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Vorgestellt // Doppel D Mia san mia

Sie waren am Start, schon lang bevor die Bajuwarisierung der Popmusik zusetzt: Doppel D. Vergesst Klischees zum fad-konservativen Landleben, es ist kein CSU-Rap, aber bayerischer als Dirndl und Weißwurst zusammen.

Stand: 03.02.2012 | Archiv

Doppel D aus München | Bild: Doppel D

Rap aus Bayern, auf Bairisch - dafür stehen Doppel D. Die Rapper Monaco Fränzn, Gräm Grämsn und ihr DJ Spliff sind tief verwurzelt im Bayerischen Wald. Normalerweise gilt ja: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Im Fall Doppel D schallt's aber mal ganz anders: Doppel D machen HipHop, der absolut auf der Höhe der Zeit ist und so in ganz Deutschland noch nicht zu hören war.

Bei Doppel D haben sich zwei Rapper mit unterschiedlichen Styles zusammengefunden: Monaco Fränzn, unser Grantler von PULS, flowt gemütlich in breitestem Bairisch, Gräm Grämsn setzt den Dialekt als Stilmittel ein. Hungrig klingt er. Auch wenn man als Nicht-Deggendorfer nicht immer jedes Wort versteht: Spaß macht's auf jeden Fall. Die beiden MCs sind zugleich auch die Produzenten. Geprägt von Producern aus Detroit und New York haben sie ihren eigenen Stil in einem reduzierten Sound gefunden, der an The Cool Kids erinnert.

Live sind Doppel D eine Macht. Unterstützt von HipHop-Crews aus der Region betourten sie in den letzten Jahren die Republik und hinterließen ein schweißnasses und hellauf begeistertes Publikum. Mit ihrem Album "B-aya-N" (2010) haben sie ihrem Repertoire großartige Tracks hinzugefügt, wie "Watschnbaam" - das offizielle Video ist ein kunstvoll reduzierter Augenschmaus und präsentiert das Who-is-who der bayerischen Rap-Szene - und "Schaust Guad Aus", ein Track, den ein Stimmensample von Haindling-Sänger Hans-Jürgen Buchner ziert. Diese musikalische Leihgabe hat 2011 beim Night Of The Alps Festival am Tegernsee auch zu einem besonderen Event geführt: Doppel D und Haindling gemeinsam auf der Bühne.

Welche bayerischen Stars und Sternchen 2012 auf dem neuen Album verarbeitet werden, bleibt noch geheim. Monaco Fränzn, Gräm Grämsn und DJ Spliff verziehen sich an Wochenenden bevorzugt auf eine einsame Hütte im Bayerischen Wald, um mit Laptops bewaffnet an neuen Tracks zu arbeiten.

Der Alltag der Bayern spielt eine große Rolle in den Texten von Doppel D, obwohl sie eins ganz klar machen: "I bin koa CSU-Rapper, sogst no oa moi CSU-Rapper, nimm Gift draaf, dass scheppert, glaub's glei, seids ihr deppert, mia wad ma CSU-Rapper". Sie stehen zwar zu ihrer bayerischen Herkunft, sind aber angetreten, um die immer gleichen Lederhosen-Klischees zwischen Stammtisch und Sepperltum endlich aufzubrechen. So geht es in ihren Songs um den Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und auf dem Land, den die Doppel-Dler am eigenen Leib erfahren haben - inzwischen wohnen alle in München. Natürlich thematisieren sie auch die exzessive Feierei - in Bierzelten wie in Clubs. Und nicht zuletzt werden Ansagen in Richtung deutsche HipHop-Szene geschleudert, der sie sich trotz des Exotenstatus zugehörig fühlen. Ob musikalisch, inhaltlich oder regional, auf allen Ebenen gilt der Leitsatz: "Mia san mia - oba ned so wie ia!"


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