisacher Wilhelm Schneider ist damals 20 Jahre alt. Heute ist er der Landrat des Landkreises Haßberge, damals steckt er mitten in den Abiturvorbereitungen. Aber er bekommt an diesem 18. Mai 1978 mit, dass sich plötzlich viel Polizei in Maroldsweisach sammelt.

"Die waren auf dem Parkplatz vor der Mittelschule, großes Aufgebot und ich bin selber sogar mal hingelaufen und habe mir das angeschaut, habe aber nicht gewusst was da die Hintergründe sind. Dann war aber der Hintergrund der, dass der Einsatz in Ermershausen geplant war."

Wilhelm Schneider, Landrat des Landkreises Haßberge

Hunderte Polizisten riegeln Ermershausen ab

Es ist der Morgen des 19. Mai 1978, als hunderte Polizisten die Zufahrtsstraßen nach Ermershausen absperren und mehrere Hundertschaften in Richtung Rathausplatz vorrücken. Das ganze Dorf ist sofort auf den Beinen, auch Günter Pfeiffer, heute Bürgermeister von Ermershausen:

"So als 13-, 14-Jähriger hat man es eigentlich nicht so wahrgenommen, was da wirklich passiert ist. Aber jetzt in der Rückbetrachtung tut es eigentlich weh, das so zu sehen. Diese Polizeifront, diese Absperrung des Rathauses,  was da war. Ich war im vorderen Bereich gestanden, und diese Helme, diese Schilde, diese Schlagknüppel, die da waren. Und das ist eigentlich das, was sich am meisten eingeprägt hat. Und dann sind einfach Bilder noch da von diesen Polizeiautos, denen die Ermershäuser den Weg versperrt haben, den Weg aufgehalten haben, diese Schreie, eher beängstigend im Nachgang betrachtet."

Günther Pfeiffer, Bürgermeister von Ermerhshausen

Ex- Bürgermeister Adolf Höhn sieht in jener Nacht aus dem Schlafzimmerfenster und noch bevor er aus dem Haus eilt, ruft er Journalisten an. Als die in den Ort kommen, treffen sie auf zornige Bürger, an der Spitze Adolf Höhn.

Protestzug zum Grenzzaun der DDR

Nur wenige hundert Meter hinter Ermershausen befindet sich damals der Metallgitterzaun und das Minenfeld zur DDR. Es hätte in jener Nacht des 19. Mai 1978 noch dramatischer werden können, denn eine Gruppe von Bürgern aus Ermershausen hat plötzlich in ihrer Verzweiflung eine spektakuläre Idee:

"Und zwar haben sich etwa 50 Ermershäuser, Bürger, Frauen und Kinder aufgemacht, nach dem Überfall früh, was da geschehen war: Jetzt gehen wir zur DDR rüber, die da hüben sind nicht besser wie die da drüben. Und sind  wirklich mit Kind und Kegel zur Grenze marschiert. Und waren etwa 50, ja 30 Meter vor der Grenze. Ich bin dann mit dem Auto hinterher gefahren und habe gesagt: Bitte tut das nicht, geht nicht rüber. Da waren die Tore drüben geöffnet und Marschmusik hat gespielt. Sozusagen: Geht rüber, das Tor ist offen."

Adolf Höhn, ehemaliger Bürgermeister von Ermershausen

Die Anordnung des Polizeieinsatzes, um die Gemeindeakten aus dem Rathaus von Ermershausen zu holen, kam aus dem Bayerischen Innenministerium. Im bayerischen Landtag muss sich später Innenminister Alfred Seidl rechtfertigen. Sein Vortrag wird von vielen Abgeordneten wie ein fränkischer Komödienstadel aufgenommen.

"In Ermershausen war eine Tag und Nacht besetzte Informationsstelle durch die Bürger, durch die Einwohner dieser Gemeinde errichtet, die alle verdächtigen Bewegungen im Umkreis der Altgemeinde beobachtete. Vor dem Rathaus standen rund um die Uhr Posten, um durch Auslösen der Sirene und läuten der Kirchenglocken die Bevölkerung von Ermershausen zu alarmieren. Die Schlösser der Rathaustüren waren mit Blei ausgegossen, Traktoren und Raupenfahrzeuge standen zu Sperrungen der Zugangsstraße zum Rathaus bereit, schließlich wurden Drohungen ausgesprochen, dass man mit Dreschflegeln und Mistgabeln kommen und bis aufs Messer kämpfen wolle."

