3

Vorgestellt // Demograffics Aus der Provinz in die Provinz

Englischer Rap funktioniert: Im Falle der Regensburger Demograffics sogar so gut, dass sie neben ihren vielbeachteten Alben und Projekten zu zentralen Figuren der bayerischen HipHop-Szene geworden sind.

Stand: 28.11.2014 | Archiv

Demograffics | Bild: Denis Falkenstein

Achim Schneemann alias Maniac rappt auf Englisch – und das ist gut so. Auch wenn der Demograffics-MC deswegen immer wieder die üblichen reflexhaften Wackness-Vorwürfe erntet. Frei nach dem Motto: Das hört man doch, dass der kein Ami ist! Vielleicht sollten sich vorschnelle Kritiker einfach erst mal Achims Lebensgeschichte anschauen, um zu verstehen, wie der gebürtige Niederbayer überhaupt zum HipHop gekommen ist.

Ein Niederbayer aus South Carolina

Als Achim sieben ist, erhält sein Vater einen Job bei einer Software-Firma in Amerika. Genauer gesagt in South Carolina, einem Staat im tiefsten Süden der USA, dessen "state bird" der Zaunkönig und dessen "state beverage" Milch ist. Klingt nicht nur nach Provinz, ist es auch. Doch genau in dieser Provinz entdeckt Achim den HipHop für sich und träumt fortan davon, selbst Rapper zu werden.

Mit 18 Jahren dann der Entschluss Amerika zu verlassen. Zwei Gründe sind dafür entscheidend: In die HipHop-Clubs, in denen er sich zuhause fühlt, wird er noch nicht reingelassen und einen Ausbildungsplatz findet er dort auch nicht. Also zurück nach Deutschland, nach Landshut. Dort kann er eine Ausbildung machen, darf in die Clubs und lernt zudem seinen jetzigen DJ kennen: DJ Rufflow - den, wie die beiden selbst schreiben, "hardest working man in no biz". Und wenn die beiden zusammen performen, ist das großes HipHop-Entertainment.

Immer auf der Suche nach den richtigen Samples

Achim Schneemann ist der geborene MC, weil er allen im Club das Gefühl gibt, dass auch sie Demograffics sind. Er ist ein großartiger Produzent, der Platten aller Stilrichtungen sammelt und Tage damit verbringt, in seinem Musikarchiv nach den richtigen Samples zu suchen - und in denen steckt mindestens so viel abgehangener Humor wie in den Texten. Diese Detailverliebtheit hört man seit dem Debütalbum "Bird's Eye View" von 2008 nicht nur allen Releases der Demograffics an, sondern auch Maniacs diversen Nebenprojekten.

Zusammen mit Produzent und Rapper Dexter - der nicht nur in der Beatproducerszene gehyped wird, sondern inzwischen auch für Chartstürmer Cro an den Reglern dreht - tritt er als "Dexter & Maniac" auf, mit der HipHop-Liveband Tribes Of Jizu und Moop Mama-Frontmann Keno steht er regelmäßig bei der Partyreihe "Loop Sessions" auf der Bühne. Und wenn Mundart-Rapper wie Doppel D, Liquid oder BBou ein Album raushauen, findet man Maniac Name garantiert irgendwo im Kleingedruckten. Eins ist also klar: Im bayerischen HipHop kommt man an den Demograffics einfach nicht vorbei.


3