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Danke Tony Hawk & Isenseven! Wie Actionsportler den Musikgeschmack einer Generation geprägt haben

In jungen Jahren wird der Musikgeschmack oft von den Eltern geprägt. Als es noch keine Streamingdienste gab, konnte das zu bösen Geschmacksverirrungen führen. Retter in der Not waren da ausgerechnet Skater und Snowboarder.

Von: Ben Kanthak & Verena Fücker

Stand: 01.03.2017 | Archiv

Skateboard Legende Tony Hawk | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn es früher mit der Familie in den Urlaub ging oder zu Hause Besuch da war, liefen meistens irgendwelche alten Songs rauf und runter. Sehr lange im Leben ist man dem Musikgeschmack der Eltern hoffnungslos ausgesetzt. Dabei ist es völlig egal, ob sie einem Miles Davis mitgeben oder mit Schlager die Wochenenden versauen – früher oder später will man Musik für sich selbst entdecken. Das war in Zeiten vor Streamingdiensten oder mit MTV gar nicht so einfach. Denn seien wir mal ehrlich: Im Musikfernsehen lief vor allem das, was alle gehört haben. Und wer will schon der absolute Mainstream sein?

Zum Glück gab es aber irgendwann Skatevideos, damals noch schön auf abgeleiherten VHS-Kassetten, meistens geklaut von den älteren Geschwistern. Und der Moment, in dem die ersten Bilder auf dem Fernseher flimmerten, kam einer Offenbarung gleich. In Skate- und Snowboardvideos von Leuten wie Jeremy Jones, Travis Rice oder Rodney Mullen konnte man man als 13-jähriger Durchschnittsskater oder -snowboarder krasse Tricks auf dem Asphalt oder im Schnee bestaunen, aber vor allem richtig gute Musik entdecken, die diese Bilder antrieb. Die war teils weit ab vom Mainstream. Zum Glück!

Aber wer waren diese Bands, die da zu hören waren? Wo kamen die her und wieso hatte man noch nie von denen irgendwas mitbekommen? Die entpuppten sich als Bands wie Lagwagon, 13&God oder die Thrash Metaller von Slayer.

Einen großen Anteil daran, dass sich zum Beispiel die deutsche Snowboard-Szene weiterentwickelte, hatten auch die Jungs von Isenseven, seitdem 2002 ihr erster Snowboardfilm "New Noise" rausgekommen ist. Neben den krassesten Tricks, nicen Bildern und jeder Menge Spaß zeichnete sich die Snowboardcrew aus dem oberbayerischen Isen vor allem auch durch die exquisite Musikauswahl aus. Songs wie "Suspicious Character" von The Blood Arm, "So Close So Near" von Thermostatic, Spoons "The Underdog" oder "Sushi" von Kyle Andrews sind bis heute in unseren Playlists.

Das Next Level wurde dann erreicht, als man in Games wie "Tony Hawk's Pro Skater" auch noch selbst wie ein junger Gott skaten konnte und das zu geilsten Songs von Millencollin, N.W.A. oder Ska-Punk von Goldfinger. Parallel dazu verbreitet sich 2009 ein Youtube-Clip von Mountainbikeprofi Danny MacAskill wie ein Lauffeuer.

Das Video, in dem sich der Biker zum Song "The Funeral" von Band of Horses durch Edinburgh trickst, machte nicht nur Danny MacAskill, sondern vor allem auch die Gruppe Band of Horses weltweit berühmt. Der Song hat mittlerweile 118 Millionen Streams bei Spotify.

Extremsportvideos, Games und Internetclips haben den Musikgeschmack ganzer Generationen nachhaltig beeinflusst und tun es auch heute immer noch. Es mag schwieriger geworden sein, aufgrund der Fülle an Clips mit einem Video nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Aber auch heute brauchen starke Bilder die passende Musik, damit sie wirken - und die kommt oft auch von weniger bekannten Künstlern, die es zu entdecken lohnt.


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