Alfred Seidl, ehemaliger Innenminister Bayerns

"Das Rebellendorf" Ermershausen

Die Freiheitsglocke der Bürger von Ermershausen

Ermershausen heißt von da an "das Rebellendorf". Den Rathausplatz benennen sie in "Platz des Polizeiüberfalls" um und ab sofort versammeln sich die Bürger in jeder Nacht auf einen 19. Mai, um an den Polizeieinsatz zu erinnern. Auch am Vormittag 19. Mai 1980 versammeln sich die Bürger vor dem Rathaus. Sie wollen ihre Freiheitsglocke zum ersten Mal ertönen lassen. Für den Bayerischen Rundfunk ist Reporter Roland Thein vor Ort.

"Nun läutet also zum ersten Mal die sogenannte Freiheitsglocke von Ermershausen. Es ist neun Uhr morgens jetzt, heute Nacht wurde sie aufgerichtet, steht auf drei Stämmen, und soll stehen bleiben, bis Ermershausen wieder selbständige Gemeinde ist. Auch diese Freiheitsglocke ist ein Ermershausener Streich, denn es wurde verboten, die Kirchenglocken zu läuten, dann hat man kurz entschlossen diese Glocke aufgestellt und die zu läuten kann, bis jetzt jedenfalls, noch niemand verbieten."

Roland Thein, Ex-Reporter des Bayerischen Rundfunks

Das regionale Mittagsmagazin des Bayerischen Rundfunks für Mainfranken startet 1982 zum vierten Jahrestag des Polizeieinsatzes einen Versöhnungsversuch. Jeweils ein Übertragungswagen steht in beiden Orten. Ermershausen feiert ein Volksfest, Maroldsweisach boykottiert die Livesendung, Reporter Franz Barthel steht allein im Ort, gegen Ende der Sendung  kommt von ihm etwas frustriert ein verhängnisvoller Satz.

"Der Platz ist leer, alles hält sich zuhause auf. Ich vermute gegen Ende der Sendung  nach 13.00 Uhr, da kommen sie dann alle wie die Ratten aus den Löchern und sagen uns, was wir falsch gemacht haben."

Franz Barthel, ehemaliger Reporter des Bayerischen Rundfunks

Sofort ist der Übertragungswagen in Maroldsweisach von empörten Einwohnern umgeben, der Reporter muss mit Polizeischutz in Sicherheit gebracht werden.
Die Bürger von Ermershausen boykottieren von da an alle Wahlen. Bei Bundes- und Landtagswahlen werfen sie ihre Wahlbenachrichtigungskarten in ein vor dem Rathaus aufgestelltes Toilettenhäuschen oder sie verzocken ihre Stimmen bei einem Würfelspiel. Bei der Kommunalwahl 1984 binden sie ihre Karten an Luftballons und lassen sie in die nahe DDR abtreiben.

1989 lehnt der Landtag die Ausgliederung ab

Der bayerische Landtag befasst sich im Januar 1989 noch einmal mit Härtefällen der bayerischen Gebietsreform. Die Ausgliederung von Ermershausen aus der Marktgemeinde Maroldsweisach wird abgelehnt, Begründung: Zu wenig Einwohner. Die nächsten Kommunalwahlen stehen an, der Maroldsweisacher Bürgermeister Ottomar Welz startet nach der Ablehnung der Ausgliederung einen neuen Versuch.

"Ich glaube doch, dass jetzt auch die letzten einsehen müssen, dass ab heute die Stunde gekommen ist, dass man doch mit uns, mit dem Markt Maroldsweisach, mit der Verwaltung, zusammenarbeiten sollte. Und ich glaube gerade die Kommunalwahl im Jahr 1990 bietet da eine gute Gelegenheit, einen guten Start für die Ermershäuser."

Ottomar Welz, ehemaliger Bürgermeister von Maroldsweisach

Der Kampf wird politisch

Ermershausen will nun einen politischen Weg einschlagen. Ermutigt durch den CSU-Kreisvorsitzenden Rudolf Handwerker und den CSU-Kreisrat Sebastian Freiherr von Rothenhan, der schon seit einigen Jahren den Freiheitskampf von Ermershausen unterstützt. Und wieder wird es spektakulär. Der neue CSU-Ortsverband Ermershausen zählt 278 Mitglieder und ist auf einen Schlag der größte im Landkreis Haßberge. Auch aus der Staatsregierung kommen – mit anderen Politikern – inzwischen andere Töne.

"Sicherlich, das ist geschehen und das hat natürlich ganz erheblich zur Verhärtung und zur Unversöhnlichkeit beigetragen und diese Entscheidung  war mit Sicherheit – und das ist ja kein Geheimnis, wurde ja sehr schnell als falsch auch angesehen und würde sicherlich heute nicht mehr getroffen."

Edmund Stoiber, seinerzeit Innenminister Bayerns

"Ich persönlich hätte diesen Einsatz nicht angeordnet und halte ihn nach wie vor für einen Fehler."

Rudolf Handwerker, seinerzeit CSU-Kreisvorsitzender

Im März 1990 gehen die Bürger von Ermershausen nach zwölf Jahren Boykott wieder zur Kommunalwahl. Bürger von Ermershausen sitzen nun im Marktgemeinderat von Maroldsweisach. Als dieser jedoch mehrheitlich einem Gemeinderat von Ermershausen den Posten eines stellvertretenden Bürgermeisters verweigert, ändert die CSU auf Bezirks- und Landesebene überraschend ihre Ansicht. Jetzt ist auch der unterfränkische CSU-Bezirksvorsitzende und damalige Finanzstaatssekretär Albert Meyer für die Selbstständigkeit von Ermershausen.

"Das ist sicherlich eine Wende und ich muss sagen, dass wir sehr enttäuscht sind, dass eine einmalige Chance, eine gewisse Befriedung in Maroldsweisach herbeizuführen, versäumt worden ist nach der Wahl."

Albert Meyer, seinerzeit CSU-Staatssekretär

Die "Lex Ermerhshausen" – ein Spezialgesetz bringt die Selbstständigkeit

Zur Selbstständigkeit von Ermershausen ist ein eigenes Gesetz nötig. Für den designierten Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ist es die letzte Amtshandlung als Bayerischer Innenminister.

"Das trägt meine Handschrift. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich das Problem lösen möchte und da nun leider eine friedliche Auseinandersetzung in Ermershausen nicht möglich war, habe ich als eine der letzten Handlungen als Innenminister eben ein Spezialgesetz ins Kabinett gebracht und ich hoffe, dass der Landtag dem zustimmen wird und dass Ermershausen dann eben als selbständige Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim angehören wird."

Edmund Stoiber, seinerzeit Innenminister Bayerns

Der bayerische Landtag beschließt die "Lex Ermershausen", das Spezialgesetz von Ermershausen und Adolf Höhn kann im Herbst 1993 den Satz verkünden, auf den er und viele seiner Bürger 15 Jahre lang gewartet haben.

"Und wir werden und sind somit heute selbstständig. Dankeschön. Wenn man endlich mal die Kolonialzeit hinter sich lassen kann, 15 Jahre lang die letzte Kolonie Europas, da muss man doch froh drüber sein, oder? Bin froh, dass es soweit ist, Gott sei Dank, es war ein harter Kampf, aber wir haben es geschafft, die Hoffnung haben wir nie aufgegeben. Jetzt haben wir es ihnen bewiesen, dass wir doch eine tatkräftige und eine selbständige Gemeinde sein können."

Adolf Höhn, ehemaliger Bürgermeister von Ermershausen

1994 wird Ermerhausen wieder selbstständig

In der Neujahrsnacht 1994 wird Ermershausen wieder selbständig und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim. Bei den anschließenden Wahlen wird Adolf Höhn erneut Bürgermeister von Ermershausen und von den Bürgern gefeiert.

40 Jahre danach – die Erinnerung bleibt wach

Ruhig ist es in Ermershausen, 40 Jahre nach der Nacht des Polizeieinsatzes vom 19. Mai 1978. Gedenkstein und Freiheitsglocke werden gehütet. Und auch die Jüngeren, die diese Nacht nicht erlebt haben, so wie Daniel Döllner, wissen auf jeden Fall Bescheid, was da war: 

"Unsere Freiheitsglocke, die soll daran erinnern, wie wir überfallen wurden in Ermershausen, das weiß man noch von den Großeltern her. Da bleibt schon etwas hängen. Wir merken es jetzt zwar nicht mehr, dass da mal was war. Es soll auf jeden Fall daran erinnern."

Daniel Döllner

Wilhelm Schneider war zwölf Jahre Bürgermeister von Maroldsweisach, heute ist er der Landrat im Landkreis Haßberge.

"Die Polizeigewalt hat natürlich sehr stark dazu beigetragen, dass dann wirklich gewaltiger Widerstand entstanden ist. Zwischen Personen sowohl in Maroldsweisach als auch in Ermershausen ist das natürlich auch ausgetragen worden, ich sag mal zwischen den verantwortlichen Personen. Aber letztendlich war meiner Meinung nach entscheidend dieser Polizeieinsatz, dass man eben mit Gewalt gegen den Willen der Bürger die Akten und so weiter in dieser riesen Aktion von Ermershausen nach Maroldsweisach gebracht hat und dieser traumatische Zustand ist bestimmt noch da und das werden manche noch im Hinterkopf haben, kann ich mir vorstellen."

Wilhelm Schneider, Landrat des Landkreises Haßberge

Ruhe, Normalität – und auch wieder Zusammenarbeit

Gemeinsam auf dem Verkehrsschild: Ermershausen und Maroldsweisach.

Zwischen den Bürgern in Ermershausen und Maroldsweisach ist längst Ruhe und Normalität eingekehrt. Schon als Maroldsweisacher Bürgermeister empfindet der heutige Landrat das als segensreich. Es gibt vielfältige Zusammenarbeit.

"Wir haben ja eine Wasserleitung zusammen, wir haben eine Grünschnittdeponie zusammen, wir haben einen Schulverband zusammen. Wir arbeiten sehr gut zusammen. Und das hat sich dann auch ausgewirkt, weil jetzt auch die Vereine wieder zueinander gehen, Faschingsverein feiert miteinander, man trifft sich wieder. Und es ist eine sehr gute Nachbarschaft geworden, Gott sei Dank."

Wilhelm Schneider, Landrat des Landkreises Haßberge  

Der Cousin von Landrat Wilhelm Schneider ist der aktuelle Bürgermeister von Ermershausen. Günter Pfeiffer ist stolz darauf, was Ermershausen seit seiner Selbständigkeit 1994 geleistet hat.

"Keiner hat's uns zugetraut, manche haben es vielleicht auch gewünscht, dass wir scheitern. Nächstes Jahr sind wir 25 Jahre selbstständig. Eigentlich muss man es auch als Erfolgsgeschichte sehen. Wir haben letzte Woche unseren Haushalt verabschiedet, wir sind schuldenfrei. Machen Platzgestaltung, kaufen jetzt ein Feuerwehrauto. Wir stehen gut da."

Günter Pfeiffer, Bürgermeister von Ermershausen

Für die Jungen "wie ein schlechter Film" 

Große Hochachtung hat Bürgermeister Günter Pfeiffer vor dem 2016 verstorbenen Adolf Höhn. Der erfolgreiche Kampf von Ermershausen um seine Selbständigkeit ist ein prägender Abschnitt in der Dorfgeschichte. Immer wieder mal sitzen in Ermershausen die Älteren mit den Jüngeren zusammen. Zwei Sachen können die Jungen eigentlich nicht begreifen: Dass hinter dem Dorf jahrzehntelang ein verminter Todesstreifen war, der Deutschland in Ost und West trennte. Und dass am 19. Mai 1978 hunderte von Polizisten nachts ins Dorf kamen, weil sie Akten aus dem Rathaus holen wollten. Von beiden Ereignissen gibt es Film- und Tondokumente und die schauen sie hin und wieder sehr verwundert an.

"Es ist ein Teil von Ermershausen, es ist ein Teil von unserer Geschichte. Man darf aber nicht in der Vergangenheit hängen bleiben, sondern man muss trotzdem nach Vorne schauen. Man muss auch schauen, dass man die jungen Leute wieder dafür interessiert. Wer damals sieben, acht, neun Jahre alt war, hat das gar nicht mehr bewusst auf dem Schirm. Oder wenn ich es meinen Kindern daheim erzähle, die glauben das einfach nicht. Das ist einfach Kopfschütteln, das ist für die eine ganz andere Welt. Mitunter wenn man das sieht, wie ein schlechter Film."

Günter Pfeiffer, Bürgermeister von Ermershausen


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